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Kunst und Kultur

Schwelgen in Wolken aus Sound

Die Earth Band von Manfred Mann lässt sich Zeit für minutenlange Improvisationen. Der fast 79-jährige Klang-Tüftler wagt sich sogar an die Bühnenfront.



Aus guten Songs anderer Autoren hat Manfred Mann immer wieder Welthits mit Ohrwurm-Charakter gemacht. Mit seiner Earth Band präsentierte er sie am Samstagabend auf der ausverkauften Luisenburg. Unser Bild zeigt ( vorne von links) Mick Rogers, Robert Hart und Manfred Mann.	Fotos: Andrea Herdegen
Aus guten Songs anderer Autoren hat Manfred Mann immer wieder Welthits mit Ohrwurm-Charakter gemacht. Mit seiner Earth Band präsentierte er sie am Samstagabend auf der ausverkauften Luisenburg. Unser Bild zeigt ( vorne von links) Mick Rogers, Robert Hart und Manfred Mann. Fotos: Andrea Herdegen   » zu den Bildern

Wunsiedel - Der scheue Virtuose hat sich wieder verschanzt in seiner Burg aus Orgeln, Keyboards und Synthesizern. Da, wo der schwarze Hut mit den silbernen Verzierungen ein wenig über die Zinnen der Klang-Festung lugt, da ist er wahrscheinlich gerade am Tastendrücken: Manfred Mann. Seit seinen ersten Erfolgen im London der Swinging Sixties ist es dem gebürtigen Südafrikaner unangenehm, berühmt zu sein, angehimmelt zu werden von den Fans. Immer hat er sich lieber versteckt hinter seinen Instrumenten, hat seine genialen Klangwelten in den Vordergrund geschoben und die anderen Mitglieder der Earth Band an der Bühnenfront rocken lassen.

Im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere hat Mann aber nach und nach gelernt, mit dem Jubel der Massen besser umzugehen. Einen guten Monat vor seinem 79. Geburtstag sieht man ihn am Samstagabend auf der Luisenburg-Felsenbühne sogar erstaunlich oft ins Rampenlicht treten, das Keytar im Zebra-Look umgehängt, einen Synthesizer in Gitarrenform. Einmal, bei "Blinded By The Light", tritt er sogar ans Mikrofon von Robert Hart in der Bühnenmitte und singt den ersten Vers. In der Hand einen Zettel mit Bruce Springsteens komplizierten Lyrics. Bloß nicht steckenbleiben, bloß vor den vielen Leuten den Text nicht vergessen. Das wäre ihm unendlich peinlich.

Hart nimmt seinen Chef umsorgend in den Arm, Gitarrist Mick Rogers nickt ihm, aufmunternd lächelnd, zu. Und die knapp 2000 textsicheren Luisenburg-Zuschauer helfen lautstark mit. Da huscht sogar ein Lächeln über Manns ansonsten stets ernstes bis mürrisches Gesicht und er bedankt sich mit einer Daumen-hoch-Geste, als er zurück in die Geborgenheit seiner Tastenburg schlurft.

Gern spielt der geniale Veredler, der aus guten Songs anderer Autoren immer wieder Welthits mit Ohrwurm-Charakter gemacht hat, mit seinem Publikum ein wenig "Erkennen Sie die Melodie?" Jazzig klimpert er vor sich hin, streut kleine Zitate quer durch die Musikgeschichte ein und führt ganz langsam hin zum eigentlichen Stück. Wenn den Zuhörern dann endlich klar wird, was da als nächstes kommt, brandet spontan Beifall auf. Mick Rogers, 1971 Mitgründer der Earth Band, spielt das Spiel gerne mit, schwelgt seinerseits in scheinbar ziellosen Soli und kommt dann doch mit einem fetzigen Riff zum Punkt.

Die Musiker brauchen natürlich Zeit für derartige Ausflüge, auch für die langen virtuosen Improvisationen mitten im Song. Nach den ersten drei Stücken, "Captain Bobby Stout", "Don’t Kill It Carol" und "Martha’s Madman", ist schon mehr als eine halbe Konzertstunde um. Aber diese sich organisch entwickelnden Klangwelten, dieses gemeinsame musikalische Umkreisen eines Themas machen die Faszination eines Earth-Band-Konzertes aus. Alles klingt, als würde es spontan entstehen, aber natürlich sind die von Manfred Mann erdachten komplexen Arrangements exakt einstudiert und werden von hervorragend aufeinander eingespielten Musikern genau auf den Punkt abgeliefert.

Schwer und sphärisch sind die Soundwolken bei Bob Dylans "Father Of Day, Father Of Night", fröhlich und tanzbar dagegen Mick Rogers kurze Reminiszenz an frühe Jahre mit "Doo Wah Diddy Diddy". Beifallsstürme, als der stimmgewaltige Robert Hart zu "Davy’s On The Road Again" ansetzt. Und noch größerer Jubel im ausverkauften Rund bei der Zugabe "Mighty Quinn".

Die schwierige Aufgabe des Anheizers hatten beim "Rock im Fels"-Event zuvor Peter Hohenecker und Silvia Salzbauer mit einem Auszug aus ihrem Tom-Waits-Programm übernommen. Der "Grease"-Regisseur und Ehemann von Luisenburg-Chefin Birgit Simmler kommt mit seiner knorrigen Stimme gut an und erntet viel Applaus. "Ehrlich gesagt, wäre ich schon froh gewesen, wenn uns das Publikum nur höflich ignoriert hätte, während es auf Manfred Mann und Glenn Hughes wartet."

Autor

Andrea Herdegen
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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
17:22 Uhr

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Autor

Andrea Herdegen

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
17:22 Uhr



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