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Kunst und Kultur

Seemanns-Mission als Therapie

Beim Burgsommer in Thierstein macht die Band "Hiss" alles richtig. Ihre Musikmischung und ihre ironischen Texte kommen beim Publikum an.



Die fünf Musiker von "Hiss" heizten am Freitagabend auf der Burg Thierstein gehörig ein. Foto: Michael Meier
Die fünf Musiker von "Hiss" heizten am Freitagabend auf der Burg Thierstein gehörig ein. Foto: Michael Meier  

Thierstein - Wenn eine Band Tsunamis und Taifunen, der sengenden Sonne des Südens sowie dem erbarmungslosen Eismeer getrotzt und bereits in Cartagena, Wladiwostok, Kapstadt und Shanghai gezecht hat, dann ist sie auch reif genug, um auf der Burgruine Thierstein aufzutreten. Das war zumindest die Voraussetzung, die sich die fünf Musiker der Band "Hiss" aus Heilbronn am Freitagabend selbst auferlegten. "Südsee, Sehnsucht und Skorbut" hieß der Titel des Konzertes, und Stefan Hiss (Gesang, Akkordeon), Michael Roth (Mundharmonika, Gesang), Thomas Grollmus (Gitarren, Mandoline, Gesang), Volker Schuh (Bass) sowie Bernd Öhlenschläger (Schlagzeug, Gesang) spannten einen weiten, musikalischen Bogen.

Die Burg war trotz einiger Konkurrenzveranstaltungen gut gefüllt, und das Wetter passte sowieso. "Wir spielen heute für die menschlichen Problemzonen Bauch, Beine und Hirn, wir machen eine Seemanns-Mission zur Gruppentherapie. Es wird ein Konzertabend im Spannungsfeld zwischen Polka und Rock’n’Roll, Taiga-Twist und Texas-Tango, zwischen Schmutz und Schmalz", verkündete Stefan Hiss.

Das ist genau genommen auch das Besondere dieser Band. Man kann sie nicht auf eine Thematik oder einen Musikstil festlegen.

Wie angekündigt, bauten die Musiker auch an diesem Abend spielerisch und ungezwungen irische und arabische Melodien ein. Dazu würzten sie ihre Polka auch noch gehörig mit Country, Rockabilly, Latin, Walzer und Blues. Zum selbst inszenierten Band-Image von Outlaws und Vagabunden gesellen sich rabenschwarze Texte. So erfuhren die Besucher unter anderem vom Reisenden, der keinesfalls in der Heimat begraben werden wollte: "Ich wollt da immer raus. Verscharrt mich in der Wüste, verstreut mich übers Meer", lautete der Refrain.

Und es gab auch die Erkenntnis, dass wir alle sterben müssen, deshalb wurde musikalisch das Glas auf die Toten erhoben: "Hier liegen die Harten und die Weichen. Egal was sie waren, nun sind sie Leichen". Erzählt wurde auch vom Mann, der acht Kinder mit neun Frauen hatte (oder umgekehrt). "Ganz schön viel, für einen Gemeindepriester", kommentierte der Sänger. "Ich lieb die Wolken und die Sterne, und das weite Meer ringsum und Rum, Rum, Rum", gab die Band unumwunden zu.

Einem der fünf Musiker gebührt an dieser Stelle noch ein besonderes Lob: Mundharmonikaspieler Michael Roth wählte im Laufe des Konzertes aus einer Vielfalt dieser Instrumente aus und gab damit den Stücken eine ganz besonderes Note. Sein langes Solo begeisterte die Konzertbesucher. Und am Schluss des Abends wurde auch eine Frage beantwortet: "Warum lehnen sich diese fünf Kerle nicht zurück und genießen die Früchte ihrer harten Arbeit?" Ganz einfach - weil ihre Abenteuerlust ungebrochen ist, ihr Forscherdrang noch nicht bezähmt. Mit viel Applaus und Jubel wurden die Musiker entlassen.

Die nächste Veranstaltung des Thiersteiner Burgsommers findet am 6. Juli um 20 Uhr statt. Dann tritt das Theater Hof mit "Ring of Fire", der Geschichte von Jonny Cash, auf.

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Michael Meier

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Veröffentlicht am:
30. 06. 2019
17:18 Uhr

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Michael Meier

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30. 06. 2019
17:18 Uhr



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