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Kunst und Kultur

Sommernächtliche Rock’n’Roll-Party

Die Premiere des Musicals "Grease" wird auf der Luisenburg minutenlang bejubelt. Die knallbunte Liebesgeschichte aus den Fünfziger-Jahren ist mitreißend inszeniert.



"Grease" ist mehr als nur ein Musical, es ist Lebensgefühl. Bühnenbild und Kostüme versetzen die Zuschauer zurück in die 50er-Jahre.	Foto: Florian Miedl
"Grease" ist mehr als nur ein Musical, es ist Lebensgefühl. Bühnenbild und Kostüme versetzen die Zuschauer zurück in die 50er-Jahre. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Die Handlung von "Grease" steckt im Prinzip in einer einzigen Songtext-Zeile: "Summer heat, boy and girl meet." Junge trifft Mädchen, es ist Sommer, es ist heiß. So war es auch bei der Premiere des Luisenburg-Musicals am Freitagabend. Die Geschichte, wie der obercoole Danny und die schüchterne Sandy nach Irrungen und Wirrungen zueinander finden, ist eher Nebensache, ist nur der Kaugummi, der die mitreißenden Musikstücke zusammenklebt zu einer knallbunten Rock’n’Roll-Party.

3047-Euro-Spende

Statt der üblichen gegenseitigen Toi-toi-toi-Geschenke vor der Premiere haben die Darsteller das Geld gesammelt und dem Wunsiedler Kinder- und Jugendhilfezentrum Sankt Josef gespendet. Viele aus dem Premierenpublikum stockten den Betrag aus eigener Tasche noch auf. Insgesamt kamen 3047 Euro zusammen.


Das Publikum geht begeistert mit. Schon beim Intro der hervorragend aufgelegten Luisenburg-Band (Musikalische Leitung: Dr. Michael Schnack und Philipp Riedel) sind die Zuschauer in Mitklatschlaune. Und zum Schluss feiern sie das Ensemble fünf Minuten lang, im Stehen jubelnd und laut "Zugabe" fordernd. Schade, dass es keine gibt. Diese Party hätte gern noch stundenlang weitergehen können.

Aber von vorn. 1959, Kalifornien, Rydell High School, erster Schultag nach den Sommerferien. Man erzählt sich von den Erlebnissen der vergangenen Wochen. Links die Jungs der "T-Birds", rechts die Mädels der "Pink Ladies". Links im Zentrum: Danny Zuko, schwarze Lederjacke über dem muskulösen Oberkörper, das Haar mit jeder Menge Grease, also Pomade, zur Tolle geformt. Rechts im Mittelpunkt: Sandra Dombrowski, im braven türkisfarbenen Sommerkleidchen, sich zaghaft herantastend an ihre neuen Mitschülerinnen. Beide erzählen - unabhängig voneinander, aber musikalisch zum Duett verwoben - von ihrer Ferien-Romanze. Und beide werden von ihren Teenager-Gruppen bestürmt, Details preiszugeben: "Tell me more! Tell me more!"

Schon in diesem ersten Song-Pingpong spürt man, dass Regisseur Peter Hohenecker seine Hauptdarsteller perfekt ausgewählt hat. Lucas Baier als Danny besticht durch lässige Körperlichkeit und - zumindest nach außen hin - unerschütterliches Selbstvertrauen. Lisa Radl gibt die Sandy als romantisch-verklärte Beinahe-Klosterschülerin, noch ganz unsicher nach ihrer Rolle im Leben suchend. Beide werden sich verwandeln. Danny wird irgendwann auch vor seinen Freunden seine sensible Seite zulassen, Sandy wird ihrem verhuschten Sandra-Dee-Ich Good-bye sagen und sich als selbstbewusste junge Frau nehmen, was sie möchte: "You’re the one that I want."

Die jungen Hauptdarsteller beeindrucken durch ihr emotional dichtes Spiel, brillieren aber vor allem gesanglich. Gänsehaut, wenn Sandy von Gefühlen überwältigt ihren Liebeskummer besingt: "Hopelessly devoted to you". Anrührend, wenn Danny seiner zeitweilig Verflossenen liebeskrank nachtrauert: "Sandy".

Bei den Nebenrollen, die durch die Bank starke Soli singen, ragt darstellerisch Fides Groot Landeweer als Rizzo heraus, die zynische Anführerin der "Pink Ladies" mit dem Charme einer Rasierklinge. Sie ist - sorry, Jungs - die Coolste auf der Bühne. Überzeugend auch Nadine Lauterbach als Patty Simcox, die ihre Pummeligkeit durch übersprühende Lebensfreude locker wettmacht. Und natürlich Torsten Ankert als Radio-Moderator und TV-Rampensau Vince Fontaine, der in einer Traumsequenz als goldhaariger Teenage Angel Sandys Freundin Frenchie (Anastasia Troska) erscheint.

Die kurzweilige Inszenierung kommt an Fünfziger-Jahre-Klischees nicht vorbei und schwelgt in längst überholten Rollenbildern der Geschlechter. Aber dieses Fifties-Feeling ist schließlich der Kern des Stücks und war auch die Intention der Autoren Jim Jacobs und Warren Casey, die zu Beginn der 1970er diese Hommage an die Rock’n’Roll-Zeit erdachten. Funkelnd polierte Straßenkreuzer und Petticoats, ein "Burgerpalace" im Diner-Look: Die Ausstattung ist erwartbar, aber sehr liebevoll gemacht (Kostüme: Josephin Berger, Bühne Manuela Weih und Ralf Schenk). Was immer zwischen den Felsen aufgebaut ist, es wird betanzt. Das Ensemble wirbelt über den zum "Greased Lightning" aufgemotzten Chevy hinweg, trainiert im Cheerleader-Fummel und misst sich bei einem Highschool-Tanzwettbewerb (fantastische Performance: Lucas Baier und Josephine Kindl).

Anita Holm hat mitreißende Choreografien geschaffen, die der Musik einen weiteren Kick geben. Da möchte man über die Tonprobleme, die es auf der Felsenbühne - wieder einmal - gibt, gerne hinweghören. Aber das ständige laute Knacken fehlerhafter Mikroports und eine gigantische Rückkopplung, die das tanzende Ensemble kurz völlig aus dem Takt bringt, trüben den Musical-Genuss leider erheblich.

Dennoch: Die Zeit vergeht wie im Flug an diesem Luisenburg-Abend. Am Schluss kriegt dann, wie’s sich für ein großes Happy-End gehört, jeder Boy sein Girl. Das Ensemble tanzt in den überwältigenden Schlussapplaus hinein. Und auf dem Parkplatz hört man später aus einem Autoradio noch mal den schrägen Schluss des Danny-Sandy-Duetts: "Oh, those su-hummer ni-hights".

—————

Weitere Vorstellungen bis 11. August, die nächsten am Freitag um 20.30 Uhr und am Samstag um 15 und um 20.30 Uhr.

Autor

Andrea Herdegen
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 06. 2019
17:18 Uhr

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Andrea Herdegen

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30. 06. 2019
17:18 Uhr



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