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Kunst und Kultur

Streicher elektrisieren Publikum

Solche Töne erleben die Besucher der Schirndinger Kirche selten. Vier tschechische Profi-Musiker spielen Stücke von Beethoven und Dvorák.



Beim Festival "Lebendes Grenzland" trat das Streichquartett Karel Ancerl in der evangelischen Kirche in Schirnding auf.	Foto: Matthias Kuhn
Beim Festival "Lebendes Grenzland" trat das Streichquartett Karel Ancerl in der evangelischen Kirche in Schirnding auf. Foto: Matthias Kuhn  

Schirnding - "Lebendes Grenzland"heißt die Konzertreihe, mit der bei Veranstaltungen jenseits und diesseits der Deutsch-Tschechischen Grenze der Kulturaustausch mit Leben erfüllt werden soll. In der evangelischen Kirche in Schirnding spielte im Rahmen des Festivals das Streichquartett Karel Ancerl Werke von Fritz Fidelio Finke, Ludwig van Beethoven und Antonin Dvorák.

Das Karel Ancerl Quartett ist 2008 am Prager Konservatorium auf eine Initiative von Professoren und Studenten gegründet worden. Ziel war es, einen neuen frischen Kammerkörper zu schaffen. Das Ensemble spielt international, in Monza und Warschau sowie in Paris haben sie schon gastiert. 2014 spielten sie in Regensburg die Uraufführung von drei Streichquartetten des tschechischen Komponisten Pavel Stadnik in einem Konzert zeitgenössischer Musik. Die Musiker sind Lukáš Novotny, 1.Violine, Libor Vilímec, 2.Violine, Ondrej Martinovský, Viola und am Cello Daniel Petrásek. Sie eröffneten den Abend mit dem Streichquartett No. 1 von Fritz Fidelio Funke, einem Komponisten, der 1891 in Josefsthal geboren wurde und 1968 in Dresden starb.

Über dem Stück liegt eine leicht düstere, leicht melancholische Grundstimmung, die vom Cello getragen wird. Verstärkt wirkt diese durch die sich reibenden Violinen, die aber manchmal von leichten Weisen und volksliedhaften Passagen, ja sogar Tanzweisen aufgelockert wird. Das Streichquartett klingt ganz sanft und zart aus und wird vom zahlreichen Publikum mit reichlich Applaus bedacht. Das Adagio molto espressivo des Streichquartetts No.13, op.130 von Ludwig van Beethoven beginnt schon wesentlich harmonischer, doch will sich auch hier keine reine Freude beim Zuhörer einstellen. Ein wenig gedrückt klingt die Begleitung des Quartetts unter dem melodieführenden Instrument. Das warme Abendlicht, das durch die Fenster hereinfällt, unterstützt den Eindruck, dass über allem ein Funken Fröhlichkeit schwebt, der nur darauf wartet, Feuer zu entfachen.

Antonin Dvoráks Streichquartett No. 12 "American" bietet einen furiosen Auftakt, der das Gewimmel einer Hafen- oder Großstadt widerspiegelt. Danach eine ruhigere Passage, die an imposante einzelne Eindrücke in einem fremden neuen Land erinnert und sich auch immer mehr steigert, bis wieder ein Eindruck von überbordender Fülle entsteht. Die vier Künstler sind hochkonzentriert bei der Sache. Sie scheinen die beschriebenen Szenen mitzuerleben und übermitteln ihre Eindrücke unmittelbar ans Publikum. Das "Allegro ma non troppo" endet sehr mitreißend. Das "Lento" beginnt wieder recht ruhig. Die Weite und Größe des Landes scheint hier Pate gestanden zu sein. Das gezupfte Cello erinnert an einen Stundenschlag oder Herzschlag, der die Ruhe hat, die einen überkommt, wenn etwas wirklich Großes einen beeindruckt. Monumental, aber mit wenigen Mitteln zum Klingen gebracht, überflutet die Musik die Zuhörer.

"Molto Vivace", sehr lebendig steht über dem dritten Abschnitt. Und so klingt es auch. Quirlig und spritzig scheinen die Töne aus den Instrumenten zu hüpfen, sehr zum Gefallen des Publikums. Alles ist in Bewegung, Stillstand gibt es nicht. Es braust auf und lässt wieder nach, doch bleibt es nie ganz stehen. Beim "Finale, Vivace ma non troppo" vereint sich alles zu einem vollständigen, runden Gesamtbild. Alles scheint nun stimmig zu sein. Lebensfreude und Zufriedenheit klingen aus dem Altarraum und ein Gefühl von Angekommensein breitet sich aus. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein, aber alles wird gut. Langanhaltende, stehende Ovationen sind der Dank des Publikums für einen wunderbaren Abend und die Künstler dürfen erst nach einer noch einmal mitreißenden Zugabe den Heimweg antreten.

Autor

Matthias Kuhn
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Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
17:24 Uhr

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Matthias Kuhn

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Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
17:24 Uhr



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