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Kunst und Kultur

"Tatort"-Star als eher schlichter Literat

Miroslav Nemec stellt bei Rehau-Art seinen zweiten Kriminalroman vor. 170 Fans des schreibenden Schauspielers hören ihm zu.



Nach der Lesung bei Rehau-Art: Miroslav Nemec signiert seine Krimis. Foto: asz
Nach der Lesung bei Rehau-Art: Miroslav Nemec signiert seine Krimis. Foto: asz  

Rehau - Eigentlich will er an diesem Abend auch ein bisschen Musik machen, er ist ja in zwei Bands als Leadsänger und Keyboarder aktiv. Aber er lässt das bleiben, einer Erkältung wegen. Ersatzweise stimmt er Songs wie "Tambourine Man" und "Fool on the Hill" an, als die in seinem Buch "Kroatisches Roulette" den atmosphärischen Hintergrund bilden.

Bevor es richtig losgeht, erläutert Nemec, "warum man schreibt". Genauer: warum einer wie er zum Schriftsteller wird. Ein Verleger hat ihn dazu gebracht. Als einer der Lieblinge der deutschen Fernsehnation sollte er erzählen, wie er der wurde, der er nun ist. Getreu dem Grundsatz "Ein Schauspieler macht es oder er macht es doch" machte er es. "Miroslav - Jugoslav" hieß das Buch, das 2011 fertig war. Danach bat ein anderer Verleger um ein Witze- oder Kochbuch von ihm - oder eben um einen Krimi ("Das kann doch jeder"). Erst recht kann das einer, der seit 1991 einen bayerischen "Tatort"-Hauptkommissar spielt. Nemecs erster Krimi "Die Toten von der Falkneralm" erschien 2016. Darin erzählt der Autor erneut von sich selbst, überwiegend rein fiktiv allerdings. Er erzählt, wie Miroslav Nemec in ein Berghotel fährt, um aus einem Krimi zu lesen, und wie dort wirkliche Morde geschehen: Drei Gäste müssen sterben. Zum Ergebnis merkte eine große Zeitung an, beim Leser bleibe der Wunsch, Ivo Batic - also das "Tatort"-Alter-Ego des Autors - hätte den Fall übernommen.

Und nun also "Mein zweiter Fall: Kroatisches Roulette". Er führt den Schauspieler in seine alte Heimat Kroatien zurück, wo ein Filmproduzent ihm ein Projekt anbietet. Ein attraktives Angebot macht ihm abends im Hotel auch eine junge Frau, die ihre Brüste entblößt: "Bitte bedienen Sie sich." Tatsächlich aber soll der prominente Gast aus Deutschland "verarscht" werden. Die Szene nämlich wird von falschen Etagenkellnern gefilmt und fotografiert - zum Zwecke einer Erpressung. Gefordert ist eine halbe Million Euro, die Hälfte davon in vier Kilo Gold. Erschwerend kommt für den Ich-Erzähler hinzu, dass er die Frau aus dem Hotel bald darauf in einer Blutlache findet und in den Verdacht gerät, ihr Mörder zu sein. Genervt fragt er sich: Wo bin ich da hineingeraten?

Mehr als leichte Unterhaltung kann und will das nicht sein. Bei der Lesung imponiert Nemec zwar als Vortragskünstler mit Humor, nur mäßig aber als Autor. Seine Sprache ist so schlicht wie die Sätze kurz und kunstlos sind, auch Ausflüge zu Poesie ("Ich atmete ihre Schönheit ein") oder Action ("Ich knallte dem Arschgesicht in die Fresse") heben kaum das literarische Niveau. Schon am Anfang hat Nemec versprochen, es nicht zu lang zu machen, und daran hält er sich auch. Lang ist danach die Schlange derer, die schon seine Leser sind oder es werden wollen. Am Büchertisch lassen sie sich neu erworbene oder bereits gelesene Krimis signieren. Spätestens in zwei Wochen will der multitalentierte Deutschkroate auch wieder Musik machen können. Denn dann steht er mit seinen Hofer Kollegen, die ihn in der "Miro Nemec Band" begleiten, in Berlin auf der Bühne.

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Miroslav Nemec: "Kroatisches Roulette", Verlag Penguin, 288 Seiten, 20 Euro.

Autor

Ralf Sziegoleit
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
18:26 Uhr

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Ralf Sziegoleit

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09. 05. 2019
18:26 Uhr



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