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Kunst und Kultur

Volker Lechtenbrink wird 75: «Ich hab' gelebt, wie ich es mag!»

Ein Mann mit Sehnsucht: Volker Lechtenbrink ist in seinem Leben in etliche Rollen geschlüpft. Auch zu seinem 75. Geburtstag steht das Multitalent wieder in Hamburg auf der Bühne.



Hamburg - «Leben so wie ich es mag, Leben spüren Tag für Tag, das heißt immer wieder fragen, das heißt wagen, nicht nur klagen»: Die Zeilen aus Volker Lechtenbrinks Song könnten auch als Überschrift über seinem Leben stehen: Der Mann mit der rauchigen, einprägsamen Stimme und der schier unstillbaren Lebenssehnsucht ist ein Multitalent - als Schauspieler, Sänger, Regisseur und Intendant. Auch zu seinem 75. Geburtstag am kommenden Sonntag (18. August) steht er wieder auf der Bühne: Am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater inszeniert er zusammen mit seiner Tochter Saskia Ehlers Shakespeares Komödie «Was ihr wollt» - und spielt selbst den Narr.

 

«Ich hatte Glück mit meiner Karriere. Irgendwie hat sich stets etwas Neues ergeben», erinnert sich Lechtenbrink im dpa-Interview und zieht genüsslich an seinem Zigarillo. Schon immer habe er Schauspieler werden wollen. «Auf jeder Geburtstagsfeier hieß es: Piefke, (diesen Spitznamen gab mir mein Opa), mach mal für uns Kasperle-Theater.» Mit sieben Jahren übernahm er erste Sprechrollen beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), mit zehn Jahren stand er das erste Mal am Hamburger Schauspielhaus auf der Bühne. Der Durchbruch kam mit 14 Jahren, als er in Bernhard Wickis Film «Die Brücke» (1959) einen der sieben Jungen spielte, die kurz vor Kriegsende eine Brücke verteidigen.

««Die Brücke» war für uns alle ein Glücksfall», sagt Lechtenbrink, der mit seinen langen blonden Haaren, dem grauen Drei-Tage-Bart und der markanten Brille immer noch etwas Jugendliches ausstrahlt. «Wir haben aber nicht gewusst, dass wir damit berühmt werden.» Nach dem Erfolg mit «Die Brücke» hatte er auch seine Eltern von seinem Berufswunsch überzeugen können und durfte das Gymnasium nach der mittleren Reife verlassen. Anschließend absolvierte er seine Schauspielausbildung an der Hamburger Staatlichen Hochschule für Bildende Künste und dem privaten Hamburger Schauspielstudio Hildburg Freese.

Nach Stationen in Hannover, Köln, Berlin und München kehrte er immer wieder nach Hamburg zurück, wo er nach seiner Flucht aus dem ostpreußischen Cranz aufgewachsen war und noch heute lebt. «Ich habe alles gespielt: vom Mörder bis zum Liebhaber, vom Verbrecher bis zum Komiker», sagt Lechtenbrink mit einem Schmunzeln. Seine Lieblingsrollen erkenne man daran, dass er sie mehrmals gespielt habe: Den Prinzen von Homburg, des Teufels General, Bleichenwang in «Was ihr wollt» und Bruno in «Die Ratten». Außerdem stand er regelmäßig für Fernsehfilme und -serien vor der Kamera, unter anderem in «Derrick» und «Ein Fall für zwei».

Nach seinen frühen Erfolgen als Schauspieler habe er irgendwann etwas anderes machen wollen, doch seine ins Deutsche übersetzten Lieder des amerikanischen Country-Sängers Kris Kristofferson habe niemand singen wollen. Sein Freund Knut Kiesewetter habe dann zu ihm gesagt: «Ab jetzt bist du auch Sänger!», erinnerte sich Lechtenbrink Anfang des Jahres beim Liederabend im Hamburger St.-Pauli-Theater. Gleich seine erste Platte «Der Macher» (1976) wurde ein Riesenerfolg - den bekannten Song «Ich mag» können heute noch viele mitsummen.

Doch auch dieser Ausflug war irgendwann beendet, 1989 verabschiedete sich Lechtenbrink aus dem Musikgeschäft - nachdem er noch drei Musiksendungen im Fernsehen moderiert hatte. Neben Theater und Fernsehen kam 1995 der Job des Intendanten bei den Bad Hersfelder Festspielen dazu, 2004 übernahm er für drei Jahre die Leitung des Ernst-Deutsch-Theaters - die er aber gerne wieder abgab, da ihm «das ganze Organisatorische» nach eigenen Angaben nicht so liegt.

«Ich bereue nichts in meinem Leben», sagt der vielseitige Künstler heute. «Das war alles richtig zu seiner Zeit.» Auch in seinem Privatleben ging es recht turbulent zu, mittlerweile ist Lechtenbrink zum fünften Mal verheiratet, und zwar glücklich. Immer wichtig war ihm dabei ein gutes Verhältnis zu seinen Kindern Robert, Saskia und Sophie. Sein Rezept für ein gelungenes Leben? Humor. «Ich habe eine große Selbstironie und kann auch über mich lachen.» Und Dankbarkeit. «Ich bin immer dankbar gewesen für mein Leben.» Und sein Wunsch zum Geburtstag? «Dass es ein bisschen so weitergeht wie es ist, sonst nichts.»

Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
17:08 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
17:08 Uhr



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