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Kunst und Kultur

Vollgas, die ganze Zeit

Bayreuth-Kenner Sebastian Marka führte Regie beim Franken-"Tatort" "Ein Tag wie jeder andere". Ausgestrahlt wird der Film am nächsten Sonntag.



Regisseur Sebastian Marka (links) beim Dreh im Bayreuther Landgericht. Daneben die Darstellerinnen Dagmar Manzel und Eli Wasserscheid. Foto: BR Fernsehen
Regisseur Sebastian Marka (links) beim Dreh im Bayreuther Landgericht. Daneben die Darstellerinnen Dagmar Manzel und Eli Wasserscheid. Foto: BR Fernsehen  

Bayreuth - Der Regisseur Sebastian Marka lebt in Berlin und hat an der Filmakademie Baden-Württemberg Film und Medien studiert. Aber Marka, Jahrgang 1978, ist zugleich ein Bayreuth-Kenner. Was sicherlich nicht schadet, wenn man vom Bayerischen Rundfunk dazu auserkoren wird, den fünften Franken-"Tatort" in der Wagner-Stadt zu drehen.

Die Stadt Bayreuth kannte Sebastian Marka längst vor den Dreharbeiten zu "Ein Tag wie jeder andere". Denn seine Frau ist eine gebürtige Bayreutherin. "Ich finde Bayreuth schon lange super", "sagt der Filmemacher. Im Gespräch mit der BR-"Tatort"-Redakteurin Stephanie Heckner sei die Idee geboren worden, den nächsten Franken-"Tatort" in Bayreuth zu machen.

Sebastian Marka verfügt bereits über jede Menge Erfahrung mit dem Format. Der am 24. Februar im Ersten ausgestrahlte "Tatort" ist sein achter. Und es ist die sechste Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Erol Yesilkaya.

Die Herangehensweise sei für ihn diesmal eine andere gewesen, weil er Bayreuth kenne, sagt Marka. "Ich war bei den Festspielen, meine Frau kommt von hier, ich kenne Bayreuth einfach ganz gut. Es war für mich wie ein Heimspiel." Im hügeligen Bayreuth habe er sich schon immer zu Hause gefühlt. "Ich mag es sehr, es ist sehr gemütlich und voller Kultur."

Der Grundkonflikt im Genre Krimi ist selbstredend immer gleich: Ein Mörder. Eine Leiche. Ein Team, das ermittelt. Dafür hat es exakt 88 Minuten und 30 Sekunden Zeit. Regisseur und Autor überlegen gemeinsam: "Was können wir der Sache geben, damit es spannend wird?"

Beim Gespräch im Hotel Rheingold, vor der Kino-Premiere des Krimis in Bayreuth, ist Redakteurin Stephanie Heckner mit dabei. Sie erzählt: "Die Figuren waren wie unbeschriebene Papiere. Jeder Film gibt den Figuren noch mal mehr Tiefe. In jeder Geschichte entwickeln sie noch einmal neue Facetten. So gestritten wie in diesem haben sie sich, glaube ich, noch nie." Mit jedem Film charakterisierten sich die Hauptfiguren noch deutlicher heraus. Das sei genau das, was die Darsteller der Kommissare, Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs, daran reize. "Weil sie in jedem Film noch einmal weiterwachsen können."

Das fränkische Team soll möglichst alle regionalen Facetten darstellen. Doch Dialekt sprechen nicht alle Figuren. "Klischees gehören zum Film dazu, sie zu brechen, ist die Aufgabe", sagt der Regisseur. "Um sie aber zu brechen, muss man sie bis zu einem gewissen Punkt erst mal erfüllen."

Schauspieler Stephan Grossmann, der einen Familienvater verkörpert, sagt offen: "Ein Franke zu sein, das versuche ich erst gar nicht, ich bin ein Sachse, mit Berliner Schlag. Ich versuche einfach, die Geschichte gut zu erzählen, damit alles gut funktioniert." Im Festspielhaus traf er übrigens einen früheren Schüler seines Vaters - Peter Emmerich. "Mein Vater machte Schultheater in Dresden", und da habe Emmerich wohl die Liebe fürs Theater entdeckt. Jeder Krimi sei ein Spiel mit den Sehgewohnheiten der TV-Zuschauer, sagt Marka. "Die braucht man auch, um in der knappen Zeit prägnant erzählen zu können." Zwar sei es nicht Aufgabe eines "Tatorts", die Stadt, in der er spiele, gut dastehen zu lassen. "Aber ich kann verstehen, wenn Leute, die ihre Stadt und das Format lieben, sagen, das stimmt so nicht." Deshalb habe sich das Team beim Bayreuth-"Tatort" extrem angestrengt. "Ich mag Bayreuth und ich will, dass die Bayreuther den Film gut finden", sagt Marka. "Ich bin gespannt, wie er aufgenommen wird. Er gibt Vollgas, die ganze Zeit. Es gibt keine Minute, in der er durchhängt, das war unser Ziel."

Bayreuth könne teils sehr urig sein und habe viele jahrhundertealte Prachtbauten. Diese große Vielfalt sei beeindruckend. Wagner sollte auf alle Fälle mit einfließen. Daher werde einer der dramatischen Höhepunkte genau im Festspielhaus gesetzt. Dort drehen zu dürfen, sei sehr inspirierend gewesen. Auf der Bühne: eine nachgestellte Szene aus der "Walküre": "zwei Leute, die durch eine schlimme Tat getrennt wurden und dann zusammenkommen - und ein Kind zeugen. Bei uns: Zwei Leute zeugen ein Kind und werden nie mehr zusammen sein, durch eine schlimme Tat." Die Filmmusik greift ebenso auf die "Walküre" zurück. Einiges mehr an Lokalkolorit weist der Franken-"Tatort" auf, der selbst Wagners Hund Russ einen Auftritt gönnt.

Die Messlatte für jeden "Tatort" liegt hoch. Das sei quasi wie in der Bundesliga, sagt Marka: "Der ,Tatort‘ ist Fluch und Segen gleichzeitig für Filmemacher. Weil er eine so große Aufmerksamkeit hat, ist das eine Riesenchance, aber man muss sich auch verdammt anstrengen, weil es sehr schnell so ist, dass ihn zehn Millionen Leute gucken." Vielleicht knackt ja "Ein Tag wie jeder andere" diese Marke: Die durchschnittliche Einschaltquote beim Franken-"Tatort" lag seit 2016 bislang bei 8,42 Millionen Zuschauern.

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Ute Eschenbacher
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Veröffentlicht am:
19. 02. 2019
22:22 Uhr

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Ute Eschenbacher

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19. 02. 2019
22:22 Uhr



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