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Kunst und Kultur

Von wegen Ruhe

Ein großartiger Chor und exakte Hofer Symphoniker lassen in Sankt Michaelis das Requiem des Walisers Karl Jenkins klingen. Ein Werk, das verbindet.



Unter der Leitung von Georg Stanek nehmen sich die Michaeliskantorei, der Chor des Jean-Paul-Gymnasiums und die Hofer Symphoniker ein Werk der Moderne vor. Karl Jenkins' teils exotisches Requiem wird zum verdienten Erfolg. Foto: Harald Dietz
Unter der Leitung von Georg Stanek nehmen sich die Michaeliskantorei, der Chor des Jean-Paul-Gymnasiums und die Hofer Symphoniker ein Werk der Moderne vor. Karl Jenkins' teils exotisches Requiem wird zum verdienten Erfolg. Foto: Harald Dietz  

Hof - Wenn mehr als hundert trainierte Stimmbänder in Schwingung geraten, die Luft aus den Lungen sich entlädt, dann füllt das den Raum, selbst wenn es sich um Oberfrankens größtes Gotteshaus handelt, die Michaeliskirche. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Georg Stanek haben sich die Michaeliskantorei, die Hofer Symphoniker und der große und großartige Chor des Hofer Jean-Paul-Gymnasiums ein ungewöhnliches Werk vorgenommen. Sie spielen und singen das Requiem des Walisers Karl Jenkins. Ungewöhnlich, voller Kraft, gefühlsstrotzend und gewiss nicht ruhig, auch wenn Requiem ewige Ruhe verheißt.

Jenkins, Jahrgang 1944, hat die über Jahrhunderte lebendig gebliebene Form des Requiems ins 21. Jahrhundert getragen, 2005 wurde es in London uraufgeführt. Seither wagen sich viele Chöre und Orchester an dieses Werk, das einen Platz zwischen der "ernsten" und der "unterhaltenden" Musik einnimmt - ohne ins Beliebige zu geraten. Jenkins' Requiem fordert. Die beiden Chöre vor dem Altar singen fruchtbar vereint durch 13 Sätze, in denen sich die Totenmesse mit mächtigem Leben erhebt. Dies Irae, den Tag des Zornes, tragen die Sängerinnen und Sänger voller Wut und Kraft gewittrig ins hohe Kirchenschiff. Vier Schlagwerker, Streicher und Hornisten geben dem Satz wuchtige Macht.

Jenkins, der mit Adiemus seit den 90er-Jahren mit Pop-Chorälen weltweit Erfolge feiert, kann aber auch mit Noten spielen, wie beim Concerto Grosso "Palladio", das den Abend eröffnete. Die sanfte Violine schwebt schwelgerisch, teils ein wenig schwülstig über den anderen Streichern, oder hüpfende Bögen tragen eine monotone Unruhe ins Ohr, die zur gläsernen Klarheit kommt.

Im Requiem indessen ist es am mächtigen Chor, das emotionsgeladene Werk klingen zu lassen. Es gelingt ihm fabelhaft, die Sanftheit und die Grobheit des Werkes erlebbar zu machen, das in all seiner Güte kurz in den Sakral-Pop rutscht. Vor allem, wenn die Schlagwerker dem Gesang rhythmisierend ein Fundament geben. Die beiden Chöre transportieren mit Exaktheit, Klarheit und Feinheit viel Gefühl. Das geschieht mit eindrucksvoller Kraft beim Rex Tremendae, den König schrecklicher Gewalten, und mit gehauchtem, feinem Klang bei einer Besonderheit in Jenkins' Werk. Der Komponist hat das traditionelle Requiem mit japanischen Haikus verwoben. Diese fein gestimmten Verse haben den Tod zum Inhalt und laden die Musik exotisch auf. Als Geist werde ich / nun umherschweifen / in den Sommerfeldern singt Sopranistin Bärbel Kubicek, eine verdiente Sängerin am Theater Hof. Ihr verlangt dies alles ab, viel Luft und teils eine irritierende Höhe, die sie sauber, klar in das Gotteshaus hebt.

Begleitet werden der Chor und die Solistin von feinfühligen Hofer Symphonikern, die die Moderne des Werkes eindrucksvoll lebendig werden lassen. Georg Stanek taucht mimisch und mit vehementer Gestik in das Requiem ein. Leicht fällt das nicht, Jenkins hat dem Requiem eine wellenhafte Struktur voller Schwere und dann leichter Substanz gegeben, die Exaktheit und Gefühl fordert, was den Orchestermusikern spielend gelingt. Der mehr als hundertköpfige Chor hält da mit. Maniana Füg und Stephan Strunz haben die Jean-Paul-Schüler zu bewundernswerter Klangkraft gebracht, die Michaeliskantorei glänzt mit gewohntem und überzeugendem Ausdruck.

Zum Großartigen von Jenkins' Requiem gehört die Zusammenführung zweier Musikwelten. Sind lateinische Choräle und japanische Texte, untermalt von asiatischen Klängen, zunächst in Folge zu hören, wachsen sie später zusammen. Das Agnus Dei verbindet sich mit den Haiku-Versen "mamede iyo" - Lebt wohl! Ich gehe / wie es alle tun / wir Tau aus dem Gras .

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Harald Werder

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2017
00:00 Uhr

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Harald Werder

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27. 11. 2017
00:00 Uhr



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