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Kunst und Kultur

Waldschrat-Jubiläum: Der Sound vom Bier

Das Jubiläumsprogramm von Waldschrat begeistert das Publikum am Freitagabend in Helmbrechts. Auf dem Programm stehen Klamauk, Hits und Geheimtipps.



Das erste Zwickl ploppt auf nach wenigen Sekunden. Harry Tröger hat – unter Jubel, der einem Rockstar würdig wäre – an seinem Schlagzeug Platz genommen. Darauf erstmal ein kräftiger Schluck. Dann setzt sich der Oberschrat die Lesebrille tief auf die Nase. „Scheiß Alter!“ Gelächter. Ein entspannter Schlagzeug-Groove mischt sich darunter. Zu seinem sanften Rhythmus macht der Münchberger den Märchenonkel. Denn zu erzählen gibt es reichlich – und obendrein auch was zu feiern: Waldschrat hat heuer 40. Geburtstag. Drei der vier anlässlich des Jubiläums anberaumten Unplugged-Konzerte im Helmbrechtser Bürgersaal sind schon seit Wochen ausverkauft.

"1979. Midd der Zündapp vo Miichberg aff Helmetz gfohrn. Baugschäfd Süß, zweider Stogg, Gloswollnlocher." Aus der Schülerband, die damals inmitten von "Feindschdaab" probte, der laut Tröger "nuch ned erfunna wor", sollte später hervorgehen, was heute als Ikone der oberfränkischen Mundart-Musik gilt. Nur war Waldschrat damals eben noch eine Krautrock-Band "im Hippie-Nirvana", bestehend aus testosteronschwangeren Spätpubertierenden, denen das Muckertum auch dazu diente, "unter intim-roter Sonne" das eine oder andere Mädel abzubekommen. So war das damals, in den guten alten Zeiten, als die Schräte "Laddnrost nuch fier a Gschlechdsgranggheit" hielten.

16.03.2019 - 40 Jahre Waldschrat - Konzert - Foto: Thomas Neumann

40 Jahre Waldschrat - Konzert
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Auch Gitarrist Roland "Schieffi" Bergold hatte sich anno dazumal bereits dem Schräte-Dasein verschrieben. In Helmbrechts kann er nicht dabei sein; ein böser Virus setzt ihn außer Gefecht. Mit seiner Gesundheit gehe es aber langsam wieder bergauf, berichtet Harry Tröger. Gitarrist Uli Saalfrank vertritt das Schwergewicht der Band jedoch würdig. Denn: Sein Repertoire an Gags und Witzen scheint, wie sich später herausstellen wird, schier unerschöpflich zu sein.

Nach und nach betritt die Band die Bühne: Bassist Michael "Männla" Sommermann, Ersatzgitarrist Uli Saalfrank, der vom Frontmann als "Quoten-Schwede" deklarierte Pianist Jan "Jansen" Reinelt und schließlich Gitarrist Christof "Grisdoff" Lemberg, die "graue Eminenz" der Gruppe. Was folgt, ist ein fast dreistündiges Lehrstück in fränkischer Gelassenheit: "Fei schee langsam, blußner ned zer schnell." Bei Waldschrat ist die Welt halt noch schön einfach. Der Tag verläuft in geregelten Bahnen: arbeiten (wenn’s sein muss), saufen (gefühlt immer), "bärschdn" (wahlweise oder zur Krönung).

In derart abgestecktem Terrain erzählt Harry Tröger, dieser Poet im weißen Handwerker-Shirt, mit stets spitzer Zunge Geschichten, die oft gesellschaftskritischer sind, als sie sich angesichts der mitgrölbaren Musik geben. Da ist der Arbeiter, der feststellt: "Ärbern mer mehra, gring mer no mehra" – und dann doch zu dem Schluss kommt: "Die Moral von dem Geschrei: arbeitslos und Spaß dabei." Oder der Schwarzarbeiter, der sich vom Investmentanlageberater bescheißen lässt, weil er nicht mehr weiß, wohin mit dem ganzen Schwarzgeld. Und natürlich der Spießertraum vom "Haisla in der Hintern Heeh" samt BMW in der Doppelgarage, "Katzagribbl" und "scheener Fraa", der vor dem Scheidungsanwalt platzt. Aus solchem Stoff ist das Leben gewebt – in "Deep Down Oberfranken" und auch sonst überall. Dass viele Titel aus dem Waldschrat-Repertoire heute fast schon als Volkslieder durchgehen, dass man manche Nummer wohl auch in 100 Jahren noch auf den hiesigen Wiesenfesten aus bierseligen Kehlen hören wird: kaum verwunderlich also.

Ganz nebenbei erweisen sich die fünf Männer auf der Bühne auch noch als brillante Musiker und Situationskomiker. "Grisdoff" entlockt seiner Akustischen die aberwitzigsten Soli und grinst dabei bärig in seinen Silberstoppelbart, während "Jansen" mit lässigen Läufen und Kadenzen Bilder einer schummrigen Jazz-Bar nach Mitternacht heraufbeschwört. Harry Tröger und "Männla", die an Schlagzeug und Bass die Rhythmusfraktion bilden, wechseln vom verschleppten Reggae- zum geradlinigen Rock-Groove, als wäre nichts dabei. In der lange nicht mehr gespielten Nummer "Sound vom Bier" – ein Titel, den man hier gerne als Genrebezeichnung verstehen darf – integrieren die Schräte das Ploppen beim Öffnen ihrer Bierflaschen gekonnt in die Musik.

Auch dass unmittelbar vor der Textzeile "Dad ner ned su pfitschn" zwei Herren den Saal verlassen, kommt Witzbold Tröger – natürlich – zupass. Nach der eifrig mitgesungenen Hymne aller Zahnarzt-Phobiker, "Lady in White" frei nach Uriah Heep, attestiert der Frontmann: "Eier Zohorzt schnedd obber ah noch nehmbei die Hoar und beschlecht die Pfehr."

Im Schlager-Medley unmittelbar nach der Pause dichten die Musiker sehr zum Vergnügen des Publikums bekannte Hits in nicht immer ganz jugendfreier Weise um. Auch Uli Saalfrank darf glänzen: als Oktoberfest-Besucher mit "extra dringendem Wiss" in der Blase, der in gequälter Kopfstimme und zu blasenabklemmenden Tanzbewegungen von seiner Suche nach der "Saachrinna" erzählt. Da lacht sich selbst Harry Tröger am Schlagzeug kurz scheckig. Über einen Hit wie "Neigschbeit", den der Frontmann stets durch Erzählungen eigener Saufgeschichten in die Länge zieht, noch Worte zu verlieren, wäre schlichtweg müßig.

Einen musikalischen wie komödiantischen Glanzpunkt setzt "Deep Down Oberfranken", wo es "immer scheiß Wedder" gibt, aber "ka Danggschdell zem Danggn", wo oft nur der "dumpfe Gesang" der "Grundln"  zu hören ist, der aus der Tiefe eines Sees emporsteigt. Auf der ganz in blau getauchten Bühne dringt die Gruppe in die Gefilde des Gossenpoeten Tom Waits vor. Gitarrist "Grisdoff" imitiert dazu das Unken der Kröten und Bassist "Männla" schauerliche Vogelschreie, während Harry Tröger selbst die brummelnde "Grundl" gibt und dabei das Mikro beinahe im Rachenraum versenkt.

Da vergehen Stunden wie im Flug. Und so ist es auch schon Zeit, das letzte Bierchen aufzuploppen. Natürlich kommen die Schräte nicht ohne tosenden Applaus davon. Drei Zugaben sind die Folge, die sich das Helmetzer Publikum, das die Band von Anfang an singend und klatschend tatkrätig unterstützt hat, nicht erst lange verdienen muss. "Im Older kommer hald nimmer su lang do hindn waddn", bekennt Harry Tröger lachend. Und so krakeelt er schließlich, verschwitzt auf dem Bühnenrand sitzend und nur von Uli Saalfranks Akustikgitarre begleitet, den bitterbösen Gassenhauer "Vo Naala af Schdeem". Es folgt der traditionelle Rausschmeißer: "Wos ham mir fier a Welt" zur Musik von Louis Armstrong.

Dann verlassen sie auch schon die Bühne, die "dreggerdn Gunga". Eine Gruppe von Teenagern, gefühlt 16 oder 17 Jahre alt, verlässt das Konzert mit neu gekauften Waldschrat-Shirts. So trägt der Kult sich weiter. Und weiter. Und weiter.

Autor

Nico Schwappacher
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Veröffentlicht am:
16. 03. 2019
15:26 Uhr

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Nico Schwappacher

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16. 03. 2019
15:26 Uhr



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