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Kunst und Kultur

Wenn Trompeten den Gaumen kitzeln

Der Auftritt von "Bavarian Brass" in Waldershof bringt dreierlei: Eine ganz besondere Atmosphäre aus sanftem Licht, Kreativität und instrumentalem Können.



Trompeten schmettern und "singen", wenn die Gruppe "Bavarian Brass" auftritt, wie nun in Waldershof.	Foto: O. Zintl
Trompeten schmettern und "singen", wenn die Gruppe "Bavarian Brass" auftritt, wie nun in Waldershof. Foto: O. Zintl  

Waldershof - Noch strahlt in der katholischen Waldershofer neuen Kirche Sankt Sebastian die großzügige Weihnachtsbeleuchtung, und so wirkten die Trompetenklänge von "Bavarian Brass" wie eine akustische Glanz-Verstärkung: Da mischten sich die fünf verschiedenen Trompeten-Arten und -Klänge des Quartetts in die nachweihnachtliche Stimmung.

Die wurde zunächst festlich zelebriert mit schlanken Naturtrompeten. Nicht nur, dass alle vier Bläser die erfreulich zahlreichen Zuhörer durch sauberen Schönklang erfreuten - ihr Auftritt folgte, wie eigentlich alles an diesem Abend, einer sorgfältigen Regie. Wenn zuerst ein einsamer Spieler - der musikalische Leiter Benjamin Sebald - auf den Altarstufen steht und zur Trommel von Percussionist Christoph Günther eine bekannte Melodie von Heinrich VIII. ins Kirchendach hallen lässt, steht er im Zentrum der Aufmerksamkeit. Und man ist gespannt auf Dominik Thoma, Florian Zeh und Volker Hemedinger, die allmählich den Klang auffüllen, unterstützt von Dorothea Weser an der Chor-Orgel.

Sie bleibt das Fundament auch für drei Bachwerke; das erste liefert mit dem Titel das Programm: "Auf, schmetternde Töne der munteren Trompeten". Und schmettern können sie bis zum Erschrecken, die Trompeten, wenn es festlich zugehen soll - zusammen mit Flügelhörnern und Jagdhorn. Weich und gebunden "singen" können sie aber auch, nämlich den Chorpart der bekannten Choralbearbeitung "Jesus bleibet meine Freude". Später übrigens singen die Musiker wirklich alle vier.

Nachdem die Musiker noch die Piccolo-Trompeten in einem hübschen Echo-Stück von Bach vorgestellt haben, wechselt Dorothea Weser an den Spieltisch der großen Orgel für ein "Schwergewicht" Bach’scher Orgel-Literatur: Toccata und Fuge d-Moll. Es gibt nichts auszusetzen an ihrer Art, die Anfänge in gemäßigtem Tempo wirken zu lassen, ganz im Gegenteil. Umso kontrastreicher erscheinen die virtuosen, souverän und akkurat gespielten Passagen.

Soweit die Barock-Literatur; 200 Jahre weiter springt das Programm und widmet sich neueren Komponisten. Wie bei Bach die Orgel kann beim zeitgenössischen "A Little Prayer" von Evelyn Glennie das Marimbafon in einer Original-Komposition glänzen. Das Wort "zauberhaft" kommt einem in den Sinn, wenn man Christoph Günthers Interpretation zuhört: Aus dem Nichts kommend, lassen die vier Schlägel eine sanft verhüllte Melodie leise wabern. Es ist viel Können dabei, wenn in dem Schlägel-Wirbeln allmählich eine Melodie Gestalt annimmt.

Arrangeur Benjamin Sebald hat die Möglichkeiten ausgelotet, Solo-Partien etwa von Flügelhorn und Schlagzeug für seine Truppe spielbar zu machen oder Gitarren- und Dudelsack-Stimmen bläserisch oder mit Orgel-Hilfe umzuarbeiten. Alle vier Trompeter können zum Flügelhorn greifen und mit Komponisten wie Karl William Jenkins die weichen, stilleren Seiten dieses Instruments demonstrieren.

Richtige Schrecksekunden bescheren den Zuhörern deshalb jähe Schlagzeug- und Schmetter-Effekte, die in der neueren Musik für aufregende Abwechslung sorgen. Unglaublich kreative rhythmische Mixturen von Orgel, Schlagzeug und Bläsern konnte man bei diesem Konzert bewundern: Wie kommt es, dass den Komponisten immer wieder neue Finessen einfallen? Und die müssen ja erst entdeckt und umgesetzt werden. Und auch, wenn die Einfälle schon so alt sind wie die von Ravel für seinen "Bolero", so kitzeln doch neue Gewürze den Gaumen: Alle Bläser singen wahrhaftig über dem bekannten Schlagzeug-Motiv, und dann wird die Trommel einfach von den Bläsern übertönt.

Autor

Bärbel Lüneberg
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Veröffentlicht am:
22. 01. 2019
17:56 Uhr

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Bärbel Lüneberg

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Veröffentlicht am:
22. 01. 2019
17:56 Uhr



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