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Kunst und Kultur

Wiederentdeckung eines Malers: Walter Mutze

Manche Künstler geraten in Vergessenheit. So wie Walter Mutze, der über Jahrzehnte als Porzellanmaler für Rosenthal in Selb gearbeitet und seine letzten Lebensjahre in Naila verbracht hat. Ein Kunstsammler aus Lauf will ihn und sein Werk wieder ans Licht holen.



Walter Mutze auf einem Foto aus dem Nachlass eines Freundes.
Walter Mutze auf einem Foto aus dem Nachlass eines Freundes.   » zu den Bildern

Bilder fürs Museum

 

Das Museum in Naila im Schleifmühlweg besitzt bislang 17 Gemälde von Walter Mutze (1893 bis 1963). Bald sind es nochmal so viele mehr - denn der Kunstsammler Peter Büttner aus Lauf wird seine Bilder von Walter Mutze dem Museum Naila als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen.

Biografie

Walter Mutze wurde im Jahr 1893 in Dresden geboren. Er machte dort eine Lehre als Porzellanmaler - in welchem Betrieb, ist allerdings nicht bekannt - und besuchte die Abendschule der Kunstgewerbeschule. Von 1913 bis 1961, sein ganzes Berufsleben lang, war er Porzellanmaler bei Rosenthal in Selb; die letzen Lebensjahre verbrachte er in Naila. Neben seiner Berufstätigkeit malte er Ölbilder und Aquarelle; er bemalte auch Porzellanstücke für den eigenen Gebrauch oder als Geschenk. Ein Foto zeigt zum Beispiel eine Umrandung aus Porzellanfliesen für einen Kachelofen mit Girlanden von Trichterwinden mit schönen Blüten. Mutze blieb kinderlos.

 

Im Jahr 2016/17 hatte ein Hofer Bilder von Mutze, die aus einem Nachlass stammen, dem Museum Naila überlassen - und Museumsleiter Wolfgang Brügel, dem dieser Maler bis dahin völlig unbekannt gewesen war, suchte nach Informationen über ihn. Weiterhelfen konnte ihm Hannsjürgen Lommer aus Naila, der über die Region hinaus selbst als Maler bekannt ist. Lommer hat als junger Mann Mutze selbst noch gekannt und ihn mehrmals besucht im Anwesen Bahnhofstraße 1 in Naila. "In seinen beiden letzten Lebensjahren vor seinem Tod 1963 habe ich mich sehr oft mit ihm getroffen und ihn in seinem Malerstübchen im zweiten Stock in der Bahnhofstraße 1 besuchen dürfen", berichtet Lommer. Als junger, kunstinteressierter Mann war er fasziniert davon, eintauchen zu dürfen in die Welt von Farben und Bildern dieses Malers. Heute befindet sich in diesem Haus das Geschäft Büro-Mohr. Walter Mutze hat hier seine letzten Lebensjahre verbracht. Mit seiner Frau Berta, die aus Naila stammte, lebte er in dem Haus, das ihr gehörte. Das Ehepaar blieb kinderlos.

 

Seit dem Winter 2017 hängen Mutze-Bilder in Naila in der Stadtbücherei; Wolfgang Brügel tauscht sie alle sechs Monate aus, damit es auch mal einen Wechsel gibt. Auf Landschaften folgten Dorfansichten und Stillleben. Nun kann er bald weitere Werke öffentlich präsentieren. Über das Angebot von Peter Büttner war Wolfgang Brügel völlig überrascht, und er freut sich auf die Bilder. "Er gehört zu uns", sagt Brügel über Walter Mutze und erklärt: "Wir sind aufgefordert als Museum, den Werken die Heimat zu geben, die sie verdient haben. Das ist wie bei den Menschen, sie brauchen eine Heimat, wo sie hingehören." Brügel erläutert weiter: "Wir sind in Naila ein lokales Museum. Wir sind bemüht, die Geschichte dieses Ortes zu dokumentieren. Unsere Ausstellungsstücke sollen ortsgebunden sein, das ist unser Begriff von Heimat."

Die nun bekannten Gemälde von Walter Mutze - es sind Ölbilder und Aquarelle - gehören den klassischen Genres an: Es sind Landschaften, Ortsansichten und Ansichten von Gebäuden, Blumenbilder und Stillleben. Mutze wählte dafür gerne eine starke Farbigkeit, und die Bilder zeigen ein großes Gespür einerseits für die leicht abstrahierte, dabei aber genaue Darstellung und andererseits für eine dichte Stimmung. Nur ein Teil der Bilder trägt eine Bezeichnung, die verrät, welche Landschaft zu sehen ist, wie Hohenberg an der Eger und das Höllental. Peter Büttner hat beim Erwerb der Bilder auch einige Fotos erhalten, darunter eines, das Mutze bei der Arbeit an einer großen Porzellanvase zeigt. Doch auch damit ist nicht allzu viel über das Leben dieses Malers bekannt.

 

 

 

Im Porzellanikon in Selb-Plößberg

Im Porzellanikon in Selb-Plößberg erinnert die Dauerausstellung "Rosenthal - ein Mythos" an die Geschichte der traditionsreichen Porzellanfabrik. Von 1913 bis 1961 hat der Porzellanmaler Walter Mutze für die Firma Rosenthal gearbeitet, zeitweise als Obermaler und Mustermaler in der Aufglasurmalerei der Kunstabteilung. In dem Museum begegnet der Besucher einer Deckelvase, die Walter Mutze 1927 bemalt hat. Im geometrischen Jugendstil formen sich darauf viele farbige Flächen zu einem Dekor, das streng und fröhlich zugleich ist. Mutzes Musterbücher befinden sich im Rosenthal-Archiv des Museums, wie Kuratorin Petra Werner informiert. Der Museumsbesucher kann auf einer Kopie einer Seite aus einem solchen Musterbuch kleine Ideenskizzen zu Dekoren entdecken. Walter Mutze hat für Rosenthal das Dekor "Zaubergarten" entworfen - eines der bekanntesten, aufwendigsten und teuersten Dekore der Firma, wie Petra Werner erzählt. Alle Stücke sind handgemalt. Das Dekor wurde von den 1950er-Jahren bis in die 1980er-Jahre produziert. Aus einem roten Vollflächen-Dekor sind Ton in Ton Blumen herausgearbeitet, dazu kommt eine goldene Zeichnung. Es gab auch die Variante in Grün. Dass auch Ölgemälde und Aquarelle von Walter Mutze aufgetaucht sind, wundert Petra Werner nicht, sie weiß: "Alle Porzellanmaler haben nebenbei etwas gemacht."

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht am:
26. 08. 2019
20:57 Uhr

Aktualisiert am:
26. 08. 2019
20:57 Uhr

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26. 08. 2019
20:57 Uhr

Aktualisiert am:
26. 08. 2019
20:57 Uhr



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