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Wunsiedel

Tierschmuggel: Sieben Welpen sterben

Trotz der traurigen Nachrichten aus dem Tierheim gibt es Hoffnung. Aufgepäppelt mit Reis und gekochtem Hühnchen kommen die anderen Hundebabys zu Kräften.



Schlechte Nachrichten hat Anette Bartholomai: Sieben der 17 Hundebabys, die seit Mitte Dezember im Tierheim in Breitenbrunn versorgt werden, überlebten die Strapazen des Schmuggels nicht, trotz der hervorragenden Betreuung. Sie starben meist in der Tierklinik. Denn auch die Veterinäre dort konnten die Welpen nicht mehr retten. Foto: Florian Miedl
Schlechte Nachrichten hat Anette Bartholomai: Sieben der 17 Hundebabys, die seit Mitte Dezember im Tierheim in Breitenbrunn versorgt werden, überlebten die Strapazen des Schmuggels nicht, trotz der hervorragenden Betreuung. Sie starben meist in der Tierklinik. Denn auch die Veterinäre dort konnten die Welpen nicht mehr retten. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Anette Bartholomai seufzt leise und sagt: "Wir trauen uns schon gar nicht mehr uns zu freuen, wenn es den Tieren besser geht. Sieben von unseren siebzehn Welpen sind leider inzwischen gestorben. Es ist ein ständiges Auf und Ab." Doch wenn es jetzt keine Rückfälle mehr gibt, dann hätten die zehn kleinen Rassehunde eine ganz gute Chance durchzukommen, blickt die Leiterin des Wunsiedler Tierheims mit Optimismus in die Zukunft.

Was war passiert? In einem erbärmlichen Zustand waren 17 Hundebabys Mitte Dezember in das Tierheim in Breitenbrunn gebracht worden. Innerhalb von 24 Stunden hatte die Polizei in Südbayern zwei illegale Tiertransporte auf der A8 und bei Bad Reichenhall entdeckt. Sie befreiten 210 Welpen, 20 Vögel und etwa 20 Schildkröten. "Ohne Futter und Wasser" waren die Tiere eingepfercht worden, beschrieb die Polizei die Situation der Beschlagnahmung damals. Quer durch Europa wollten die ungarischen und slowakischen Schmuggler die Rassehunde karren, um mit ihrem illegalen Verkauf das große Geld zu machen. Rund 800 bis 1000 Euro pro verkauftem Hund erhofften sich die Schmuggler.

Die todkranken und geschwächten Welpen wurden an Tierheime in ganz Bayern verteilt, um die sehr aufwendige Betreuung der Geschöpfe leisten zu können. 17 Hundebabys fanden so eine Heimat im Wunsiedler Tierheim Breitenbrunn.

"Drei Zimmer sind bei uns nur mit den Welpen belegt", erklärt die Tierheimleiterin. Mit großem Engagement kümmern sich die Mitarbeiter seit einem Monat um ihre Schützlinge. "Wir kochen ihnen Schonkost, Hühnchen mit Reis. Manche können nicht aus dem Napf fressen und müssen mühsam mit der Hand gefüttert werden", beschreibt die Tierpflegerin Bartholomai die Lage. Doch einige der Hunde waren in einem so schlechten Zustand, dass sie in die Tierklinik mussten und dort am Tropf hingen. Sieben der 17 haben es trotz aller medizinischer Hilfe und dem unermüdlichen Einsatz der Wunsiedler nicht geschafft. Verschiedene Erkrankungen und Durchfälle waren zu viel für das total geschwächte Immunsystem der erst wenige Wochen alten Tiere.

In der Regel bleiben junge Hunde zwei Monate bei der Mutter, bevor sie kräftig genug sind, um verkauft oder abgegeben zu werden. Die geschmuggelten Welpen waren vier bis fünf Wochen alt. Der kleinste Hund wog bei seiner Ankunft in Breitenbrunn nur rund 600 Gramm. Er gehört auch zu denjenigen, die es nicht geschafft haben.

Durch die gute Betreuung ist es Bartholomai inzwischen gelungen, dass die überlebenden Welpen an Gewicht zugelegt haben und sieben von ihnen keine speziell gekochte Schonkost mehr brauchen. "Wir haben viele Anfragen von Männern und Frauen, die gerne so einen Hund aufnehmen möchten", sagt die Tierpflegerin. Doch müsse sie momentan noch alle vertrösten, denn vermittelt können die Tiere aus verschiedenen Gründen noch nicht werden.

Rein rechtlich sind die Welpen Eigentum der Schmuggler. Erst, wenn sie ihr Recht abtreten, dürfen die Tiere in ein neues Zuhause. Momentan sei es aber auch noch zu früh für eine Vermittlung, erklärt Bartholomai. Möglicherweise seien manche Tiere im Februar gesundheitlich soweit stabil, das Tierheim verlassen zu können.

Zum großen Bedauern der Tierheimleiterin geht das illegale Geschäft mit den Rassetieren weiter. Sie appelliert eindringlich, Hunde nur bei seriösen Züchtern zu kaufen oder aus dem Tierheim zu holen. "Solange die Nachfrage da ist", nimmt der Tierschmuggler kein Ende, ist sie sich sicher. Und der jüngste Fall am vergangenen Wochenende bestätigt ihre Vermutung. "Sieben Malteserwelpen entdeckte die Polizei bei einem Rumänen, der auf dem Weg nach Amsterdam war. Die Tiere waren erst drei Wochen alt und wurden in eine Kiste unter der Ladung versteckt", erzählt Andreas Brucker, Geschäftsführer des Bayerischen Tierschutzbundes im Gespräch mit der Frankenpost.

Es ist ein ständiges Auf und Ab.

Anette Bartholomai, Leiterin des

Tierheims in Breitenbrunn

 
Dicke Rechnung für die Schmuggler

"Nächste Woche werden wir eine Rechnung über rund 120 000 Euro über die Betreuungs- und Tierarztkosten an die Tierschmuggler schicken", erklärt Andreas Brucker. Der Geschäftsführer des Bayerischen Tierschutzbunds erhofft sich, dass der Slowake, der die insgesamt 169 hilflosen, hungrigen und kranken Tierbabys über die Grenze gebracht hat, dann schriftlich erklärt, dass er auf sein Eigentum verzichtet. Denn momentan gehören die noch lebenden Welpen - dazu zählen auch die zehn, die seit Mitte Dezember im Wunsiedler Tierheim untergebracht sind - dem Schmuggler. Doch nur wenn er die Rechnung bezahlen würde, dürfte er die Tiere mitnehmen. "Das rentiert sich für ihn nicht", schätzt Brucker. Sollte der Schmuggler nicht reagieren, setze man eine Frist und käme der Mann dieser nicht nach, verliere er auch das Eigentum an den Tieren, doch das könne dann länger dauern. Erst, wenn das Eigentum an den erst wenige Wochen alten Hunden an die Tierheime übertragen worden ist, können diese vermittelt werden. "Doch das dauert sowieso noch", denn die Welpen seien noch zu klein und schwach für die Vermittlung. Insgesamt sind 37 der 169 Tiere in den letzten vier Wochen gestorben, weil der qualvolle Schmuggel, ohne Wasser und Nahrung, die viel zu jungen Tiere völlig entkräftet hat.

Mehr zum Thema:
Zwei Welpen sind tot
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Von Alexandra Hautmann
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Veröffentlicht am:
14. 01. 2016
00:00 Uhr

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Von Alexandra Hautmann

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14. 01. 2016
00:00 Uhr



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