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Fichtelgebirge

Brückenschlag mit alter Musik

Zum Auftakt des Festivals Mediaval gibt das Quartett "VocaMe" ein Konzert in der Christuskirche. Die anmutigen Solistinnen bekommen viel Beifall.



Drei Solistinnen sowie der musikalische Leiter des Ensembles "VocaMe", Michael Popp (rechts), interpretierten die frühe Musik.	Foto: Silke Meier
Drei Solistinnen sowie der musikalische Leiter des Ensembles "VocaMe", Michael Popp (rechts), interpretierten die frühe Musik. Foto: Silke Meier  

Selb - Still ist es gewesen. Kein Ton sollte ungehört bleiben von der alten Musik, die wie ein kostbarer Schatz durch die Jahrhunderte getragen wurde. In der modernen Christuskirche in Selb eröffnete "VocaMe" den Vorabend zum zehnten Festival Mediaval mit einem Akustikkonzert. 90 Minuten Spielzeit, mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte, seltene Instrumente und eine reife Performance erlebte das aufmerksame Publikum im gut besuchten Gotteshaus. Es dankte schließlich mit langem Applaus und genoss die Zugabe, eine spanische Komposition aus dem 15. Jahrhundert, die Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela gesungen haben.

Unterhaltsam erläuterte Michael Popp, musikalischer Leiter des Ensembles, die Literatur, die Sigrid Hausen, Mezzosopran, Sarah M. Newman, Sopran, und Petra Noskaiová, Mezzosopran, besangen. Ruhig variierten die Sängerinnen und bewegten sich andächtig und graziös durch den Raum. Die Hymnen der Kassia, einer byzantinischen Komponistin aus dem 9. Jahrhundert, trugen sie durch den Kirchenraum schreitend vor. Die frühe Musik sei, ähnlich der Malerei, ein Medium gewesen, um dem einfachen Volk religiöse und geistige Inhalte verständlich zu machen, sagte Popp. Kassia gelte als eine der frühesten Komponistinnen des Abendlandes, bestrebt, sich als selbstbewusste und hoch talentierte Frau zu emanzipieren.

Besungen und instrumental begleitet wurden auch die Weisen um Volksheilige, wie etwa asketische Mönche, die zu Pfahlhockern wurden, oder von Christine de Pizan, Franko-Italienerin, deren Ballade über Einsamkeit und Melancholie zwischen 1400 und 1460 der zeitgenössische flämische Komponist Gilles de Binchois vertont hat. Mit Harfe und Hackbrett und gehauchten wie glockenreinen Stimmen interpretierte das Quartett Werke aus dem Vermächtnis der Hildegard von Bingen. Die Lieder und Visionen zeichnete das Ensemble in künstlerischer Freiheit. Die Kirchengesänge, Kyrie und Spiritus Sanctus, interpretierte es überlegt distanziert.

Es sei schwer, sich heute als religiöser Mensch zu bekennen, sagte Michael Popp und erklärte die religiöse Konzentration der frühen Werke. Die Ur-Idee der Aufklärung sieht Popp zerbröseln. Ähnlich dem religiösen Glauben, der sich im Mittelalter verändert habe, zeichne sich in seiner Wahrnehmung ein Ende des Glaubens an die Vernunft ab. "Wer glaubt heute noch, dass man mit Vernunft unsere Probleme lösen kann?", fragte Popp. Gedanklich und musikalisch schlug das Quartett eine Brücke zur Vorstellungskraft der Menschen im Mittelalter und spielte für ein Publikum von heute Musik aus frühen Jahrhunderten.

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Silke Meier
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Veröffentlicht am:
07. 09. 2017
19:45 Uhr

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Silke Meier

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07. 09. 2017
19:45 Uhr



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