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Fichtelgebirge

Dr. Singers Heimatliebe soll weiter leben

Der Arzberger Arzt und seine Beiträge zur Volkskunde stehen im Mittelpunkt eines Projekts der Fichtelgebirgsmuseen. Geplant sind eine Ausstellung und Tagung.



Projektbearbeiterin Diana Nitzschke, der Sohn Friedrich Singers, Georg Singer, und die Leiterin der Fichtelgebirgsmuseen, Dr. Sabine Zehentmeier-Lang, (von links) mit einem von Singers Sammelobjekten, einer historischen Leinentischdecke. Sie wollen mit dem Projekt das Interesse an der Geschichte des Kultur- und Naturraums Fichtelgebirge neu wecken und junge Forscher ermutigen, sich mit ihrer Heimat zu beschäftigen.	Foto: Dietmar Herrmann
Projektbearbeiterin Diana Nitzschke, der Sohn Friedrich Singers, Georg Singer, und die Leiterin der Fichtelgebirgsmuseen, Dr. Sabine Zehentmeier-Lang, (von links) mit einem von Singers Sammelobjekten, einer historischen Leinentischdecke. Sie wollen mit dem Projekt das Interesse an der Geschichte des Kultur- und Naturraums Fichtelgebirge neu wecken und junge Forscher ermutigen, sich mit ihrer Heimat zu beschäftigen. Foto: Dietmar Herrmann   » zu den Bildern

Wunsiedel/Arzberg - Am 18. Juni nächsten Jahres wäre Dr. Friedrich Wilhelm Singer 100 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren ist in den Fichtelgebirgsmuseen ein großes Forschungsprojekt angelaufen. "Unsere Arbeit soll die Forschungsergebnisse Dr. Singers sichern und andere ermutigen, in seine Fußstapfen zu treten", erklärt Museumsleiterin Dr. Sabine Zehentmeier-Lang. "Er hätte sicher Interesse daran, dass seine Arbeit weitergeht." Das vom Kulturfonds Bayern und der Oberfrankenstiftung unterstützte Projekt ist ambitioniert: Mitarbeiterin Diana Nitzschke will die komplette heimatkundliche Sammlung des passionierten Arzberger Heimatforschers erfassen und wissenschaftlich auswerten. Das Projekt dauert zwei Jahre, der Kostenrahmen liegt bei 118 000 Euro. Wenn Friedrich Singer seine Sammlung selbst bearbeiten hätte wollen, "hätte er 300 Jahre alt werden müssen", sagt die Forscherin.

Diana Nitzschke hat im April die Arbeit am Projekt "Dr. Friedrich Wilhelm Singer - Heimatforscher der Region Fichtelgebirge" aufgenommen - und staunt immer noch manches Mal nicht schlecht, was sie in der Sammlung entdeckt. Da gibt es bereits bekannte Objekte wie die Zunftkanne der Arzberger Weber oder eine weiß-blaue Leinentischdecke. Dazu kommen aber auch Stücke, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren. Zum Beispiel der Schrank eines Schnitzers, der im 18. Jahrhundert für das Kloster Waldsassen tätig war und mit einem Bild auf seinem Werk verewigt sein könnte. Oder ein Briefwechsel aus den 50er Jahren mit dem damaligen schwedischen König, dem es die Arzberger Kacheln angetan hatten und zu denen Friedrich Singer einen Aufsatz veröffentlicht hatte. Kurz: Dr. Singer war die heimatkundliche Vielseitigkeit in Person. Am Ende des Projekts sollen alle seine Sammelobjekte online eingesehen werden können und ein Verzeichnis der Werke Singers vorliegen. Auch seine wissenschaftliche Korrespondenz soll dann aufgearbeitet sein.

Geboren 1918 "am Schacht" im heutigen Arzberger Ortsteil Schlottenhof zeichnete Singer schon früh die Faszination für seine Heimat aus. Bereits als Gymnasiast schrieb Singer volkskundliche Artikel für seine Heimatzeitung. Als Mediziner beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte des Gesundheitswesens in der Region - beschränkte sich aber nicht darauf. "Dr. Singer hat mit Sinn, Verstand und Fachwissen heimatkundliche Objekte gesammelt. Sein Themenspektrum war weit gefächert", schildert Museumsleiterin Dr. Sabine Zehentmeier-Lang die Tätigkeit des Heimatforschers. Er habe ein gutes Auge für Stücke gehabt, an denen sich die Geschichte des Fichtelgebirges ablesen lasse. So sammelte der Arzberger Arzt unter anderem Möbel, Kunsthandwerk, Keramik, Zinn, Porzellan, religiöse Kunst. Singer beschäftigte sich aber auch mit dem Dialekt und der Tracht seiner Gegend, widmete sich der Familienforschung und las jungsteinzeitliche Keramik an der oberfränkisch-oberpfälzischen Bezirksgrenze auf. Das Fichtelgebirge endete für ihn nicht an der Grenze - und so stand er in regem Kontakt mit anderen Heimatinteressierten im Vogtland und in Tschechien.

Sein Hobby verfolgte Singer unermüdlich: "Er arbeitete jeden Tag nach dem Frühstück eine Stunde lang an seinen Texten. Seine Hauptarbeitsphase war aber nach dem Abendessen bis Mitternacht", erinnert sich sein Sohn Georg Singer. Bis zu seinem Tod 2003 habe er unermüdlich gearbeitet. So entstand die riesige Sammlung von Dr. Singer. Noch zu Lebzeiten hatte der Mediziner den Fichtelgebirgsmuseen 1 500 Objekte vermacht. In jüngster Zeit kamen noch einmal 150 Stücke dazu. Damit aber nicht genug: Singer hinterließ viele Schriften zur Heimatkunde - und getreu der "Fichtelgebirgsarbeitsweise" à la Jean Paul - tausende Zettel mit Notizen zur Heimatgeschichte oder Objekten.

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Die Ausstellung mit den interessantesten Objekten aus der Sammlung Dr. Singer läuft ab dem 2. Juni 2018 an beiden Standorten der Fichtelgebirgsmuseen: Wunsiedel und Arzberg-Bergnersreuth. Das Symposion mit aktuell tätigen Heimatforschern und Wissenschaftlern ist für Anfang 2019 geplant.

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Gertrud Pechmann
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Veröffentlicht am:
12. 10. 2017
21:24 Uhr

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Autor

Gertrud Pechmann

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Veröffentlicht am:
12. 10. 2017
21:24 Uhr



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