Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

Fichtelgebirge

Promis im Einsatz für die Ausbildung

Den Betrieben gehen die Lehrlinge aus. Daher lädt das Wirtschaftsministerium 460 Schüler in die Fichtelgebirgshalle. Auch ein Weltmeister ist mit von der Partie.



Reichlich Informationen sammelten die Jugendlichen bei der Unternehmens-Messe im Foyer bei den Firmen und Institutionen. Foto: Florian Miedl
Reichlich Informationen sammelten die Jugendlichen bei der Unternehmens-Messe im Foyer bei den Firmen und Institutionen. Foto: Florian Miedl   » zu den Bildern

Wunsiedel - Wer hätte gedacht, dass der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck einst der Herr über die Wirtshaus-Lizenzen im Landkreis war? Oder dass die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner eine Lehre als Radio- und Fernsehtechnikerin absolviert hat? Es sind ungewöhnliche Lebenswege, von denen 460 Schüler am Mittwoch in der Fichtelgebirgshalle erfahren haben. Auch der erfolgreichste deutsche Schwimmer und zwölfmalige Weltmeister Thomas Lurz war mit von der Partie, um die Mädchen und Jungen aus dem Landkreis für das Berufsleben zu motivieren.

Extremschwimmer mit Weitblick und Biss

Bis an die Weltspitze ist es ein harter, oft einsamer Weg. Thomas Lurz ist diesen Weg immer wieder gegangen, besser gesagt geschwommen: Zwölfmal ist er in seinen Paradedisziplinen fünf und zehn Kilometer Freiwasserschwimmen Weltmeister geworden. Wie er im Gespräch mit der Frankenpost sagte, hat es viele Tage gegeben, da hatte er alles andere im Sinn, als ins Wasser zu steigen und Kilometer um Kilometer abzuspulen. "Doch im Leistungssport ist es wie im Berufsleben: Man muss sich Ziele setzten. Dann weiß man, wofür man sich anstrengt." Lurz hat sich enorm angestrengt. In seiner aktiven Zeit hat er elfmal pro Woche im Wasser trainiert und dazu noch sechs harte Einheiten an Land absolviert. Pro Jahr schwamm er im Training etwa 4000 Kilometer. "Ja, man muss sich immer mal wieder überwinden", sagt er.

Doch die Schinderei alleine hätte Thomas Lurz wenig gebracht. "Denn wenn der Erfolg ausbleibt, macht das Training irgendwann keinen Spaß mehr." Der Würzburger hatte Talent und Ehrgeiz. Und er hat die Nische erkannt, in der er erfolgreich werden könnte. "Natürlich wäre es vielleicht naheliegend gewesen, mich auf 50 Meter Kraul zu spezialisieren. Ich habe stattdessen auf das exotischere Freiwasserschwimmen gesetzt."

Doch irgendwann ist eine Sportkarriere unweigerlich vorbei. "Und als Schwimmer muss man eben im Gegensatz zu einem Profifußballer auch an den Verdienst danach denken." Lurz hat daher neben dem Sport Sozialpädagogik studiert und noch einen MBA (Master of Business Administration), also ein Wirtschaftsstudium, draufgesattelt.Heute arbeitet er als Assistent im Vorstand des Modeunternehmens S.Oliver.

Den Schülern rät Lurz, sich Ziele zu setzen und eine Lehre anzustreben, die einen wirklich interessiert und Spaß macht. "Danach liegt es an einem selbst, durchzustarten."

 

Grund für die vom bayerischen Wirtschaftsministerium und der Organisation Schule-Wirtschaft initierte Kampagne "Berufliche Bildung - deine Chance" ist der immer gravierendere Lehrlingsmangel. Nicht nur die demographische Entwicklung, sondern der Trend zum Studium lässt manchen Betrieb fast verzweifeln. In den Unternehmen gäbe es hochkarätige Ausbildungsplätze und beste Chancen für eine Karriere, aber viele Jugendliche setzen lieber auf einen akademischen Abschluss.

Daher sind Vertreter von 26 Unternehmen und Institutionen in die Halle gekommen und haben sich vorgestellt. Dabei durften die Schüler auch selbst Hand anlegen. Die Schreiner-Innung veranstaltete zum Beispiel einen Schrauber-Wettbewerb und am Stand der Altenpflegeschule des Bfz in Marktredwitz erlebten die Nachwuchs-Pfleger, wie es sich anfühlt, eine Spritze zu verabreichen. Dazu durften sie Wasser in eine Schweineschwarte injizieren. Auch technische Berufe lernten die Mädchen und Jungen kennen, etwa am Stand der Unternehmen Müssel, BHS Tabletop oder Netzsch.

In der Halle kam keine Langeweile auf, da niemand salbungsvolle Reden schwang. Stattdessen stellten engagierte Schüler den Werdegang von Ilse Aigner, Karl-Willi Beck und Landrat Dr. Karl Döhler vor. Keiner der Politiker hat eine geradlinige Karriere, sondern kam über Umwege und mit Glück und Engagement an seine heutige Position. Ilse Aigner riet den Jugendlichen zu einer Berufsausbildung, "weil diese ein solides Fundament fürs Leben ist". Mit einer Lehre stehe die Welt offen. Dass dies keine Floskel ist, zeigt ihr Beispiel, das sie vom Lehrmädchen in der Fernsehwerkstatt bis auf den Chefsessel des Wirtschaftsministeriums führte. Auch Beck war zunächst im Landratsamt beschäftigt und hat Wirten die Lizenz zur Eröffnung von Gaststätten erteilt. Lediglich Landrat Döhler hat sofort auf eine akademische Ausbildung gesetzt und Biologie studiert. Etwa zehn berufliche Stationen später ist er wieder in seine Heimat zurückgekommen. "Und genau wegen der Menschen hier bin ich so gerne Landrat", sagte er.

Einer dieser Menschen, die wissen was sie wollen, ist Frank Süß, der einen E-Bike-Verleih mit Café in Ruppertsgrün durchstartet. "Ich habe nach der Realschule vom Studentenleben geträumt. Doch dann habe ich eine Lehre absolviert und verdiene jetzt seit 15 Jahren mein Geld, während manch ein Bekannter immer noch studiert." Dies meinte er keinesfalls abwertend, sondern sieht dies als Beleg, dass eine Berufsausbildung häufig schneller zu einer Karriere führt als die langwierige akademische Mühle.

Autor

Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 11. 2017
19:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
BHS Tabletop Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufsleben Fichtelgebirgshalle Hochschulen und Universitäten Ilse Aigner Karl-Willi Beck Karriere Lehrlinge Modeunternehmen Netzsch-Gruppe S.Oliver Schüler Thomas Lurz Weltmeister Wirtschaftsstudium
Wunsiedel
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wunsiedels zweiter Bürgermeister Manfred Söllner (links) und Melanie Wehner-Engel vom Tourismusmarketing der Stadt freuten sich über den neuen Image-Film. Erstellt haben die Doppel-DVD der Leiter des Medienzentrums Wunsiedel, Gerhard Herold (rechts), und der Marktredwitzer Filmemacher Reinhard Dengler. Foto: Rainer Maier

17.03.2019

124 Minuten Wunsiedel auf zwei DVDs

Die Kreisstadt präsentiert ihren neuen Image-Film. Zweigeteilt in Geschichte und aktuelle Ansichten zeichnet die Produktion ein Bild der Stadt und ihrer Menschen. » mehr

Viele Dutzend Hände schüttelten Bürgermeister Karl-Will Beck (Mitte) sowie zweiter Bürgermeister Manfred Söllner (Zweiter von links) und dritter Bürgermeister Wilfried Kukla (links) beim Neujahrsempfang. Auf dem Bild wünscht Beck SWW-Geschäftsführer Marco Krasser ein gutes neues Jahr. Mehr Bilder vom Wunsiedler Neujahrsempfang gibt es unter www.frankenpost.de . Fotos: Florian Miedl

08.01.2019

Ausblick auf jede Menge Herausforderungen

Einige markante Gebäude und Grundstücke werden in den nächsten Monaten mit neuem Leben erfüllt. Die Zahl der Geburten sinkt nach einigen Jahren wieder leicht. » mehr

Nach einer eineinhalbstündigen emotionalen Rede saß Bürgermeister Karl-Willi Beck noch einen Moment in sich gekehrt in der Fichtelgebirgshalle, bevor er sich unter die Gäste mischte. Mehr Bilder vom Wunsiedler Neujahrsempfang gibt es unter www.frankenpost.de im Internet. Fotos: Florian Miedl

07.01.2019

Beck spricht erstmals über seine Krankheit

Der Wunsiedler Bürgermeister kündigt beim Neujahrsempfang an, dass ihm eine schwere Operation bevorsteht. Zuvor lobt er vor allem die ehrenamtlichen Helfer. » mehr

Ruhe vor dem Sturm: Im Frühjahr sollen bereits wieder Gäste in der "Waldlust" bewirtet werden. Fotos: Florian Miedl

21.12.2018

Oberbayern kaufen die "Waldlust"

Sepp Schwarzenbach und Korbinian Haberlander planen in Wunsiedel ein Lokal für Ausflügler und Luisenburg-Besucher. Die Chefs der Firma Lago wollen im April eröffnen. » mehr

Seit Anfang Oktober hat die Gaststätte "Waldlust" auf der Luisenburg geschlossen. Foto: Matthias Bäumler

12.10.2018

Zukunft der "Waldlust" ungewiss

Die Luisenburg-Gaststätte steht leer. Es ist möglich, dass die Stadt das gesamte Areal an einen Investor verkauft. » mehr

Kasse leer. So zumindest beurteilt das Landratsamt die finanzielle Situation der Stadt Wunsiedel. Foto: Christian Charisius

19.09.2018

Jeden Tag ein Landratsgehalt

Wunsiedel wird auf Jahre hinaus keinen genehmigten Haushalt erhalten. Das geht aus einem Schreiben der Rechtsaufsicht hervor. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Selb: Auto prallt gegen Baum Selb

Unfall Selb | 22.03.2019 Selb
» 6 Bilder ansehen

Black Base mit DJ Kurbi

Black Base mit DJ Kurbi | 17.03.2019 Hof
» 54 Bilder ansehen

Playoff 4: Selber Wölfe - Hannover Indians 4:1 Selb

Wölfe im Viertelfinale | 22.03.2019 Selb
» 58 Bilder ansehen

Autor

Matthias Bäumler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 11. 2017
19:48 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".