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Fichtelgebirge

Juliushammer in neuen Händen

Der Ferienhof, einst ein Kleinod der Gastronomie im Landkreis, wechselt den Besitzer. Zwei Männer aus Niederbayern ersteigern das gesamte Anwesen für 240.300 Euro.



Wechselt für 240 300 Euro den Besitzer: Der einstige Ferienhof Juliushammer bei Wunsiedel. Fotos: Herbert Scharf
Wechselt für 240 300 Euro den Besitzer: Der einstige Ferienhof Juliushammer bei Wunsiedel. Fotos: Herbert Scharf  

Wunsiedel/Hof - Für 10 Uhr ist am gestrigen Dienstag der Versteigerungstermin des einst so stolzen Ferienhofs Juliushammer im Sitzungssaal 12 des Hofer Landgerichts angesetzt gewesen. Es war nicht der erste. Es war bereits der fünfte Versteigerungstermin.

Mit einer Millionensumme stand das stattliche Anwesen schon vor Jahren zum Verkauf. Auf über eine Million Euro hatte ein Sachverständiger das Anwesen geschätzt. Vor mehr als 40 Jahren hatte der frühere Marktredwitzer Unternehmer und Sportförderer Josef Sebald die Mühle, die um 1800 herum gebaut wurde, gekauft. Zug um Zug hatte er die einstige Mühle zu einem Kleinod ausgebaut. Die gute Küche war weit bekannt. In dem Ferienhotel stiegen Reisende mit Rang und Namen ab. Es gehörte auch zu den bevorzugten Adressen der Luisenburgschauspieler zur Saison.

Drei Tennisplätze, eine Tennishütte, Sauna, ein Hallenbad boten Aufenthaltsqualität. Mit dem Tod des Unternehmers aber ging es auch mit dem Ferienhof bergab. Die Hotelzimmer veralteten, die Tennisplätze verfielen. Zuletzt wurde nur noch das schön mit Bruchmauerwerk gebaute Restaurant betrieben, bis es schon vor Jahren schloss.

Seither verfällt das Anwesen zusehends. Die Sparkasse, die eine stattliche Kreditsumme ausstehen hatte, betrieb die Versteigerung. Mit wechselndem Erfolg. Es war am Dienstag der fünfte Versteigerungstermin und Rechtspfleger Fredi Fries fiel wohl auch ein kleiner Stein vom Herzen, als er den Zuschlag verkünden konnte.

Schon vor einigen Jahren hatte ein Arztehepaar aus München bei einer Versteigerung den Zuschlag bekommen. Das Ehepaar mit kleinen Kindern hatte es sich bereits in Juliushammer eingerichtet, die Kinder waren eingeschult, da mussten sie flugs wieder ausziehen. Eine Prozessbeteiligte hatte Einspruch eingelegt, weil der Mindestpreis nicht erreicht wurde. Und auch die Sparkasse hatte zurückgezogen, weil das Thema "Verschleuderung" im Raum stand.

Diesmal aber wird wohl alles seine Ordnung gehabt haben. Während das Interesse beim vorletzten Termin noch groß war und Wunsiedels Bürgermeister Beck und Hobbygastronom German Schlaug sowie mehrere Interessenten im Raum waren, war die Zahl der Besucher gestern überschaubar. Die Sparkasse war mit ihrem Rechtsvertreter Friedrich Hendel vertreten. Dazu waren die beiden Bieter aus Jandelsbrunn, Vater und Sohn, sowie einige Nachbarn gekommen, die sich für die anliegenden Grundstücke interessierten.

Pünktlich um 10 Uhr rief Rechtspfleger Fries zur Bieterstunde auf. Die Sparkasse hatte den Wert auf rund 480 000 Euro herabgesetzt. Fünf Zehntel davon, so ist die Vorschrift, müssten erreicht werden.

Nach kurzer Wartezeit gingen die beiden neuen Besitzer, Günther und Christopher Ascher aus Jandelsbrunn zu dem Rechtspfleger und gaben ihr Gebot über 240 000 Euro für alle drei zur Versteigerung stehenden Posten ab. Möglich gewesen wäre auch eine Versteigerung der einzelnen Positionen. Neben dem Hotel waren eine Wasserkraftanlage, die noch verpachtet ist und ein weiteres Grundstück aufgelistet.

Nachdem sich die beiden Interessenten ausgewiesen und die Sicherheitsleistung mit einem Scheck hinterlegt hatten, fragte der Rechtspfleger vergeblich nach weiteren Interessenten und Geboten. Um 10.36 Uhr gab Fries den Zuschlag. Womit der neue Besitzer sogar etwas Geld sparte. Denn der Zuschlag des Gerichts ersetzt den etwas teureren Notartermin. Die noch ausstehenden Mahngebühren verschiedener Gläubiger in Höhe von 39 000 Euro allerdings gehen zu Lasten der Sparkasse.

Die wird es wohl verschmerzen können angesichts der Tatsache, dass das Kapitel und die Akte Juliushammer für sie nun wohl abgeschlossen sind. Die erheblich höhere Kreditsumme, die darauf lastete, ist ohnehin längst abgeschrieben.

Nun bleiben noch sechs Wochen gesetzlich vorgeschriebene Frist, dann geht der Besitz endgültig auf die beiden Bieter über.

Und was haben Vater und Sohn mit dem Ferienhof vor? Sie halten sich gestern noch bedeckt. Die beiden betreiben in Jandelsbrunn in Niederbayern eine Autowerkstatt mit Lackiererei und beteiligen sich nicht das erste Mal an einer Versteigerung. "Unser vorherrschendes Interesse allerdings gilt nicht der Gastronomie, sondern erst einmal dem Wasserkraftwerk", bestätigt Günther Ascher. Mit der Gastronomie müsse man erst einmal sehen, sagen sie.

 
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Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
15. 11. 2017
00:00 Uhr

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Herbert Scharf

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15. 11. 2017
00:00 Uhr



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