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Fichtelgebirge

Das Bier ist auch einen höheren Preis wert

Die Brauereien in der Region müssen mehr verlangen, weil auch für sie alles teurer wird. Eine hat es schon getan - und ist bei den Kunden auf Verständnis gestoßen.



Bier wird teurer, aber nicht einmal um einen Euro pro Kiste. Das nehmen die Genießer im Fichtelgebirge verständnisvoll hin.
Bier wird teurer, aber nicht einmal um einen Euro pro Kiste. Das nehmen die Genießer im Fichtelgebirge verständnisvoll hin.  

Wunsiedel - Ein Wiener Schnitzel kostet 7,50, ein Stück Butter 2,30, ein Mineralwasser 2,50, ein Bier drei Euro: Kenngrößen wie diese beschreiben das Preisniveau eines Landes oder einer Region - und zu diesen Kenngrößen gehört nicht nur in deutschen Landen eben auch der Bierpreis. Ändern sich diese Größen, so stutzt der Kunde eher als bei Preissteigerungen in anderen Bereichen. In den kommenden Monaten wird mancher Biertrinker fragen, ob sein Lieblingsgetränk teurer geworden ist. Und er wird recht behalten. Die Großen in der Branche sind vorausgegangen. Die Brauereien aus der Region ziehen nach oder haben das bereits getan - und stoßen bei den meisten Kunden auf Verständnis.

"Der Bierpreis ist ein politischer Preis", weiß Richard Hopf von der Brauerei Lang im Wunsiedler Ortsteil Schönbrunn. Er meint damit besagte Kenngröße. "Die Leute schauen nicht, was eine Apfelschorle kostet, wohl aber ein Kasten, eine Flasche oder ein Seidel Bier. Das ist nun mal am Stammtisch interessant." Von dort hätte Hopf schon eine Rückmeldung erhalten müssen. Denn er hat die Preise bereits im November angepasst, im Durchschnitt um etwa vier Cent pro Flasche Bier. "Das ist erträglich, und die Kunden haben Verständnis." Abholer zahlen in Schönbrunn für 20 Flaschen 13,20 Euro, im Supermarkt 13,99.

Nahezu den gleichen Preis wird die Brauerei Hönicka in Wunsiedel verlangen, ab März oder April 2018. "Damit gehen wir pro Kasten um 30 oder 40 Cent nach oben", berichtet Geschäftsführer Andreas Purucker. Er gibt sich immer noch "hin- und hergerissen" ob des Zwanges, den Gerstensaft zu verteuern. Einerseits muss er es tun, um gestiegene Kosten weiterzugeben. Andererseits weiß er: "Die Ware Bier wird immer noch als wenig wertig erachtet" - im Gegensatz etwa zu Wein. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Großkonzerne das Getränk oft zu einem Preis "raushauen", der sich nie decken ließe.

So müssen die kleinen Brauereien darauf setzen, dass ihre Kunden die Qualität der heimischen Produkte schätzen und dafür gerne ein wenig mehr zahlen.

Auch bei Otto Nothhaft von der gleichnamigen Brauerei in Marktredwitz ist die Preiserhöhung bisher nur ein Hintergedanke. Gleichwohl weiß er, dass er nicht um sie herumkommen dürfte, "weil alles teurer wird". Wahrscheinlich zum 1. April will er vermutlich einen Euro mehr für die Kiste verlangen. Sollte dann schon mal ein Kunde nörgeln, so verweist Nothhaft darauf, dass der Preis seit vier Jahren nicht gestiegen ist - und die vorletzte Erhöhung bereits acht Jahre zurückliegt.

Nun können er und seine Kollegen nicht anders. Die Rohstoffe seien um 25 bis 30 Prozent teurer geworden, vor allem der Hopfen mit den nötigen Bitterstoffen, sagt Andreas Purucker. "Wasser und Abgaben werden auch nicht billiger." Richard Hopf verweist darauf, dass alle Zulieferer die Preise erhöht hätten, vom Etiketten-Hersteller bis zum Spediteur. In der Logistik sehen wir gerade die am schnellsten wachsenden Kostentreiber. Die Situation hier wird sich in Zukunft wegen Fahrermangels noch extrem verschärfen. Und der Hopfen ist im Dauerhoch." Vor dieser Entwicklung könnten die Brauereien die Augen nicht verschließen. "Die ganze Branche geht einen Ruck hoch."

Besagter Ruck lasse sich dort leichter umsetzen, wo das Geld sitzt. "Wir haben in Bayern auch beim Bier ein klassisches Süd-Nord-Gefälle." Im Allgäu oder am Chiemsee könnten Brauereien guten Gewissens für die Kiste 16 oder 17 Euro verlangen. Andreas Purucker bestätigt indirekt: "Wenn ich mit Studienkollegen spreche, die in Großräumen arbeiten, dann lachen die mich aus und sagen: Ihr schenkt Euer Bier doch her." Diesem Satze folgend, müsste jedes Mannsbild im Fichtelgebirge dann vor der Fahrt zum Getränkehändler der Gattin sagen: "Ich hol mir jetzt mal mein Weihnachtsgeschenk."

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Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
26. 12. 2017
17:54 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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Veröffentlicht am:
26. 12. 2017
17:54 Uhr



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