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Fichtelgebirge

Die Fichtelgebirgscard kommt zurück

Nach einem ersten, aber gescheiterten Versuch, soll es einen neuer Anlauf mit anderem Konzept geben. Touristiker hoffen auf viele Informationen.



So sah die alte Fichtelgebirgscard aus. Jetzt soll es einen neuen Anlauf mit neuem Konzept geben. Foto: A.G.
So sah die alte Fichtelgebirgscard aus. Jetzt soll es einen neuen Anlauf mit neuem Konzept geben. Foto: A.G.  

Fichtelberg - Vor sieben Jahren wurde sie still und leise beerdigt, nun soll sie Wiederauferstehung feiern: die Fichtelgebirgscard. Und damit sie diesmal länger lebt, soll einiges anders werden.

Die alte Fichtelgebirgscard war eine klassische Vorteilskarte, mit der man an zuletzt 80 zumeist touristischen Einrichtungen kostenlosen oder ermäßigten Eintritt bekam. Die Karte gab es als Dreitageskarte für 29 Euro und Siebentageskarte für 38 Euro. Doch von exakt 321 Fichtelgebirgsurlaubern hatte nur einer die Karte tatsächlich gekauft. Woran lag's? "Es hatte wohl unterschiedliche Gründe", sagt Ferdinand Reb, Leiter der Tourismuszentrale (TZ) Fichtelgebirge. Mangelndes Marketing, keine Provision für den Verkauf der Karte. "Grundsätzlich war die Karte eine gute Geschichte", findet Reb, der ein Jahr nach der Einstellung bei der TZ an Bord kam.

Schon 2012 hatte Reb einen erneuten Anlauf genommen. Damals kam von Fachleuten die Aussage: "Euch fehlt die nötige Infrastruktur für eine attraktive Karte." Fünf Jahre später sieht das anders aus, findet Reb. Seither haben unter anderen Siebenquell, Wildpark und Alpine Coaster den Betrieb aufgenommen.

Trotzdem soll bei der neuen Karte, so sie denn kommt, fast alles anders werden als bei der alten. Die neue Karte soll der Urlauber nicht extra kaufen, sie soll integriertes Teil der Buchung bei den Vermietern sein, die teilnehmen. "Der Gast bucht keine Übernachtung, sondern einen Urlaub", erläutert Reb die Philosophie dahinter. Vermieter, die die Karte im Programm haben, müssten die Kosten einpreisen, so dass der Gast indirekt zahlt. Die Vermieter haben damit die Möglichkeit, ein zusätzliches Produkt, eine Art Pauschale oder einen All-inclusive-Urlaub im Angebot zu haben.

Finanziell soll sich das Projekt durch ein Umlagesystem komplett selbst tragen. Anbieter, die in ihren Einrichtungen ermäßigten oder freien Eintritt gewähren, bekommen im Idealfall aus der Umlage den Betrag zurück, den sie normalerweise eingenommen hätten. Oder im Austausch zusätzliche Einnahmen durch die erhöhte Frequenz, die die Karte bringt.

Beim Einsatz der Karte würden jede Menge Daten anfallen. Daten, die den Tourismusmanagern im Fichtelgebirge Aufschluss über ihre Gäste geben können. Wie verlaufen die Besucherströme innerhalb des Feriengebietes? Also wo könnte ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs angezeigt sein. Welche Gästegruppe hält sich zwei Stunden in der Therme auf, welche vier Stunden?

Doch bis die neue Karte startet, müssen noch einige Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel, wie viele Anbieter mindestens mitmachen müssten, dass die Karte ein attraktives Angebot ist. Wie muss das Umlagesystem beschaffen sein? Soll die Karte ermäßigten oder freien Eintritt gewähren? Fragen, die eine Grundlagenuntersuchung beantworten soll, für die im aktuellen Haushalt der Tourismuszentrale Geld eingeplant ist.

Diese Grundlagenuntersuchung und Konzeptentwicklung macht Gerfried Fleckl, Fachbereichsleiter für Marketing und Destinationsmanagement am Studiengang für Innovation und Management im Tourismus an der Fachhochschule Salzburg. Er sagt: "Die Karte soll die Wertschöpfung im Tourismus steigern. Ein sehr günstiges Angebot führt dazu, seine Leistung zu verschenken. Die Kunst ist, ein attraktives Angebot zu schaffen, das mehr Geld in die Region bringt." Die Vorlaufzeit für eine Karte nach Konzepterstellung veranschlagt Fleckl auf etwa ein Jahr. Bis Ende des ersten Quartals 2018 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Es gibt Beispiele, dass und wie es funktionieren kann: Beispiel Hochschwarzwald Card. Sie gilt als die Erfolgsstory schlechthin. Vor sieben Jahren eingeführt, hat sich das All-inclusive-Angebot trotz damals vieler Kritik fest etabliert und ist ein Zugpferd für Touristen aus aller Welt. Zu dieser Einschätzung kommt Ulrike Brodscholl. Sie ist bei der Hochschwarzwald Tourismus GmbH in Hinterzarten für die Karte zuständig. Ein Drittel der Vermieter hat die Karte im Angebot. Die Umlage pro Nacht liegt bei nur 4,45 Euro. Trotzdem ist die Karte so konzipiert, dass der Karteninhaber an allen mehr als 100 teilnehmenden Einrichtungen freien Eintritt hat.

Aus der Umlage, die die Vermieter abführen, werden die teilnehmenden Einrichtungen ausgezahlt. Laut Ulrike Brodscholl ist seit Einführung der Karte der durchschnittliche Aufenthalt im Hochschwarzwald auf 3,5 Tage gestiegen. Im Fichtelgebirge lag er zuletzt bei 2,4 Tagen.

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Andreas Gewinner
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Veröffentlicht am:
28. 12. 2017
18:36 Uhr

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Andreas Gewinner

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2017
18:36 Uhr



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