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Fichtelgebirge

Kurzschluss verdunkelt die Region

Ein großer Trupp der SWW sucht den Fehler im Stromnetz und behebt die Störung nach einigen Stunden. Die Arbeiten sind schwieriger als gedacht.



Mit Kerzen auf den Tischen behalfen sich die Wirtsleute im "Poststüberl" in Tröstau. Foto: pr.
Mit Kerzen auf den Tischen behalfen sich die Wirtsleute im "Poststüberl" in Tröstau. Foto: pr.  

Wunsiedel/Bad Alexandersbad - Auf einmal geht das Licht aus. Es ist Mittwoch gegen 19 Uhr, als es in Bad Alexanderbad, Teilen Wunsiedels, in Tröstau und Nagel schlagartig zapfenduster wird. Der Strom ist weg. Keine Lampen, kein Computer, kein Herd, kein Fernseher funktioniert. In der Leitzentrale der SWW in Wunsiedel melden sich die ersten Bürger und informieren den Stromversorger vom Blackout. Zu dem Zeitpunkt hat SWW-Geschäftsführer Marco Krasser, der eigentlich im Urlaub ist, bereits vom Stromausfall erfahren, da die Störungsmeldung automatisch in der Zentrale eingegangen war und die Mitarbeiter den Chef informiert haben. Innerhalb von Minuten haben die Diensthabenden in der Leitzentrale einen Notfalltrupp auf die Beine gestellt - einige Mitarbeiter hatten Urlaub, rückten aber dennoch sofort aus.

Wie bereits berichtet, ist es im Raum Wunsiedel am Mittwochabend zum größten Stromausfall seit vielen Jahren gekommen. Sogar die Feuerwehren sind mit mehreren Fahrzeugen in den Straßenzügen unterwegs gewesen, um gegebenenfalls helfen zu können. Eingreifen mussten die Männer und Frauen aber nicht.

"In derartig großen Fällen muss natürlich alles sehr schnell gehen", sagt Krasser im Gespräch mit der Frankenpost . Das Lokalisieren der Störung war nicht einfach, da sie im Prinzip überall im Netzgebiet hätte sein können. Mit Widerstands-Messgeräten tasteten sich die SWW-Mitarbeiter schließlich bis zum defekten Kabelstrang vor. Der liegt in Bad Alexandersbad zwischen dem Alexbad und dem Seniorenheim Sankt Michael. An welcher Stelle genau die 20-Kilovolt-Leitung kaputt ist, müssen die Experten allerdings erst ermitteln. "Dann wird man sehen, ob wir die Straße aufgraben müssen", sagt Krasser. Auch die Ursache ist noch nicht bekannt. Es könne zum Beispiel ein Stein sein, der auf das Kabel gedrückt hat. Etwas besorgt ist der SWW-Chef, warum am Mittwochabend nach dem Kurzschluss die Selektivität nicht gegriffen hat und es zu einer Kettenreaktion gekommen ist. "Normalerweise sind bei einem Stromausfall einige wenige Häuser oder auch Straßenzüge betroffen, aber nicht so ein großes Gebiet", sagt Krasser. Das heißt, ein Kabel ist im Normalfall zwar defekt und muss "abgeklemmt" werden, die Stromversorgung funktioniert aber über Umleitungen im Netz. In dem Fall aber sei es zu einer Kettenreaktion gekommen, die dazu geführt habe, dass die im Netz eingebauten Messgeräte wie bei einer richtig großen Störung reagiert und die Leitung abgeschaltet haben. "Man muss sich das so vorstellen, dass die Geräte die jeweilige Stromstärke messen, irgendwann ist das automatische System dann zu einem Schluss gekommen, den Hauptschalter auszuschalten."

Und von da an ist es in Bad Alexandersbad, Teilen Wunsiedels, Tröstau und Nagel dunkel geworden. Pech hatte zum Beispiel Holger Kamecke, der ausgerechnet um kurz vor 19 Uhr in der Sparkasse in Nagel noch Geld abhob. "Als ich fertig war, blätterte ich ein wenig in den Immobilienangeboten. Das hätte ich nicht tun sollen, denn auf einmal ging das Licht aus und die Tür nicht mehr auf." Da auch der Notschalter tot war, saß Kamecke in seinem gläsernen Gefängnis fest. "Ich habe das eigentlich ziemlich lustig empfunden, so etwas erlebt man ja nicht jeden Tag." Nach etwa zehn Minuten wollte ein Ehepaar ebenfalls in die Bank, stand aber vor verrammelter Tür. Als die beiden sahen, dass in dem Raum ein Mann eingesperrt ist, telefonierten sie so lange herum, bis sie den Bankchef aufgetrieben haben. "Der ist dann von Wunsiedel nach Nagel gefahren und hat mich aus dem Hinterausgang des Schalterraums gelassen", sagt Kamecke, der den ihn unbekannten Rettern dankbar ist. "Es war schon eine witzige Situation, wie wir durch die Glastür miteinander geredet haben."

Einige Kilometer weiter im "Poststüberl" in Tröstau ist das Licht ebenfalls weg. Wie Holger Winter erzählt, hat dies der Stimmung in der Gaststätte keinen Abbruch getan. "Es war sogar ausgesprochen gemütlich. Wir haben auf alle Tische Kerzen gestellt, sodass niemand im Dunkeln sitzen und essen musste." Auch für die Küche war der Stromausfall wenig problematisch, da die Köche im "Poststüberl" einen Gasherd nutzen.

Dank des Stromausfalls herrschte beim Weihnachtskonzert der katholischen Kirchengemeinde in Wunsiedel eine besondere Atmosphäre. Über weite Strecken sang zum Beispiel der Katharinen-Chor im Kerzenschein zur Freude der Besucher.

Luftlinie nicht weit entfernt in der Polizeiinspektion gab es keinerlei Probleme wegen des Stromausfalls. "Zum einen waren wir nicht betroffen, zum anderen wäre es schlimm, wenn die Polizei nicht richtig arbeiten könnte. Deshalb haben wir ein Notstromaggregat für den Fall der Fälle", sagt stellvertretender Inspektionsleiter Klaus Haussel. Am Mittwochabend seien zwar einige Anrufe von Bürgern eingegangen, aber sonst hätte sich nichts ereignet. "Es war wirklich ruhig." Die Streife sei jedoch unterwegs gewesen, um nach dem Rechten zu sehen.

Während die meisten Menschen den Stromausfall, der in einigen Teilen von Bad Alexandersbad mehr als drei Stunden gedauert hat, gelassen hinnahmen, hatten die SWW-Mitarbeiter Stress pur. "Es gibt natürlich für derartige Fälle, die eigentlich nicht vorkommen sollten, Notfallpläne", sagt Krasser. Abschnitt für Abschnitt des Stromnetz-Gebietes prüften die Techniker und schalteten diese dann wieder frei. Dies ist zwar von der Leitstelle aus möglich, aber die Mitarbeiter haben dennoch etliche der 200 Schaltstationen im Netzgebiet überprüfen müssen. Auch die Wasserversorgung und die Nahwärmenetze haben sie inspiziert. "Wir haben die gesamte wichtige Infrastruktur im Blick. Wären die Pumpen der Wasserversorgung ausgefallen, hätten wir sie mit dem Notstromaggregat betrieben."

Dies musste dem Vernehmen nach kurzzeitig die Glasfabrik Lamberts in Betrieb nehmen, damit die Glasöfen nicht auskühlen. Die Mitarbeiter vor Ort hatten die Lage jedoch jederzeit im Griff, wie die Frankenpost erfahren hat.

Gegen 22.15 Uhr war die Stromversorung in den meisten SWW-Gebieten wieder hergestellt. "Jetzt müssen wir die Ursache ermitteln und analysieren, warum in dem Fall die Selektivität nicht gegriffen hat", sagt Krasser, der seinem Team für den schnellen Einsatz dankt. Schon in den nächsten Tagen wird ein Bagger anrollen und die Markgrafenstraße in Bad Alexandersbad aufgraben, um das defekte Kabel auszutauschen.

Welche Folgen der Stromausfall haben wird? An den Stammtischen in der Region munkelt man bereits, dass Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck hinter dem dunklen Abend stecken könnte. Wie einst in New York erhofft er sich vielleicht in neun Monaten einen Babyboom, um sein Ziel "Wunsiedel 10 000" doch noch zu erreichen. Zu wünschen wäre es ihm.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
28. 12. 2017
18:57 Uhr

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Autor

Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2017
18:57 Uhr



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