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Fichtelgebirge

Brandanschlag in Marktredwitz: Kripo gründet Ermittlungskommission

Die Hintergründe des Brandanschlags sind noch völlig offen. Der Inhaber des Ladens will kommende Woche wieder eröffnen.



Mit Pressspanplatten sind die Schaufensterscheiben des syrischen Lebensmittelmarktes verhängt. Foto: Matthias Bäumler
Mit Pressspanplatten sind die Schaufensterscheiben des syrischen Lebensmittelmarktes verhängt. Foto: Matthias Bäumler  

Marktredwitz - Erst im Laufe des Dienstags ist Rida Al Abed das Ausmaß des Brandanschlags auf seinen Lebensmittelladen im Markt so richtig bewusst geworden. Nachdem er noch in der Nacht zum Montag an den Brandort geeilt ist und tagsüber alle Hände voll zu tun hatte, hat er sich gestern "einfach nur krank" gefühlt, wie der 43 Jahre alte Syrer im Gespräch mit der Frankenpost berichtet. "Wer zündet nur ein Geschäft an. Ich habe doch erst am 27. Dezember aufgesperrt. Und jetzt das alles...", sagt er in gutem Deutsch.

Seit vier Jahren lebt Al Abed in Deutschland und wollte mit dem Laden eine langfristige Existenz aufbauen. Doch nun stehen er, seine Frau und die sieben Kinder wieder am Anfang. Noch weiß der Geschäftsmann nicht genau, wie hoch der Schaden ist. Am  Mittwoch darf er den Laden wieder betreten, nachdem die Spurensicherer der Kriminalpolizei ihre Arbeit beendet haben.

"Wenn alles gut geht, will ich nächste Woche wieder aufsperren. Aber wie es weitergeht, kann ich nicht sagen", sagt Al Abed. Eine Kamera solle dann zumindest für etwas Sicherheit sorgen. "Ich lebe doch mit allen in Frieden, warum macht man dann so etwas?"

Das fragen sich die Beamten der Kriminalpolizei auch. Sie haben in Hof eine Ermittlungskommission gegründet und ermitteln in alle Richtungen weiter. "Bisher ist nicht klar, welches Motiv die Brandstifter hatten", sagt Polizeisprecher Jürgen Stadter auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Spurenlage sei aber eindeutig. "Daher können wir von einer vorsätzlichen Brandstiftung ausgehen."

Wie sich herausgestellt hat, ist nicht nur im Lebensmittelmarkt von Rida Al Abed, sondern auch im benachbarten Bekleidungsgeschäft ein beträchtlicher Schaden entstanden. Polizeisprecher Jürgen Stadter beziffert diesen auf mehrere 10 000 Euro. "Zunächst war nicht klar, dass der Rauch auch in die benachbarten Geschäftsräume eingedrungen ist."

Auch der Sprecher des Marktredwitzer Ehrenamtskreises, Sebastian Sommerer, meldete sich bei der Frankenpost . "Wir Helfer und Helferinnen des Marktredwitzer Ehrenamtskreises sind schockiert über den Brandanschlag auf das vor drei Wochen eröffnete Geschäft eines syrischen Flüchtlings, welchen viele von uns mit betreut haben. Es ist besonders erschütternd, weil sich über dem Laden Wohnungen befinden. Es hätten also auch Menschen zu schaden kommen und sogar sterben können."

Wie Sommerer sagt, ist es vorbildlich, wenn ein Flüchtling innerhalb von vier Jahren mit einer Selbstständigkeit seinen Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdient und hiermit sogar noch Arbeitsplätze in einer von der Politik wirtschaftlich benachteiligten Region schafft. Ebenso bezahle er Gewerbesteuer, auf welche jede Kommune angewiesen sei, besonders in Zeiten der sogenannten Schuldenbremse.

"Wir verurteilen diese Tat aufs Äußerste. Wir werden uns nicht damit abfinden, dass sich eine Familie integriert und dann hier etwas erleben muss, das daran erinnert, wovor sie in der Heimat geflohen ist. Ebenso wünschen wir allen Betroffenen, dass sie das Geschehene bestmöglichst verarbeiten können."

Während in der Region der Brandanschlag breit diskutiert wird, sind viele syrische Flüchtlinge verängstigt. "Sie haben es sich nicht vorstellen können, dass in Marktredwitz Derartiges geschehen - egal welches Motiv letztlich auch dahintersteckt", berichtet eine Frau aus dem Helferkreis. Mehrere Aktive wollen dem syrischen Geschäftsmann in nächster Zeit helfen, indem sie häufiger bewusst in seinem Laden einkaufen werden.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
16. 01. 2018
19:03 Uhr

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16. 01. 2018
19:03 Uhr



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