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Fichtelgebirge

Familie sieht sich zu Unrecht beschuldigt

Der Vatertag schlägt im Raum Schönwald noch immer Wellen. Die Auseinandersetzung mit den Wirten des "Alten Pfarrhauses" schildern die Gäste anders.



Schönwald - "Es hätte nicht soweit kommen müssen", sagt Hans Seidel, wenn er an die Ereignisse vom Vatertag zurückdenkt. Hans Seidel heißt nicht so, auch Robert Seidel nicht. Weil sich die Familie seit dem Vorfall schon genug im Rampenlicht sieht, sind die Namen geändert.

Der Vorfall war eine Auseinandersetzung zwischen den Wirtsleuten der Gaststätte "Altes Pfarrhaus" bei Schönwald und einer Gruppe von Gästen. Über den Verlauf gehen die Meinungen auseinander: Die Wirtsleute sehen sich als Opfer einer Attacke, sie seien bedroht worden. "Das war aber nicht der Fall", sagt Hans Seidel. "Wir sind doch nicht am Vatertag losgezogen, um Streit zu suchen." Tatsächlich seien er und seine Begleiter wandern gewesen. "Weil es regnete, kehrten wir am Nachmittag im ,Pfarrhaus' ein." Dort habe sich der Kreis mehrere Stunden aufgehalten, auch etwas gegessen, alles sei in Ordnung gewesen. Bis zum Abend.

Da habe die einjährige Großnichte Hans Seidels nach einer Vase gegriffen. Die Wirtin habe die Gruppe barsch aufgefordert, auf das Kind achtzugeben. "Mein Schwager, der Großvater des Kindes, hat der Wirtin dann erwidert, dass ja nichts kaputt gegangen ist, und wenn, würde er dafür bezahlen." Dieses Streitgespräch habe schon einen "höheren Ton" bekommen. Schließlich habe der Wirt geschrien, sie sollten gehen. "Wir haben gezahlt und gehen jetzt auch", hat Hans Seidel erwidert. Und wünscht sich, der Abend hätte hier geendet. Doch es kam anders.

Ein Teil der Gruppe sei hinausgegangen Richtung Parkplatz. Robert Seidel war noch im Lokal. "Ich habe die Wirtin gefragt, ob ich mein Bier noch austrinken darf und das hat sie mir erlaubt." Dann sei der Wirt rausgegangen. "Ich trank aus und ging ebenfalls nach draußen", schildert Robert Seidel. "Dort stand der Wirt und hatte einen Schlagstock in der Hand. Ich habe ihn gefragt, was das soll."

"Bis zu diesem Moment fand keine Bedrohung statt", sagt Hans Seidel. "Ich und fünf andere waren da auf dem Weg zum Parkplatz." Robert Seidel erinnert sich an die folgenden Minuten so: "Mein Cousin und der Vater des Kindes kamen zurück. Sie wollten sich für die Auseinandersetzung im Wirtshaus entschuldigen." Hans Seidel unterstreicht, dass keiner der beiden Männer eine Waffe in der Hand gehalten habe, weder ein Holzstück noch Scherben. Robert Seidel berichtet: "Mein Cousin hat die Hand ausgestreckt und gesagt ,Es tut mir leid' - und über diesen Worten zog der Wirt mit dem Schlagstock auf und hat auf den schräg dahinter stehenden Vater des Kindes eingeschlagen."

Hans Seidel sagt, er habe die Szene aus einiger Entfernung beobachtet: "Ich sah, dass der Vater des Kindes getroffen wurde und zusammensackte." Dieser habe ein Bierglas in der Hand gehabt, das beim Sturz zerbrochen sei. "Er hat sich daran die Hand aufgeschnitten", sagt Hans Seidel und schüttelt den Kopf. Er kann noch immer nicht glauben, wie der Tag zu solch einem Ende kam.

"Ich habe dem Vater des Kindes dann aufgeholfen", sagt Robert Seidel, "der war natürlich nach dem Schlag narrisch." Sein Cousin habe den Vater des Kindes festgehalten und wollte ihn beruhigen. "Da ruft der Wirt seiner Frau zu: ,Die haben mich mit einem abgebrochenen Glas bedroht, lass den Hund los!' Dann haben wir zu brüllen begonnen. Das Kind war ja noch auf dem Weg zum Auto." Er habe Angst gehabt, der Hund könnte das Kind attackieren. Doch sein Cousin habe den Hund vertreiben können, die Wirtsleute hatten sich ins Haus zurückgezogen.

Die Frauen aus der Gruppe und das Kind hätten sich derweil ins Auto geflüchtet, berichtet Hans Seidel. "Die haben geweint, das war ein seelisch und psychisch sehr belastender Moment." Und er wirkt nach: Die Frauen hätten seither Angst, erneut in solch eine Situation zu kommen.

Am "Alten Pfarrhaus" selbst ging die Auseinandersetzung ihrem Ende zu. Der Wirt, so schildert es Robert Seidel, habe Beleidigungen herausgerufen. "Und da ist uns die Sicherung durchgebrannt." Die Gäste hatten ihre Wut unter anderem an der Biergarteneinrichtung ausgelassen. "Das hätte nicht sein müssen", betont Hans Seidel, "das war nicht in Ordnung. Aber es hätte nicht so weit kommen müssen." Den Vater des Kindes haben sie dann ins Krankenhaus gefahren, wo seine aufgeschnittene Hand verarztet und sein Kopf untersucht wurde. "Er hatte eine riesige Beule", schildert Robert Seidel. Hätte der Schlagstock anders getroffen, wäre die Verletzung schlimmer ausgefallen, ist er sich sicher.

Hans Seidel kann nicht verstehen, wie es soweit kommen konnte. An ein Missverständnis will er nicht glauben. "Hätte der Wirt die ausgestreckte Hand des Cousins falsch gedeutet, hätte ich auch nicht verstanden, dass er derart zuschlägt. Aber dass er direkt den Vater des Kindes schlägt", wundert er sich. Dabei habe der Wirt den Mann ausländerfeindlich beleidigt. "Er hat doch nichts getan, nichts gesagt. Er stand nur dabei." Die Mutter des Kindes sei noch immer durch den Wind, und auch der Vater könne nicht nachvollziehen, warum er derart attackiert wurde. "Wir haben den Wirt weder mit Fäusten noch mit Waffen bedroht", unterstreicht Robert Seidel. Die Polizei sei noch am Vatertag gekommen und habe auch die Verletzungen des Kindsvaters dokumentiert.

Die Beteiligten sind in anwaltlicher Beratung und prüfen, ob sie Anzeigen erstatten wollen. Hans Seidel sieht den Ruf seiner Familie geschädigt. "Wir sind keine Raufbolde. Für die Randale am Schluss müssen wir uns entschuldigen", sagt er, "aber der Auslöser dafür war ein anderer, als der Wirt angibt." Seit dem Vatertag sei Hans Seidels Familie angegangen worden, auch von anonymen Kritikern per E-Mail. Deshalb sei ihm wichtig, seine Sicht der Dinge zu schildern. "Wir werden zu Unrecht denunziert. Eigentlich", sagt Hans Seidel, "sind wir die Opfer."

Die Wirtsleute lehnten eine Stellungnahme ab. Die Beamten der Polizeiinspektion Marktredwitz ermitteln in alle Richtungen.

Autor

Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
18. 05. 2018
17:50 Uhr

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18. 05. 2018
17:50 Uhr



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