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Fichtelgebirge

Ebbe und Flut wogen über die Bahnhofs-Front

Am Wochenende werden die "Wunsiedler Wasserspiele" eröffnet. Schon jetzt sind manche Künstler bei ihren Vorarbeiten zu beobachten.



Florian Meier hat sein Gemälde zuvor auf Papier skizziert. "Viele Details entstehen aber erst an der Wand", sagt er.
Florian Meier hat sein Gemälde zuvor auf Papier skizziert. "Viele Details entstehen aber erst an der Wand", sagt er.   » zu den Bildern

Wunsiedel - Wenn Florian Meier von seiner Arbeitsbühne steigt, dann geht er immer erst etwas breitbeinig, wie ein Matrose nach Wochen auf See. "Nach drei Stunden auf dem schwankenden Ding muss ich mich an festen Boden unter den Füßen erst wieder gewöhnen", sagt er. Viel Zeit verbringt er jeden Tag in dem kleinen Gitterkäfig am ausgefahrenen Kranarm hoch über der Straße Am Bahnhof. Die bewegliche Bühne bringt Meier, seine Rollen, Pinsel und Farbtöpfe hinauf bis unter die Dachrinne des ehemaligen Bahnhofsgebäudes. An der Fassade entsteht Stück für Stück sein Wandgemälde von Ebbe und Flut und der alles Wasser auf der Welt bewegenden Kraft des Mondes.

Am Samstag geht's los

Die "Wunsiedler Wasserspiele" mit Projekten von 19 Künstlern werden am Samstag um 16 Uhr in der Ludwigstraße 33 eröffnet.

Florian Meiers Kunstwerk ist ein Beitrag zu den "Wunsiedler Wasserspielen", die am Wochenende eröffnet werden. Das Ausstellungsprojekt des Bürgerforums, das nach 2001 heuer zum zweiten Mal Kunst in den städtischen Raum bringen soll, wird bis zum 16. September laufen und die Werke von 19 Künstlern aus ganz Deutschland und aus Tschechien präsentieren.

"Es sind viele sehr außergewöhnliche Projekte", sagt Meier. "Da passt so eine Wandbemalung gut dazu. So etwas ist hier in der Region ja nicht so verbreitet." Als der 27-jährige Künstler von den "Wasserspielen" las, hat er sich sofort beworben: "Erst mit Leinwand-Gemälden, dann mit Wandbildern." Der gebürtige Weidener, der nach einer Ausbildung zum Produktdesigner in Selb nun frei künstlerisch tätig ist, lebt und arbeitet jetzt in Creußen bei Bayreuth.

Er malt viel auf Leinwand oder Papier, doch auch die Graffiti-Kunst hat ihn schon immer fasziniert. Deshalb wagt er sich gerne mal an große Werke, flächenmäßig große auf jeden Fall. Auf 18 mal 20 Meter schätzt er die Fassade des leer stehenden alten Bahnhofsgebäudes in Wunsiedel. Bis Samstag will er sie fast komplett bemalt haben. Erst koloriert er flächig mit der Farbrolle, dann geht er mit dem Pinsel ins Detail. Am Wochenende wird er live malen: "Die Leute sollen beim Entstehen zugucken", sagt er. "Sie sollen erkennen, wo es sich hinentwickelt."

Zentrales Motiv wird eine weibliche Gestalt werden, die den Mond und seine gezeitenschaffende Kraft symbolisiert. Eine Frau Luna, die aus dem Wasser steigt und mit ihrem Gewand die Fluten mit sich zieht. "Ein gewisses Konzept steht", sagt Meier, der das Bild schon mal auf Papier entworfen hat. "Aber bei diesem schon recht heruntergekommenen Objekt weiß man nie genau, wo und wie die Farbe hält. Viele Details entstehen also erst an der Wand."

Meier stört das nicht, im Gegenteil: "Ein Konzept eins zu eins auf die Wand zu übertragen, das würde mich zu sehr einschränken. Ich mag den Freiraum." Sein verspielter Stil, der ein wenig Anleihen nimmt bei Gustav Klimt und Max Klinger, passe gut zur Idee der "Wasserspiele", findet der junge Künstler.

Im Gebäude werkelt Albrecht Fersch aus Berlin an seinem "Tropfenorchester". An der Decke des alten Wartesaals hat er Schlauchleitungen verlegt mit kleinen Öffnungen, an denen sich Wassertropfen formen. Wenn sie zu Boden fallen, treffen sie auf dort platzierte Objekte und erzeugen Töne. Oder sie werden gezielt auf Sensoren gelenkt, die dann den Klang von Musikinstrumenten auslösen.

"Wenn wir das Wasser aufdrehen, wird in irgendeiner Form Musik spielen", sagt der 47-Jährige, der aus Schweinfurt stammt und jetzt in der Hauptstadt als Kunsttherapeut und freischaffender Künstler arbeitet. "Das wird spannend, auch für mich. Ich habe das selbst noch nie gehört."

Dabei ist Ferschs Idee gar nicht mehr so neu. "Der Einfall kam mir schon im Studium, geriet dann aber wieder in Vergessenheit." Dann habe er von den "Wasserspielen" in Wunsiedel gehört: "Sofort fiel mir das Projekt von damals wieder ein", sagt er. "Jetzt habe ich die Möglichkeit, es zu realisieren."

Noch sieht es im alten Wartesaal recht chaotisch aus. Einzeln muss Albrecht Fersch seine Tropfengeber ausrichten, ohne dabei den ganzen Raum unter Wasser zu setzen. Eine Fleißarbeit, die sich mit der seines Kollegen Florian Meier draußen an der Fassade messen kann. Trotzdem sind beide guten Mutes: "Am Samstag muss es laufen", sagen sie.

Autor

Rainer Maier
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 06. 2018
19:02 Uhr

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13. 06. 2018
19:02 Uhr



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