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Fichtelgebirge

Ganze Region spendiert Obst, Äste und Brot

Im Rotwildgehege am Katharinenberg wächst nicht genügend Gras. Dennoch müssen die Tiere dank vieler großzügiger Menschen nicht hungern.



Stadtförster Hubert Steinberger hilft beim Abladen des mit Heckenschnitt gefüllten Kippers. Fotos: Matthias Bäumler
Stadtförster Hubert Steinberger hilft beim Abladen des mit Heckenschnitt gefüllten Kippers. Fotos: Matthias Bäumler   » zu den Bildern

Wunsiedel - Ein wenig wie im Schlaraffenland kommen sich derzeit die Hirsche und Mufflons im Gehege am Katharinenberg vor. Seit einigen Tagen laben sich die Tiere an Brot, Brezen, Äpfeln, Pflaumen, Birnen und zwischendurch an Heckenschnitt. Dabei schien es noch vor wenigen Tagen, den elf Hirschen, Hirschkühen und Kälbern sowie den zehn Mufflons würden Hungermonate bevorstehen. "Auch das Rotwildgehege ist von der Dürre nicht verschont geblieben. Längst gibt es in dem vier Hektar großen Areal nicht mehr genug frisches Gras", sagt Hubert Steinberger, Prokurist des Kommunalunternehmens Wun-Infrastruktur und unter anderem zuständig für das Gehege.

Die Stadt Wunsiedel hat sich daher an die Öffentlichkeit gewandt und um Futterspenden gebeten (wir berichteten). Steinberger ist überwältigt vom Erfolg der Aktion. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Bürger derart großzügig sind. Menschen aus der ganzen Region wollen den Tieren helfen." Am Freitagvormittag sind innerhalb einer halben Stunde ein knappes Dutzend Menschen auf den Katharinenberg gefahren, um körbeweise Äpfel, Pflaumen oder alte Semmeln und Brot abzugeben. Eine junge Frau aus Höchstädt hat auf einem Spazierweg am Rande des Ortes Pflaumen gesammelt und bringt sie nun täglich nach Wunsiedel. Mehrere Plastiktüten Äpfel hebt ein Mann aus Wunsiedel aus dem Kofferraum und schüttet sie in einen Anhänger, den Steinberger vor dem Gehege aufgestellt hat. "Allein gestern habe ich den Hänger dreimal leeren müssen", sagt er.

Haben sich die Hirsche und Mufflons anfangs beinahe überschlagen, als wieder Futter im Trog lag, sind sie mittlerweile gelassen. Offenbar ist ihnen klar, dass der Futterstrom so schnell nicht abreißen wird. Genau dies hofft Steinberger ebenfalls. "Nachdem prognostiziert wird, dass es bis Oktober so trocken bleibt, benötigen wir mindestens bis dahin Futter." Dem studierten Förster hat daher fast das Herz geblutet, als er am Donnerstag eine riesige Ladung Äpfel gesehen hat, die jemand auf dem städtischen Kompostplatz entsorgt hat.

Steinberger wünscht sich, dass die Futtergaben nicht alle auf einmal in wenigen Tagen geliefert werden, sondern nach und nach. Äpfel halten sich in der Regel mehrere Tage, Pflaumen hingegen werden schnell schimmlig und sind dann nicht mehr für die Fütterung der Tiere geeignet.

Während sich mehrere Frauen und Männer am Futter-Anhänger unterhalten, rattert ein Traktor mit einem prall gefüllten Kipper mit Heckenschnitt heran. Landwirt Christian Köllner aus Pfaffenreuth hat den Aufruf gelesen und Hubert Steinberger angeboten, die Äste dem Wild zukommen zu lassen. "Die Hirsche und Mufflons knabbern die liebend gerne ab und versorgen sich so mit wichtigen Mineralien." Vorab ist der Stadtförster nach Pfaffenreuth gefahren und hat sich die Hecken angesehen. Holunder, Hartriegel, Haselnuss, Feldahorn, roter Schneeball, Faulbeeren und einige Buchenreihen - Knabberspaß wie ihn sich das Wild wünscht. Lediglich den Ligusterschnitt musste Köllner behalten. "Liguster ist giftig, vor allem für Jungtiere ist er gefährlich."

Dank der reichlichen Futterspenden kann Steinberger sogar einen kleinen Wintervorrat anlegen. In den nächsten Tagen erhält er eine größere Ladung Apfeltrester. Den vermischt er mit dem Drusch (Spreu und andere Rückstände, die nach dem Reinigen des Getreides übrig bleiben), den Bauer Köllner demnächst spendiert. "Wir verdichten die Masse luftdicht in Fässern und silieren das Ganze als Winterfutter für die Hirsche und Mufflons."

Für die Tiere ist das eine willkommene Abwechslung in der kalten Jahreszeit, in der sie sonst mit Heu und Rüben gefüttert werden. Bis dahin gibt es allerdings einige hungrige Mäuler weniger in dem Gehege. "Wir nehmen im Herbst den Großteil der Jungtiere heraus und vermarkten das Fleisch." Erstmals gibt es demnach im Winter in Wunsiedel Mufflon-Fleisch zu kaufen. "Ich habe das selbst noch nie gegessen", sagt Steinberger.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
17. 08. 2018
18:14 Uhr

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Matthias Bäumler

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17. 08. 2018
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