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Fichtelgebirge

Die Abc-Schützen kommen

Am 11. September machen sich 8630 Erstklässler in Oberfranken zum ersten Mal auf den Weg in die Schule. Viele Menschen sorgen dafür, dass ihnen nichts passiert.



Tag für Tag sorgen Schulweghelfer dafür, dass die Schüler heil in der Schule ankommen.	Foto: Paul Knecht/dpa
Tag für Tag sorgen Schulweghelfer dafür, dass die Schüler heil in der Schule ankommen. Foto: Paul Knecht/dpa   » zu den Bildern

Marktredwitz - Zum Schulanfang rüstet die Sparkasse Hochfranken alle Erstklässler wieder mit neongelben, leuchtenden Trapezen zum Überwerfen aus. Damit keinem Kind, egal welchen Alters, auf dem Weg zur Schule etwas passiert, engagieren sich jedes Jahr viele Menschen ehrenamtlich als Schulweghelfer. Doch die Polizei und die Verkehrswacht Fichtelgebirge sind besorgt: Im Schuljahr 2017/2018 standen rund 100 Schulweghelfer weniger (740) als noch im Schuljahr zuvor (830) an den oberfränkischen Straßen, um den Kleinen an gefährlichen Stellen über die Fahrbahn zu helfen.

Wie schnell etwas passieren kann, zeigte sich im vergangenen Schuljahr in Marktredwitz. Zwei Kinder wurden auf ihrem Schulweg verletzt, berichtet Wolfgang Doleschal, Sachbearbeiter Verkehr von der Polizeiinspektion Wunsiedel. Eine 13 Jahre alte Mittelschülerin und ein elf Jahre alter Schüler seien von Autofahrern übersehen worden. Im Schuljahr zuvor ereigneten sich in Wunsiedel drei Unfälle mit leicht verletzten Kindern. In Bayern starben im Jahr 2018 bislang bereits vier Schulkinder.

Dies bedeutet: Die Aufklärungsarbeit der Polizei und der Verkehrswacht hört nicht bei den Erstklässlern auf. Auch Schüler, die bereits eine weiterführende Schule besuchen, sind nicht vor Unfällen geschützt. "In 69 Prozent der Schulwegunfälle in Bayern von Januar bis März 2018 waren die Schüler zwischen elf und 14 Jahre alt", weiß Hubert Schröder vom bayerischen Staatsministerium des Inneren. "Die Wege werden meist weiter, die Schultage länger, die Kinder sind müde und unachtsamer", nennt der erste Polizeihauptkommissar mögliche Gründe für die Quote.

Die letzten Ferientage sollten Eltern deshalb unbedingt nutzen, um den sichersten Schulweg auszuwählen: "Oft lohnt sich ein kleiner Umweg, wenn dadurch Ampeln oder von Schülerlotsen betreute Wege genutzt werden können", sagt Hubert Schröder. Auf den meisten Homepages der Schulen gebe es Schulwegpläne und auch die Polizei oder die Verkehrswacht helfen Eltern, den besten Weg zu finden. "Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste."

Eltern sollten den Schulweg auch unbedingt vor Beginn des Schuljahres mit ihren Kindern einüben. "Am besten zur gleichen Uhrzeit, zu der das Kind dann jeden Tag unterwegs ist", rät Schröder. An gefährlichen Stellen sollten sie ihre Schützlinge Lösungen und Verhaltensweisen vorschlagen lassen und darauf achten, dass das Kind, bevor es über die Straße läuft, immer am Bordstein anhält und Blickkontakt mit den Autofahrern sucht. Ein gutes Vorbild zu sein, erziele nach wie vor den größten Lerneffekt.

Wichtig sei auch, die Kleinen rechtzeitig zur Schule loszuschicken und die Kleidung so zu wählen, dass sie gerade in den dunklen Wintermonaten gut gesehen werden. "Nach ein oder zwei Wochen sieht man leider kaum noch ein Kind mit Sicherheitsweste. Dabei soll sie an jedem Tag getragen werden", sagt Schröder.

Die Grundschule Marktredwitz habe im vergangenen Schuljahr einen kleinen Wettbewerb daraus gemacht, berichtet Konrektorin Silke Wuttke. "Die erste Klasse, die ihre Leuchttrapeze am längsten trägt, sollte eine Belohnung bekommen." Am Ende hätten alle so toll mitgemacht, dass jedes Kind eine Kleinigkeit bekam.

Immer wieder weisen die Schulen und die Polizei auf die Probleme mit Eltern-Taxis hin. Die Autos parken in der zweiten und dritten Reihe, um die Kinder aussteigen zu lassen. Schüler wuseln zwischen den Autos hindurch und werden gefährdet.

Mit dem Fahrrad sollten Kinder erst nach bestandener Fahrradprüfung in der vierten Klasse zur Schule kommen. Gleiches gelte für Roller und Inline-Skates. "Auch wenn ein Kind schon gut fährt, ist es ein Unterschied, ob es auf Feldwegen und Wiesen oder im Straßenverkehr unterwegs ist", mahnt der zweite Bürgermeister der Stadt Marktredwitz, Horst Geißel.

Mädchen und Jungen reagieren spontan, haben ein eingeschränktes Blickfeld und kennen die Verkehrsregeln häufig nicht. Und Hubert Schröder betont: Viele Kinder wüssten in diesem Alter noch nicht, was zum Beispiel ein toter Winkel ist. "Aber ein toter Winkel verzeiht kein Unwissen."

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Magdalena Dziajlo
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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
18:50 Uhr

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Magdalena Dziajlo

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
18:50 Uhr



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