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Fichtelgebirge

Pakistani lernen vom Beispiel Wunsiedel

Bei einer Veranstaltung des Siemens-Konzerns und des Bfz Hof in der Festspielstadt dreht sich alles um die Energie. Die internationalen Gäste sind beeindruckt.



Die Besucher aus Pakistan waren nach dem Referat von Siemens-Manager Andreas Schmuderer (Fünfter von rechts) von Wunsiedel beeindruckt. Foto: M. Bäu.
Die Besucher aus Pakistan waren nach dem Referat von Siemens-Manager Andreas Schmuderer (Fünfter von rechts) von Wunsiedel beeindruckt. Foto: M. Bäu.  

Wunsiedel - In Wunsiedel ist so ziemlich alles möglich. Diesen Eindruck haben am Dienstag ein gutes Dutzend Ingenieure, Journalisten und Uniprofessoren aus Pakistan gewinnen müssen. Die Delegation, die auf Einladung des bayerischen Wirtschaftsministeriums und des Beruflichen Fortbildungszentrums Hof (bfz) Hof in die Festspielstadt kam, muss sich ein wenig wie an einem Wunderort vorgekommen sein: Da gibt es eines der bedeutendsten Freilufttheater in Deutschland, eine beeindruckende Natur und vor allem eine Blaupause, wie die Energiewende tatsächlich funktionieren kann. Wegen Letzterem waren die Experten nach Wunsiedel gekommen.

Nicht etwa Bürgermeister Karl-Willi Beck oder der Geschäftsführer des Energieversorgers SWW, Marco Krasser, haben den Gästen aus Asien die Stadt in beinahe schillernden Farben vorgestellt, sondern Andreas Schmuderer. Er ist beim internationalen Konzern Siemens unter anderem für neue Modelle der Energieversorgung zuständig. "Wir haben Ende 2016 mit der SWW eine Technologiepartnerschaft vereinbart und sie dieses Jahr im Februar bei einer großen Veranstaltung im Haus der Energiezukunft bekräftigt", sagt Schmuderer.

In eben jenem Haus der Energiezukunft erläuterte der Siemens-Manager den Gästen aus Pakistan unter anderem den Wunsiedler Weg der Energiezukunft. Dahinter steckt - grob gesagt - die Philosophie, mit Hilfe von regional erzeugter regenerativer Energie und intelligenter Steuerungs- und Speichertechnik eigenständig und dezentral die Strom- und Wärmeversorung für Bürger und Unternehmer zu sichern. Nachdem das federführende Kommunalunternehmen SWW mit Marco Krasser an der Spitze über Jahre in Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie Biomasseheizkraftwerke investiert hat, rückt nun mehr und mehr die Frage der intelligenten Energiesteuerung in den Mittelpunkt. Dabei sind die Verbraucher und Produzenten nicht mehr klar voneinander getrennt. So kann auch ein Haushalt zum Speicher oder sogar Produzenten werden und die Energie ins Netz abgeben, wenn sie benötigt wird. Was sich als Vision einfach anhören mag, ist in der Praxis eine Herausforderung, der sich mittlerweile die SWW und die Siemens AG gemeinsam stellen.

Ein zwar auf den ersten Blick unscheinbarer, aber wichtiger Schritt in einen Energiemarkt mit Hunderten oder Tausenden Produzenten ist die Installation eines Batteriespeichers im Wunsiedler Energiepark gewesen. Auch diesen hat die Delegation aus Pakistan besichtigt. Bei der Diskussion ist jedoch schnell deutlich geworden, dass Lösungen, die in Deutschland praktikabel sind, nicht unbedingt für andere Teile der Erde geeignet sein müssen. Notwendig ist die Batterie vor allem, um die Netzfrequenz von 50 Hertz aufrechtzuerhalten. Wenn viele Windräder oder Photovoltaik-Anlagen Energie liefern, aber nur wenige Verbraucher Strom benötigen, muss er zwischengespeichert oder abtransportiert werden. Dazu gibt es in Wunsiedel die Batterie, die innerhalb von 200 Millisekunden reagiert, wenn im Netz Spannungsschwankungen auftreten. Während die Batterie hierzulande eine garantierte Lebensleistung von zehn Jahren und weit länger hat, schrumpft diese wegen der starken Frequenzschwankungen im pakistanischen Stromnetz. "Nach spätestens zehn Jahren ist der Speicher down", sagte Schmuderer. Auch müssten die Aggregate im wärmeren Pakistan stärker gekühlt werden als zum Beispiel im Fichtelgebirge. All dies seien Fragen, mit denen sich Investoren befassen müssten. Interessanter dürften für ein Land wie Pakistan Solarmodule sein, die dort wegen der häufigeren Sonnenstunden einen etwa doppelt so hohen Ertrag liefern als in Wunsiedel.

Schmuderer informierte die Gäste auch über zukünftige Projekte. So überlegten er und Marco Krasser, wie aus überschüssigem Strom Methanol hergestellt werden kann. "Bisher stand Power to Gas im Mittelpunkt der Forschungen. Mittlerweile könnte es wirtschaftlich sinnvoll sein, Methanol herzustellen. Dieser wiederum ist Grundstoff für einen speziellen Ether, den Raffinerien nutzen. "Das wäre ein neues Geschäftsmodell, etwa so wie bisher schon in Wunsiedel im großen Stil Pellets hergestellt und verkauft werden."

Schmuderer verhehlte nicht, dass die SWW ein idealer Partner für die Siemens AG ist, wenn es um erneuerbare Energien gehe. Hier in dieser kleinen Stadt sei die Energiewende enorm weit verwirklicht. "Deshalb ist es kein Wunder, dass sich erst vor Kurzem der Stadtmanager einer großen Kommune hier umsah und Anregungen holte. Er war durch viele Zeitungsberichte auf die 9200-Einwohner-Stadt aufmerksam geworden und konnte es zunächst nicht glauben, was es hier alles gibt."

Eines der nächsten Projekte von Siemens und der SWW ist eine App, in der Verbraucher oder auch Schulklassen in Echtzeit sehen können, wie die verschiedenen Energieerzeuger und Verbraucher sich gegenseitig beeinflussen. Wie Schmuderer sagte, sind zum Beispiel alle Einspeisedaten der Wind- und Photovoltaikanlagen, der mit Pellets befeuerten Biomasseheizkraftwerke und der aktuelle Energieverbrauch zu sehen. "Man kann auch nachvollziehen, wie sich die Situation ändern würde, wenn die Durchschnittstemperatur etwa um zwei Grad steigt. Dann verkauft die SWW zum Beispiel im Winter weniger Gas, da der Verbrauch sinkt."

Für die Ingenieure und Professoren aus Pakistan sind die Einblicke höchst interessant gewesen, wie sie sagten und dies mit langem Applaus kundtaten.

Die Delegation ist insgesamt eine Woche in Bayern unterwegs. Ein Team des Beruflichen Fortbildungszentrums Hof hatte die Reise organisiert. Die "internationale Abteilung" des Bildungsträgers unterhält seit Jahren vielfältige Kontakte nach Pakistan, Brasilien sowie in mehrere arabische und spanisch sprechende Länder.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
18. 09. 2018
18:02 Uhr

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Matthias Bäumler

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18. 09. 2018
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