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Fichtelgebirge

Demokratie üben an der Praxis

Vor den Landtagswahlen haben in der Region schon Hunderte Schüler ihre Stimme abgegeben: bei der Juniorwahl 2018. Das Ergebnis erfahren sie, wie alle Wähler, am Sonntag.



Kursweise traten die Schüler der Q 11 und Q 12 im Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz zur Wahl an; immerhin 80,01 Prozent der Wahlberechtigten an der Schule gaben ihre Stimme ab. Als "Wahlbeobachter" mit dabei: Schulleiter Stefan Niedermeier und Referendarin Evelyn Veil (von rechts). Fotos: kst
Kursweise traten die Schüler der Q 11 und Q 12 im Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz zur Wahl an; immerhin 80,01 Prozent der Wahlberechtigten an der Schule gaben ihre Stimme ab. Als "Wahlbeobachter" mit dabei: Schulleiter Stefan Niedermeier und Referendarin Evelyn Veil (von rechts). Fotos: kst  

Marktredwitz/Wunsiedel/Selb - Bei politisch interessierten Menschen steigt in diesen Tagen die Spannung, wie die Landtagswahl am Sonntag wohl ausgehen wird. Viele Schülerinnen und Schüler in Marktredwitz, Wunsiedel und Selb werden schon vorher abgestimmt haben - die meisten von ihnen sogar, obwohl sie noch nicht einmal 18 sind: Sie haben an der Juniorwahl teilgenommen.

Die Juniorwahl

Die Juniorwahl wird seit 1999 zu Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen durchgeführt. Träger ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus, der dazu auch realitätsgetreue Materialien bereitstellt.

Verschiedene wissenschaftliche Studien haben die Wirksamkeit und Effekte der Juniorwahl aufgezeigt. So steigert das Projekt nachweislich das Wissen über demokratische Prozesse und das politische Interesse von Jugendlichen.

An der Juniorwahl zur Landtagswahl 2018 in Bayern nehmen an 637 Schulen mehr als 120 000 Schüler teil. Teilnahmeberechtigt sind alle Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zwölf an weiterführenden Schulen.

Das Ergebnis jeder Schule wird am Sonntag ab 18 Uhr im Internet veröffentlicht unter:

www.juniorwahl.de


Nele Plaß, Leonie Zengel, Hanna Scholz, Ludwig Müssel und Jan Meuche aus der Oberstufe Q 11 und Q 12 am Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz sind zudem als engagierte "Wahlhelfer" besonders involviert. Ausgestattet mit Original-Materialien wie Wahlbenachrichtigungen, Wahlzettel, Wahlkabinen und Wahlurnen, die der Verein Kumulus allen teilnehmenden Schulen zur Verfügung stellt, haben sie die Abstimmung unter realen Bedingungen vorbereitet.

Vorbereitung ist auch das Stichwort für die Lehrer, die das Projekt begleiten und ebenfalls mit umfangreichem Unterrichtsmaterial ausgestattet wurden. Am Marktredwitzer Gymnasium sind dies Oberstudienrätin Kathrin Zölch, Oberstudienrätin Cornelia Buhlmann, die Fachbetreuerin für Sozialkunde, Studienrat Ralf Knappe und Studienreferendarin Evelyn Veil. Unterstützt werden sie dabei vom Schulleiter, Oberstudiendirektor Stefan Niedermeier, der selbst Sozialkunde unterrichtet.

"Wahlen sind eines der wichtigsten Elemente in einer Demokratie", betont dieser. "Die Jugendlichen, vor allem die Erstwähler, sollen das bereits vor ihrer ersten richtigen Wahl in einem Planspiel üben. Machen ist immer besser, als nur über etwas zu reden." Er selbst hat mit der zehnten Klasse den Wahlomat durchgespielt.

Die Bedeutung von praktischen Wahl-Erfahrungen schätzt auch Kathrin Zölch sehr hoch ein. Im Lehrplan der Oberstufe seien Wahlen zwar nicht mehr vorgesehen, "aber in Sozialkunde behandeln wir immer aktuelle Themen, und da sprechen wir zwangsläufig auch über die Landtagswahl". Ihre Schüler, vor allem die Erstwähler, seien sehr interessiert gewesen und hätten ganz praktische Fragen gestellt, etwa wie lange das Wahllokal am Sonntag geöffnet sei. Das große Interesse zeigte sich dann auch bei der eigentlichen Abstimmung: 80,01 Prozent der Oberstufenschüler des Marktredwitzer Gymnasiums haben sich an der Wahl beteiligt.

Eine der fünf, die die Wahl für ihre Mitschüler durchgeführt haben, ist Nele Plaß aus der Q 11. Die 17-Jährige berichtet, dass die Lehrer mit den Schülern in Sozialkunde, "aber auch in anderen Fächern", viel über das Thema gesprochen hätten. "Bei vielen war das Interesse daran vorher noch nicht sehr hoch", hat sie beobachtet, "aber, wenn man sich damit auseinandersetzt, dann blickt man besser durch." Sie selbst sei generell daran interessiert und sieht die Teilnahme wohl auch als etwas Besonderes, denn: "Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man das Siegel am Umschlag mit den Original-Unterlagen öffnet."

Gleich zweimal abgestimmt hat ihr Mitschüler Leo Mecklinger. Der 18-Jährige hat bei der Juniorwahl in der Schule gewählt, doch bereits zuvor hatte er seine Stimme, als Erstwähler bei der offiziellen Landtagswahl, per Briefwahl abgegeben. Eine schwierige Entscheidung, sagt er, sei es für ihn nicht gewesen. "Neben den Infos in der Schule habe ich mich hauptsächlich bei den Eltern informiert, denn wir diskutieren zu Hause über solche Themen."

Wie das Marktredwitzer Gymnasium nimmt auch die Staatliche Wirtschaftsschule Wunsiedel zum wiederholten Mal an der Juniorwahl teil. Abstimmen dürfen hier alle Schüler ab der achten Klasse; das sind laut der Sozialkundelehrerin Franziska Lenk, die die Wahl zusammen mit Oberstudienrat René Porde durchführt, etwa 120 Schüler in sechs Klassen, darunter einige Erstwähler. Als "Wahlhelfer" fungieren die Klassensprecher jeder Klasse. Wahlberechtigt sind hier übrigens auch die Schüler der elften Berufsintegrationsklasse, in der Geflüchtete und Asylbewerber unterrichtet werden. "Sie dürfen zwar am Sonntag nicht wählen", gibt Lenk zu, "doch bei der Juniorwahl lernen sie unsere Werte und Normen kennen; lernen, dass bei uns jeder abstimmen darf - egal, ob Mann oder Frau, ob gebildet oder ungebildet, ob arm oder reich. Die Wahl ist die logische Fortsetzung unseres Unterrichts für sie."

Projekte dieser Art seien an der Wirtschaftsschule Wunsiedel "sehr gern gesehen", fährt die Lehrerin fort, "zumal der Lehrplan nur noch wenige Stunden für alltagspolitische Themen vorsieht. Das Projekt passt außerdem perfekt zur praktischen Ausrichtung unserer Schule, da wir sehr nah am Leben unterrichten."

Nach den guten Erfahrungen, die sie bei der Juniorwahl 2017 gemacht hat, ist Franziska Lenk überzeugt, dass die Teilnahme daran eine "Investition in die Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft" ist. Die Wahl sei ein Test, bei dem die Schüler "wählen und so an der Praxis üben können". Lenk: "Der erste Erfolg ist schon, dass die Schüler dadurch verstehen: Ich bin Teil der Gesellschaft, meine Stimme zählt." Gerade in der aktuellen Debatte sei es wichtig, dass die Schüler erkennen, "dass man auch leise etwas bewirken kann, und dass nicht automatisch der recht hat, der am lautesten schreit".

Ein ähnliches Ziel hat Studienrätin Carolin Zapp von der Staatlichen Realschule Selb. Sie unterrichtet Sozialkunde, Geografie und IT. "Bisher habe ich mir für den Unterricht immer nach den Wahlen die restlichen Unterlagen von der Stadt besorgt", erzählt sie. Nun nimmt sie mit ihren Schülern zum ersten Mal an der Juniorwahl teil.

Und das quasi im Eiltempo, denn an Realschulen gibt es das Fach Sozialkunde nur in der zehnten Klasse, und sie wie auch ihr Kollege, Studienrat Markus Zitzlmann, mussten die Schüler in wenigen Wochen seit Schuljahresbeginn mit der Landtagswahl, den Parteien und allem, was dazugehört, vertraut machen. Normalerweise beginnt sie in Sozialkunde mit der Definition von "Sozial" und anderen grundlegenden Fakten. "Aber in einem Jahr wie diesem nehme ich mir schon die Freiheit, dieses Thema vorzuziehen und intensiver zu behandeln", erzählt Zapp. "Mir und meinem Kollegen ist das Rüstzeug für die Wahlen wichtig; da kürze ich lieber an einem anderen Thema. Für mich ist wichtig, dass die Schüler erkennen: Wir leben in einer Demokratie, und jede Stimme zählt; und auch, dass es auch andere Staatsformen gibt wie Diktaturen, wo die Bürger gar keine Möglichkeiten haben mitzubestimmen."

Die 68 Schüler der drei zehnten Klassen an der Realschule Selb wählen erst am Freitag. Im Unterricht haben sie aber bereits den Wahlomat absolviert. "Das Ergebnis", verrät die Studienrätin, "ist allerdings diskussionsbedürftig; da kam oft CSU und AfD heraus, und viele waren deshalb regelrecht schockiert. Da wird es jetzt meine Aufgabe sein, im Unterricht den Wahlomat, das Ergebnis der Juniorwahl und die Parteien in Zusammenhang zu bringen und zu erläutern. Wenn meine Schüler dann später einmal zur Wahl gehen, dann ist das für mich schon ein Erfolg."

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Kerstin Starke
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Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
16:56 Uhr

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Kerstin Starke

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Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
16:56 Uhr



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