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Fichtelgebirge

"Politik muss mehr auf den Bürger zugehen"

Der Wissenschaftler Dr. Mario Neukirch befasst sich mit Bürgerinitiativen gegen die Stromautobahn. Viele Bürger sorgen sich um ihr Eigentum.



Dr. Mario Neukirch
Dr. Mario Neukirch  

Marktredwitz - Kaum ein Thema bewegt die Bürger derzeit so sehr wie die Stromtrassen. Auch deshalb haben die Kreisräte Brigitte Artmann (Grüne) und Dr. Klaus von Stetten (Freie Wähler) zu einem Infoabend mit dem Wissenschaftler Dr. Mario Neukirch in das Meister-Bär Hotel eingeladen. Artmann und von Stetten haben, wie berichtet, eine Sondersitzung des Kreistages durchgesetzt, bei der Rechtsanwalt Wolfgang Baumann am 26. November um 17 Uhr den Kreistag über den Planungsstand der Stromautobahnen durch die Region informieren soll.

Protest in München

Am Mittwoch sind mehrere Bürgerinitiativen mit Bussen nach München gefahren, um vor der Staatskanzlei gegen die Monstertrassen zu protestieren. Mit dem Protest wolle man auch den Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, an seine ablehnende Haltung erinnern, heißt es dazu.


Der Beschluss, so Brigitte Artmann, sei mit 37 von 60 Stimmen im Kreistag gegen den Willen von Landrat Dr. Karl Döhler durchgesetzt worden. Ein Vorgang, der in Bayern wohl nicht so oft vorkomme. Zum Vortrag von Mario Neukirch waren viele Vertreter der Bürgerinitiativen Seußen, Brand, Fichtelgebirge, Creussen und der Neustadt/Waldnaab gekommen.

Mit dem Wissenschaftler vom Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Stuttgart hatten die beiden Kreisräte einen Kenner erneuerbarer Energien und des Widerstands gegen Stromautobahnen eingeladen. Neukirch hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Arbeiten über ökologisches Wirtschaften, Energiedörfer sowie über Konflikte um den Ausbau der Stromnetze veröffentlicht. Der Wissenschaftler stellte sich als Mitarbeiter des Kopernikus-Projektes vor, einer groß angelegten wissenschaftlichen Studie des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft. Dabei handle es sich um das größte Forschungsprojekt zur Energiewende und ihrer Begleitumstände. Hier sind fast alle Beteiligten der Energiewende vernetzt, von der Energiewirtschaft über die Politik zur Wissenschaft. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeiten werden auch die Proteste der Bürgerinitiativen und ihre Beweggründe untersucht, berichtete der Referent. Mehr als 900 Pressemeldungen, Artikel und Interviews hat er zu diesem Thema ausgewertet.

Auch die Grundlagen, die die Netzagentur für den Ausbau vorbringt, stehen auf dem Prüfstand. Schließlich sei der Netzausbau, vor allem die Stromautobahnen von Norden nach Süden, längst zum Politikum geworden. Schwerpunkte des Protests seien in Südhessen und Nordbayern.

Bei näherem Nachfragen stelle sich heraus, dass sich viele Bürger um ihr Wohneigentum sorgen, das an Wert verliere. Auch die Angst vor gesundheitlichen Auswirkungen führe zum Widerstand. Inzwischen könne auch das Angebot, den Strom über Erdkabel zu leiten, nicht mehr punkten.

Ziel der Bürgerinitiativen sei es, die Stromautobahnen generell zu verhindern und auf eine dezentrale Stromversorgung zu setzen. Da hätten sich teils sogar politische Parteien und einzelne Kommunen angeschlossen.

Der Konflikt, so Brigitte Artmann anschließend in der Diskussion, könne nur noch politisch gelöst werden. Derzeit fänden bei Brand Probebohrungen für neue Strommasten statt. Neukirch gab zu bedenken, dass auch viele seiner Kollegen die Notwendigkeit der Stromautobahnen nicht hinterfragten, sondern einfach als gegeben hinnähmen. Dabei gebe es über die Schädlichkeit der Strahlenbelastung durchaus verschiedene Meinungen.

Dr. Klaus von Stetten bedauerte, dass der Streit teils auch ein Problem der Kommunikation gewesen sei. Und wenn die Stromtrassen mit dem Transport von Windenergie begründet würden, sich dann aber auch herausstelle, dass Strom von Braunkohle- oder Atom-Kraftwerken transportiert werden solle, brauche man sich nicht zu wundern, wenn das Vertrauen schwinde. "Da fühlen sich die Leute einfach verkohlt."

Das unterstrichen auch mehrere Beiträge der Bürgerinitiativen, die beklagten, dass die Ängste der Bürgerinitiativen oft nur belächelt würden. Die BI Creussen erinnerte daran, dass sie schon vor Jahren mit 14 000 Unterschriften gegen die Trasse nach Berlin gefahren sei und diese dem damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel übergeben habe. Gehört habe man davon nichts mehr.

Schließlich zog Neukirch das Fazit, dass die Politik mehr mit dem Bürger reden und planen müsse.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
31. 10. 2018
16:44 Uhr

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31. 10. 2018
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