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Fichtelgebirge

"Wir werden Versuchskaninchen"

Die Bürgerinitiativen bringen Argumente zuhauf gegen die Trassen vor. Zur richtigen Diskussion kommt es aber nicht.



Heike Bock
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Wunsiedel - Geht es Tennet beim Bau der HGÜ-Trasse am Ende nur um die Rendite? Genau dies glaubt Johanna Kropp von der Bürgerinitiative Brand . Im Kreistag sagte sie, dass der niederländische Konzern seinen Eignern 9,5 Prozent Rendite zugesagt habe. Die Branderin hatte sich wie alle Vertreter der BIs auf die Kreistagssitzung gut vorbereitet. Und sie war verärgert. Denn vor Monaten haben die BIs eine Liste mit 1000 Unterschriften gegen die HGÜ-Trasse und den geplanten neuen Ostbayernring an die Landesregierung und die Bundesnetzagentur übergeben. "Niemand hat es für nötig gehalten, uns zu antworten."

Die BI sorgt sich einerseits um die Natur, die durch die Trassen zerstört wird. "Sie führen ja durch Wasserschutz, FFH-, Wald- und Schwarzstorch-Gebiete. Dabei geht es allein im Fichtelgebirge um eine Fläche, die vielfach größer ist als der Hambacher Forst." Andererseits sehe sie die Einheimischen als Versuchskaninchen, wenn diese demnächst ionisiertem Staub und starken Magnetfeldern ausgesetzt seien.

Udo Enderle von der BI "Seußen wehrt sich" kritisierte, dass bei der Stromnetzplanung die regionale Komponente fehle. Dass es zu Stromausfällen komme, die Tennet prophezeit, sollten die Leitungen keinen Windstrom vom Norden nach Süddeutschland befördern, glaube er nicht. Schon heute werde häufig zu viel Strom in Deutschland erzeugt, der dann ins Ausland verkauft werden müsse. Die Versorgung könnte laut Enderle mit intelligenten Speichertechniken gesichert werden. Unverständlich ist für den BI-Sprecher, dass zum Beispiel das Gaskraftwerk Irsching in Oberbayern außer Betrieb sei und keine Rolle bei der Versorgungsplanung spiele. "Auch die E-Mobilität ist in den Konzepten nicht enthalten." Letztlich sieht er viele Fragen nicht geklärt und fordert ein intelligenteres Konzept. "Vielleicht sollten wir uns das Beispiel SWW Wunsiedel ansehen." Bei dem Modell einer dezentralen Versorgung aus regenerativen Quellen bleibe die Wertschöpfung in der Region und die Energieversorgung sei sicher.

Heike Bock, Sprecherin der BI "Fichtelgebirge sagt Nein zur Monstertrasse" , verwies auf den enormen Flächenverbrauch der HGÜ-Trasse, die in die Erde verlegt werden soll. Allein für die Zwei-Gigawatt-Variante würden auf der 537 Kilometer langen Trasse 1620 Hektar benötigt. Sollte sie auf vier Gigawatt aufgerüstet werden, verdoppelt sich der Verbrauch. Für unrealistisch hält sie die Aussage von Tennet, auf der Trasse könne später wieder Landwirtschaft betrieben werden. "Der ein bis zwei Meter tiefe Kabelgraben wird mit Kies verfüllt und darauf kommt eine 25 Zentimeter dicke Humus-Schicht. Die ist nicht einmal so dick wie das Schul-Lineal meiner Tochter. Was soll darauf wachsen?"

Für die BI-Sprecherin ist der Bau der HGÜ-Trasse keineswegs schon sicher, auch wenn die Bundesregierung dies beschlossen hat. Dabei verwies sie auf die widersprüchlichen Wirkungen des Energiewirtschaftsgesetzes und des Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien, der im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegt ist. "Das Energiewirtschaftsgesetz besagt nämlich, dass alle fossilen Kraftwerke ebenfalls immer einspeisen dürfen." Der Ausbau der HGÜ-Leitungen sei daher nicht nötig, wenn die Regierung das Energiewirtschaftsgesetz ändere und damit einer dezentralen Energieversorgung den Weg bereite.

Klingt kompliziert, ist es auch. Daher lobten alle BI-Sprecher, dass sich der Landkreis mit Wolfgang Baumann juristischen Beistand für den weiteren Kampf gegen die Stromtrassen geholt hat. Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
19:30 Uhr

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