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Fichtelgebirge

FGV verkauft Marktleuthener Haus

Der Fichtelgebirgsverein findet keinen Wirt für die Unterkunft. Wer 140 000 Euro übrig hat, kann eine Immobilie "in Alleinlage" erwerben. So steht es im Internet.



Ein "Grundstück in Alleinlage mit altem Baumbestand", so preist ein Maklerbüro das Marktleuthener Haus an. Der FGV will sich von der Immobilie trennen. Foto: Florian Miedl
Ein "Grundstück in Alleinlage mit altem Baumbestand", so preist ein Maklerbüro das Marktleuthener Haus an. Der FGV will sich von der Immobilie trennen. Foto: Florian Miedl  

Marktleuthen - Der Fichtelgebirgsverein (FGV) trennt sich vom Marktleuthener Haus. Erst Anfang des Jahres hatte der FGV-Ortsverein Marktleuthen das Unterkunftshaus dem Hauptverein übergeben; die Siebensternler schafften die Bewirtung personell nicht mehr. Doch auch der Hauptverein tat sich schwer, einen Pächter oder Wirt zu finden. So wartet das Haus am Fuße des Marktleuthener Bibersbergs jetzt auf einen Käufer.

Als ein "Haus mit Historie und großem Grundstück in Alleinlage" preist ein Maklerbüro die Immobilie an. Für 140 000 Euro bekommt der Käufer rund 95 Quadratmeter Wohnfläche und ein mehr als 8700 Quadratmeter großes Grundstück. Das Fazit des Maklers: "Ein Haus mit Charme und Charakter in gutem Allgemeinzustand für Menschen, die den Wald und die Natur lieben und viel Platz um sich herum möchten."

Bis 2017 war der FGV Marktleuthen für das Haus verantwortlich. Die Siebensternler aus der Egerstadt hatten das 1930 erbaute Haus 1986 erworben, umgebaut und renoviert. Eine große Sache ist die Eröffnung des Marktleuthener Hauses 1989 gewesen. Seit diesem Zeitpunkt galt das Anwesen als eines der beliebtesten Wanderheime im Inneren des Fichtelgebirges. Bis zu 13 Wanderer fanden im Marktleuthener Haus ein Bett für die Nacht. Ein Angebot, das rege wahrgenommen wurde, wie Werner Eckl vom Vorstand des FGV Marktleuthen sagt. Wanderer, "und zwar nicht wenige", wussten die Lage zu schätzen. Camper nutzten gerne das weitläufige Areal.

Eckl: "Zwischen 2014 und 2016 hatten wir mehr als 1000 Übernachtungen." Das ist insofern bemerkenswert, als dass der Ortsverein Marktleuthen die Unterkunft in ehrenamtlicher Arbeit betrieben hat.

Ein Brand 2016 beendete die Erfolgsgeschichte. Wenig später drückte ein Sturm eine große Fichte auf das Dach. Die Schäden hat der FGV Marktleuthen behoben, doch richtig bewirtschaften konnte der Verein das Marktleuthener Haus nicht mehr. "Mittlerweile sind alle unsere Kümmerer zu alt dafür. Wir schaffen das personell nicht mehr", erklärt Eckl die Gründe, die den FGV dazu bewogen hatten, das Haus zum 1. Januar dieses Jahres an den Hauptverein abzugeben.

Die Entscheidung war den Mitgliedern sicher nicht leicht gefallen, immerhin aber fiel sie einstimmig. "Wir haben gut zwei Jahre erfolglos versucht, einen Hüttenwart zu finden", blickt Eckl zurück. Damals hatten die Entscheider noch die Hoffnung, dem FGV-Hauptverein könnte glücken, was den Marktleuthenern so lange verwehrt blieb: mit einem neuen Pächter das Haus wirtschaftlich zu betreiben. Doch um es als Gaststätte nutzen zu können, hätte laut Eckl in Brandschutz und einen Ölabscheider investiert werden müssen.

"Auch wir tun uns zur Zeit enorm schwer, Wirte für unsere Häuser zu finden", sagt der stellvertretende Vorsitzende des FGV-Hauptvereins Jörg Nürnberger. "Es gibt einfach nicht mehr genug Freiwillige, die beim Bewirten helfen wollen." Auch im Marktredwitzer Haus und dem Seehaus fehlen dem Fichtelgebirgsverein Wirte. Laut Nürnberger gebe es eine offene Diskussion bezüglich der FGV-Immobilien. "Da das Marktleuthener Haus ohne größere Investition nicht wirtschaftlich zu betreiben ist, haben wir uns entschlossen, es zu veräußern." Nicht leichtfertig, wie Nürnberger betont. Und prinzipiell gelte der Grundsatz, dass der FGV in seiner Funktion als Wander- und Heimatverein allen Wanderern die Möglichkeit bieten möchte, in den Gipfellagen eine Unterkunft zu finden. "Das ist uns nach wie vor wichtig", so Nürnberger. Daher stünden aktuell keine anderen Häuser zur Disposition.

Das Marktleuthener Haus sei ein attraktives Angebot für jemanden, "der ruhig wohnen möchte", findet der stellvertretende FGV-Vorsitzende. Dass allzu ruhige Lagen aber auch die falschen Interessenten anziehen können, ist Jörg Nürnberger durchaus bewusst. Schon einige Mal haben rechte Gruppierungen - auch über Mittelsmänner - versucht, in der Region an derartige Immobilien zu gelangen. "Jeder darf versichert sein, dass der FGV ein Auge darauf hat, dass uns keine braune Laus in den Pelz gesetzt wird", sagt Nürnberger. Das sei auch so mit dem Makler besprochen.

Dass besonders die Mitglieder des FGV Marktleuthen den Verlust ihres langjährigen Vereinsheimes betrauern, ist Jörg Nürnberger bewusst: "Da hängt für viele das halbe Leben dran, sie verbinden schöne Erlebnisse mit dem Marktleuthener Haus. Klar, dass die Mitglieder fragen, ob wir das Haus wirklich hergeben müssen." Bedenken, die Werner Eckl zerstreuen möchte. "Wir können diese Entscheidung vollkommen nachvollziehen", sagt er. "Fast 30 Jahre hatten wir eine sehr schöne Zeit. Jedem tut es leid, aber es ist eine Notwendigkeit." Alleine aufgrund der Alterstruktur sei es dem Ortsverein ein Ding der Unmöglichkeit, das Haus zu bewirten. Das Gebäude sei vollkommen hergerichtet, vor knapp drei Jahren wurde eine neue Küche eingebaut. "Im Prinzip ist es bezugsfertig", sagt der FGV-Ortsvorsitzende. Obwohl der FGV Marktleuthen zwischenzeitlich ins Gasthaus "Benker" im Ortsteil Habnith ausgewichen ist, sieht Eckl nach wie vor regelmäßig im Marktleuthener Haus nach dem Rechten. Denn verkommen soll das Anwesen am Bibersberg nicht.

 

 


zitat

 

Wir können diese

 

Entscheidung

 

vollkommen

 

nachvollziehen.

 

Werner Eckl vom Vorstand des FGV Marktleuthen

 

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Gerd Pöhlmann

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19. 12. 2018
18:32 Uhr

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Autor
Gerd Pöhlmann

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19. 12. 2018
18:32 Uhr



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