Topthemen: Fall Peggy KnoblochHofer Kaufhof wird HotelGerchRegionale Videos: Pittroff-Villa, Tiny House

Fichtelgebirge

Die Zukunft fängt beim Essen an

Eine neue Broschüre des EBZ fordert mehr Achtsamkeit beim Umgang mit Nahrungsmitteln. Das Heft gibt Tipps zum Leben im Einklang mit der Natur.



Freuen sich über die neue Impulsbroschüre aus Bad Alexandersbad (von links): EBZ-Leiter Andreas Beneker, Dr. Peter Hirschberg, Raimund Böhringer, Cordula Klein und Heidi Sprügel. Foto: Rainer Maier
Freuen sich über die neue Impulsbroschüre aus Bad Alexandersbad (von links): EBZ-Leiter Andreas Beneker, Dr. Peter Hirschberg, Raimund Böhringer, Cordula Klein und Heidi Sprügel. Foto: Rainer Maier   » zu den Bildern

Bad Alexandersbad - Das Bild kennt jeder: die Erde, unser Heimatplanet, als blaue Kugel auf ihrem Weg durchs All. Doch irgendetwas stimmt nicht. Hat da jemand ein Stück vom Globus abgebissen wie von einem saftigen Apfel? Die Fotomontage auf dem Titelblatt der neuen Broschüre des Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrums (EBZ) in Bad Alexandersbad soll aufrütteln und mahnen: Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Die endlichen Ressourcen der Erde werden zu schnell und zu sorglos verbraucht.

Die Broschüre "Gib acht! Zukunft fängt beim Essen an" ist das Ergebnis einer EBZ-Seminarreihe zum Thema "Wie wollen wir leben?" Seit März vergangenen Jahres gab es immer wieder Vorträge und Tagungen, die den Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt thematisierten. Einen Schwerpunkt legte Heidi Sprügel, beim EBZ für ökologische Bildung zuständige Diplom-Biologin, dabei auf die Ernährung, denn: "Umweltfreundliches Verhalten fängt mit dem eigenen Teller an."

Wer denkt, Lebensmittel gebe es ja im Supermarkt vor der Haustür in unbegrenzter Menge und man könne dort immer alles bequem "ernten", der unterstütze den Raubbau an unserem Planeten, betont Sprügel. "Was wir essen, hat Wirkungen weit über unseren Tellerrand hinaus", sagt sie. So habe der stetig steigende Fleischkonsum weltweit negative Auswirkungen. Und der Transport einer in den Tropen reif geernteten Flug-Mango per Düsenjet in den Laden um die Ecke verursache viel zu viele Treibhausgase. "Mit unserer Broschüre wollen wir Denkanstöße geben, wie wir nachhaltig gut leben können", sagt Sprügel.

Jeder trifft jeden Tag Entscheidungen, die die Umwelt und das Weltklima beeinflussen. Wie das EBZ-Heft verdeutlicht, gibt es eine Reihe einfacher Faustregeln, die helfen, Ressourcen zu schonen und die Erde zu erhalten. Acht solche Regeln listet es auf: regional statt weit hergebracht, frisch statt konserviert, lose statt verpackt, Trinkwasser öffentlich statt privat, saisonal verfügbar statt immer bereitgestellt, Fair-Trade-Produkte statt Ausbeutung, maßvoller Fleischgenuss statt industrieller Massenware, ökologisch hergestellt statt genverändert.

Auf den folgenden Seiten wird immer wieder gegenübergestellt, welche Geschenke Gott den Menschen gemacht hat und wie der Mensch die Wertschätzung dafür vermissen lässt. Am Anfang steht stets ein Bibelwort, dann wird ein natürliches Lebensmittel vorgestellt. Auf der nächsten Doppelseite sieht man, wie die Nahrungsmittelindustrie Menschen zum Konsum ungesunder Massenprodukte verführt, bei deren Herstellung achtlos Ressourcen vergeudet werden. Und zum Schluss gibt’s immer einen kleinen Tipp, wie jeder Einzelne gegensteuern kann.

"Wir haben bewusst diese Gegensätze gesucht", sagt Diplom-Ingenieurin Cordula Klein, die die Broschüre gemeinsam mit ihrem Chef, Diplom-Ingenieur Raimund Böhringer von der Wunsiedler Firma ideenFinden, nach dem Konzept von Heidi Sprügel gestaltet hat. Böhringer ergänzt: "Wir brauchten eine tragfähige Story, um diese hochkomplexen Sachverhalte vermitteln zu können." Schließlich habe man verdeutlichen wollen, dass alles mit allem zusammenhängt, dass jeder in seinem persönlichen Umfeld etwas tun kann, um der geschundenen Umwelt zu helfen. "Die Dramatik der globalen Zusammenhänge sollte da schon durchschimmern", sagt Böhringer.

So sei man auf die einprägsame Symbolik der Weltkugel gekommen, von der derzeit dauernd zu viel abgebissen wird. Oder zu der "8" in Achtsamkeit, die, behutsam auf die Seite gelegt, zum Symbol für Unendlichkeit wird.

Auch EBZ-Leiter Pfarrer Andreas Beneker lobt das Heft: "Das bringt etwas in Bewegung." Mit der Schrift könne man dem Normalverbraucher vermitteln, dass gerade weltweit eine große Transformation stattfindet, dass sich Werte wandeln. "Auch für uns als Tagungshaus ist das eine Herausforderung. Wir wollen als christliche Bildungseinrichtung Vorbild sein." Also stelle man auch beim EBZ die Verpflegungsstandards auf den Prüfstand und frage sich: Muss es wirklich jeden Tag Fleisch sein?

Pfarrer Dr. Peter Hirschberg, der theologische Studienleiter des EBZ, verweist auf die religiöse Dimension, denn es sei auch eine spirituelle Erfahrung, bewusst und dem Schöpfer gegenüber dankbar wahrzunehmen, was man isst. Zudem beinhalte das gemeinsame Essen eine schon in der Bibel verankerte soziale Komponente. Andreas Beneker verdeutlicht, dass der Titel "Gib acht!" zwar mit einem Ausrufezeichen versehen sei, sich aber nicht als erhobener Zeigefinger verstehe: "Wir wollen lediglich Möglichkeiten aufzeigen."

Im laufenden Seminarjahr will Heidi Sprügel eine neue Veranstaltungsreihe zur Umweltbildung anbieten. Dieses Mal sollen die unerschöpflichen Ressourcen im Mittelpunkt stehen - natürlich versehen mit einem kritischen Fragezeichen. Auch 2019 wird das EBZ dabei vom bayerischen Umweltministerium unterstützt, das Bildung für nachhaltige Entwicklung im Freistaat fördert. Im vergangenen Jahr gab es für das Bad Alexandersbader Projekt 21 000 Euro, wobei besonders gelobt wurde, dass das EBZ Multiplikatoren schult, die ihr erworbenes Wissen weitergeben.

—————

"Gib acht! Zukunft fängt beim Essen an", 58 Seiten, broschiert; zu beziehen beim EBZ, Markgrafenstraße 34, 95680 Bad Alexandersbad, Telefon 09232/99390, E-Mail info@ebz-alexandersbad.de.

Die Dramatik der globalen Zusammenhänge sollte

schon durchschimmern.


zitat

Raimund Böhringer, Gestalter


Autor

Rainer Maier
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
18:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Achtsamkeit Broschüren Essen Lebensmittel Lebensmittelwirtschaft Tagungsorte Tipps Weltklima
Bad Alexandersbad
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Mehrzweckhalle platzte schier aus allen Nähten, so viele Gäste waren zur Jubiläumsfeier gekommen.	Fotos: Matthias Kuhn

10.07.2018

Eine Heimat für Diskussionen

Das Evangelische Bildungszentrum feiert sein 60. Jubiläum mit zahlreichen Gästen. Für viele Menschen eröffnet sich hier eine neue Welt in Bad Alexandersbad. » mehr

Die Helfrecht AG verkauft ihr Unternehmerzentrum in der Bad Alexandersbader Markgrafenstraße an einen externen Partner, bleibt aber als Mieter am Stammsitz der Gesellschaft. Fotos: Florian Miedl, pr

vor 7 Stunden

Helfrecht verkauft Tagungszentrum

Die Beratungsfirma bleibt aber langfristig Mieter in dem großzügigen Gebäude. Ein Partner soll sich jetzt um die Vermarktung von freigewordenen Flächen kümmern. » mehr

Kinder aus dem ganzen Landkreis beteiligten sich an dem Wettbewerb "Beiß’ rein - Streuobstvielfalt". Der erste Platz ging nach Röslau. Unser Foto zeigt die beteiligten Kindergruppen mit den Vertretern der Vereine. Foto: Herbert Scharf

11.02.2019

Da blüht nicht nur den Kindern was

Der Kreisverband der Gartenbauvereine gibt sich einen neuen Namen. Der legt den Fokus auf Gartenkultur und die Landespflege. » mehr

Melanie Lottes Foto: jr.

05.02.2019

Unterstützung für Kinder, Lehrer und Eltern

In der Grundschule Mitterteich gibt es jetzt eine Jugendsozialarbeiterin. Melanie Lottes will viel Gutes erreichen. » mehr

Genusstage in Bad Alexandersbad Bad Alexandersbad

03.02.2019

Heilbad als Genusstempel

Von der Wurst bis zur "Keschde": 17 Betriebe aus dem Fichtelgebirge und der Pfalz präsentieren im Haus des Gastes Kulinarisches. » mehr

Kunstwerk für die Gläserne Mitte

27.01.2019

Kunstwerk für die Gläserne Mitte

Der siebensäulige Tempel, der beim Neujahrsempfang vorgestellt worden war, findet seinen Platz. Er soll auch als Sammelbecken für Ideen dienen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

"Let it beat" in der Hofer Freiheitshalle

"Let it beat" in der Hofer Freiheitshalle | 16.02.2019 Hof
» 41 Bilder ansehen

Black Base - Mens Night

Black Base - Mens Night | 16.02.2019 Hof
» 59 Bilder ansehen

Selber Wölfe-Eisbären Regensburg 3:2

Selber Wölfe -.Eisbären Regensburg 3:2 | 17.02.2019 Selb
» 48 Bilder ansehen

Autor

Rainer Maier

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
18:04 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".