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Nicolas Lahovnik will den Ausbruch für Wunsiedel

Die Wunsiedler CSU wählt den 29 Jahre alten Juristen einstimmig zum Bürgermeister-Kandidaten. Sie feiern den Hoffnungsträger mit Ovationen.



Nicolas Lahovnik strebt ein mutiges Miteinander an. Foto: Matthias Bäumler
Nicolas Lahovnik strebt ein mutiges Miteinander an. Foto: Matthias Bäumler  

Wunsiedel - Mit kurzer Unterbrechung dauert der Applaus eine Minute und 35 Sekunden. Nicolas Lahovnik gelingt es kaum, den letzten Satz seiner Rede zu beenden. Macht nichts. Jeder im proppenvollen Nebenraum des Hotels Wunsiedler Hof weiß, was sich der 29 Jahre alte Bürgermeisterkandidat der CSU für die Festspielstadt vorgenommen hat: Statt eines abgedroschenen Aufbruchs oder Rucks will er den Ausbruch gestalten.

Fast eine Stunde lang stellt Lahovnik am Donnerstagabend sich und seine Ziele vor. Zweifellos wird mit dem jungen Mann ein neuer Stil in die Kommunalpolitik einziehen, egal ob er sich am Ende auf den Chefsessel im Rathaus setzen darf oder nicht. Der Kandidat wirkt weniger emotional als Bürgermeister Karl-Willi Beck. Die großen Gefühle zeigt Lahovnik erst am Ende seiner von 36 Mitgliedern des Ortsverbandes und vielen Gästen mit Spannung erwarteten Rede und nach der einstimmigen Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten: Innig küsst er seine Frau Stefanie und umarmt ein halbes Dutzend gestandene Wunsiedler CSUler.

 

Bevor Lahovnik ans Rednerpult tritt, kündigt der Wunsiedler CSU-Vorsitzende Jürgen Fraas einen "geschichtsträchtigen Abend" an. Er behält recht. Nicht nur, dass der neue Hoffnungsträger der Union nun auch offiziell Kandidat ist und damit in der Festspielstadt der Wahlkampf praktisch begonnen hat. Es ist auch eine neue Demut in der Partei zu spüren. Viele Mitglieder haben offenbar genug von den ewigen kraftmeiernden Redeschlachten im Stadtrat, die häufig genug auch an den Stammtischen weiter ausgefochten werden. Jürgen Fraas hat sich schon seit eineinhalb Jahren als Fraktionssprecher Zurückhaltung verordnet. "Ja, ich bin leise geworden, und wenn ich angegriffen werde, lächle ich zurück. Lächeln verzaubert", sagt er. Streiten werde er nur noch in der Sache.

Um die geht es auch Lahovnik. Dass er das Etikett CSU trägt, ist ihm zwar wichtig, aber nicht zu sehr. Er hätte genau so gut bei der SPD landen können. "Ehrlich gesagt habe ich in meiner Jugend auch mal damit geliebäugelt, dauerhaft Sozialdemokrat zu sein, hauptsächlich, weil ich Fan von Helmut Schmidt war und etliche Freunde hatte und habe, die der SPD nahestehen." Doch dann habe er gemerkt, dass er kommunalpolitisch mit der CSU die größte Schnittmenge habe. "Es gibt durchaus Themen, da bin ich Grüner, es gibt Themen, da bin ich fast schon Kommunist und dann gibt es Themen, da bin ich erzkonservativ."

Zurück zur Demut. Der Kandidat gibt offen zu, dass er kein Patentrezept dafür habe, wie er alle Probleme in Wunsiedel lösen könne. Was er anbieten werde, sei ein frischer Wind, ein unverstellter Blick auf die Dinge und einige Erfahrung. Die hat er als studierter Verwaltungswirt und Jurist, als Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Schweinfurt, als Geschäftsstellenleiter einer 4000-Einwohner-Gemeinde in Unterfranken und derzeit als Wirtschaftsförderer der Stadt Weiden gesammelt. Neu in der jüngsten Wunsiedler Stadtgeschichte ist sicherlich, dass ein CSU-Kandidat allen Gruppierungen und Parteien mit Ausnahme der Rechten die Hand reichen will. Noch ist es im Stadtrat üblich, dass einige Räte einander den Handschlag verweigern.

Doch nun zur Kernfrage des Abends: Was versteht Nicolas Lahovnik eigentlich unter einem Ausbruch? "Wir wollen ausbrechen aus alten Mustern, wir wollen ausbrechen aus alten Zwängen, wir wollen irgendwann ausbrechen aus den Fesseln der finanziellen Not. Und irgendwie wollen wir doch alle auch ein bisschen einen Ausbruch der Emotion und der Gefühle für unsere Stadt", sagt der Kandidat unter dem großen Jubel der Zuhörer. Das ist dann tatsächlich so ziemlich der einzige wirklich emotionale Ausbruch in seiner Rede.

Weit mehr liegt dem Juristen - zumindest am Donnerstagabend - das Reden über Konzepte. So berichtet er von einem Gespräch mit einem hohen Staatsbeamten. Lahovnik zitiert ihn: "Wir wissen, wer ihr in Wunsiedel wart, wir wissen auch ganz gut, wo ihr momentan steht. Aber wir wissen nicht so genau, wer ihr sein wollt, wo ihr eure langfristigen Perspektiven seht." Die will der Kandidat den Münchnern möglichst bald präsentieren. "Ich schlage deshalb eine Zukunftswerkstatt mit unseren Bürgern vor."

Zum Ausbruch gehört auch, das derzeit angespannte Verhältnis zu den Aufsichtsbehörden in ein gutes zu wandeln. "Gespräche mit Politikern und hohen Beamten der unterschiedlichsten Ebenen haben mir gezeigt, dass es gegenüber der Stadt Wunsiedel gewisse Vorbehalte zu geben scheint." Mit regelmäßigen persönlichen Gesprächen will er die Atmosphäre verbessern. Er mache sich nichts vor, die Stadt werde noch viele Jahre auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. "Ich werde daher bei den Verantwortlichen auf der Matte stehen und sie für Wunsiedel und unsere Sache begeistern."

Trotz der enormen finanziellen Nöte ist nach Lahovniks Ansicht in den vergangenen Jahren in Wunsiedel auch vieles gut gelaufen. "Wir dürfen wirklich dankbar sein, dass bei uns viele, viele Investitionen in die kommunale Infrastruktur schon angegangen wurden oder schon erledigt sind. Früher oder später stünden sie nämlich so oder so ins Haus und kämen uns deutlich teurer." In Zukunft müsse jedoch eine andere Ausgabenpolitik gefahren werden.

Wie er mit dem bisschen Geld, das die Stadt noch hat, gestalten will, darüber ist sich der 29-Jährige im Klaren: mit Kreativität. Hier nennt er das Beispiel Weihnachtsbeleuchtung. "Die brauchen wir am Marktplatz, ebenso wie einen Weihnachtsmarkt. Aber wenn in Wunsiedel die notwendige Reparatur oder Neubeschaffung der Weihnachtspyramide und der Weihnachtsbeleuchtung finanziell nicht möglich ist, dann muss man eben kreativ sein." Er schildert ein Beispiel aus Weiden, wie er es als Wirtschaftsförderer mit dem Verlegen von Stromkabeln und unkomplizierten Genehmigungsverfahren zwei Unternehmen ermöglichte, einen Baum mit Herrnhuter-Sternen zu schmückten. Vieles sei auch in Wunsiedel möglich. "Dazu ist ein mutiges Miteinander vonnöten."

 

Karl-Willi Beck kann nicht teilnehmen

Der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck wollte bei der Nominierung seines möglichen Nachfolgers gerne anwesend sein. Eine neuerlich notwendig gewordene Operation hat dies verhindert. Alle Redner wünschten dem Rathaus-Chef eine gute Besserung und freuten sich auf ein hoffentlich baldiges Treffen. Unter anderem sendeten der Marktredwitzer Oberbürgermeister Oliver Weigel, CSU-Ortsverbandsvorsitzender Jürgen Fraas, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel und Bürgermeister-Kandidat Nicolas Lahovnik die besten Wünsche. Beck wurde in Abwesenheit jeweils einstimmig von den Mitgliedern in den erweiterten Vorstand des Ortsverbandes und als Ersatzdelegierter gewählt. Ein weiterer Bericht über die Hauptversammlung folgt.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
17:08 Uhr

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Matthias Bäumler

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15. 03. 2019
17:08 Uhr



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