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Fichtelgebirge

Freiraum für Macher: Zahlreiche Firmen beteiligen sich an Umfrage

Die "Freiraum"-Macher geben eine Umfrage unter Unternehmern im Fichtelgebirge in Auftrag. Jetzt liegt die Auswertung vor.



Anpacker-Atmosphäre im Industrie-Ambiente: In der alten Massemühle des Porzellanikons Selb stellte die Initiative "Freiraum für Macher" den versammelten Unternehmern aus dem Landkreis die Ergebnisse der Gefak-Umfrage vor. Fotos: Rainer Maier
Anpacker-Atmosphäre im Industrie-Ambiente: In der alten Massemühle des Porzellanikons Selb stellte die Initiative "Freiraum für Macher" den versammelten Unternehmern aus dem Landkreis die Ergebnisse der Gefak-Umfrage vor. Fotos: Rainer Maier  

Selb - "Die Mobilisierung ist geglückt", sagt Josef Rother. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung (Gefak) in Marburg fühlt sich durch die Akzeptanz der Unternehmer-Umfrage im Landkreis Wunsiedel "hoffnungsvoll gestimmt" für die Zukunft der Wirtschaft im Fichtelgebirge. Im Auftrag der Initiative "Freiraum für Macher" hatte die Gefak alle rund 1100 Unternehmen mit drei oder mehr Mitarbeitern im Kreis angeschrieben und befragt. Nach ihrer aktuellen Lage, nach ihren Plänen, nach ihrer Zufriedenheit mit dem Umfeld, nach der Qualität von Standortfaktoren.

291 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück, eine Rücklaufquote von etwa 26 Prozent. "Das ist ein außergewöhnlich gutes Ergebnis", sagt Rother. Betriebe, die mehr als 10.000 Beschäftigte und damit gut jeden vierten Arbeitsplatz im Landkreis repräsentieren, hätten die Chance ergriffen, aktiv mitzumachen bei der Weiterentwicklung der Region.

Rund 170 Firmenvertreter sind am Donnerstagabend nach Selb ins Porzellanikon gekommen, um sich über die Ergebnisse der Studie informieren zu lassen. Auch dies zeugt laut Rother von überdurchschnittlichem Interesse. Sie lauschen der Präsentation an einem ungewöhnlichen Ort: Nicht im Konferenzsaal sitzen sie, sondern in der alten Massemühle zwischen historischen Maschinen. Das Industrie-Ambiente verstärkt die Anpacker-Atmosphäre, die man bei der Veranstaltung ohnehin spürt. "Das große Interesse ist ein Zeichen, dass in dieser Region Aufbruchstimmung herrscht", sagt Landrat Dr. Karl Döhler bei der Begrüßung. Die Studie habe allerdings auch deutlich gemacht: "Wir haben mehr PS, als wir tatsächlich auf die Straße bringen."

Das zu ändern, ist das Ziel der Gefak-Auswertung. Die breit gefächerten Themen der Befragung brachten viele erwartbare, aber auch einige überraschende Ergebnisse. Rother zufolge können diese nun als Brücke zwischen Strategie und Praxis genutzt werden. "Damit alle an einem Strang ziehen können, muss man zunächst den Dialog miteinander aufbauen", sagt der Diplom-Geograf. "Diesen Dialog haben wir mit der Befragung in die Breite getragen." Der Wissenschaftler macht das an der Tatsache fest, dass zwei Drittel der zurückgesandten Fragebögen von kleinen Betrieben mit bis zu 19 Mitarbeitern kamen.

Viele von ihnen zeigten sich offen dafür, Ideen anderer Betriebe - auch aus anderen Branchen - für sich umzusetzen. "Das ist ganz wichtig", sagt Rother. "Sie haben hier Pioniere, die besonders pfiffige und unkonventionelle Wege eingeschlagen haben. Und sie haben Unternehmer, die gewillt sind, diesen Vorreitern nachzueifern." Was nun noch fehle, sei die zielführende Information über die erfolgreichen Initiativen der anderen. "Trauen Sie sich, beim Nachbarn mal zu fragen, wie der das macht", appelliert der Gefak-Experte.

Er rät auch zu mehr Kooperationen, etwa in der Betreuung von Mitarbeiter-Kindern. "Viele haben ähnliche Ziele, können den Weg dorthin aber allein nicht stemmen." Solche Firmen müsse man zusammenbringen. Dies sei eine Aufgabe für die Mitarbeiter des Landratsamtes.

Die Einschätzung der Unternehmer bezüglich ihrer Region hat Rother zufolge einen - auch im interregionalen Vergleich - sehr guten Gesamtwert ergeben. "Das hat uns positiv überrascht." Der Landkreis punktet demnach vor allem mit weichen Standort-Faktoren. Mit Abstand am positivsten bewertet wird "Natur und Landschaft", gefolgt von Kinderbetreuungs- und Schulangeboten sowie der Straßenanbindung. Besonders kritisch sehen die Unternehmer das Angebot im öffentlichen Nahverkehr, die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und die mangelnde Nähe zu Forschungseinrichtungen.

Für Josef Rother ist die Suche nach Fachkräften das zentrale Thema. Zwei Drittel der befragten Firmen planen Neueinstellungen, knapp die Hälfte will demnächst neue Prozesse einführen, neue Produkte oder neue Dienstleistungen anbieten. "Das ist ein Hinweis auf die Innovationskraft dieser Region", sagt Rother. "Die Frage ist nun: Wie kann der Landkreis diese Entwicklung flankieren?"

114 Betriebe hatten ihren Personalbedarf sogar quantifiziert: Demzufolge wollen sie in den nächsten zwölf Monaten rund 700 Leute einstellen. Gesucht würden vor allem Facharbeiter und Auszubildende.

Oft fehle Bewerbern nur eine Teil-Qualifikation, um die Stelle zu bekommen. "Da könnte man nachlegen", sagt der Gefak-Forscher. "Der Kreis sollte die bedarfsgerechte Ausbildung stärker fördern." Deutlich zeige die Umfrage auch, dass Betriebe ihren Arbeitnehmern immer weiter entgegenkommen möchten. Rother: "Der Arbeitsmarkt dreht sich: Der Unternehmer wird zum Bewerber."

Mehr als ein Viertel der Unternehmen hätten auch Flächenbedarf für Erweiterungen gemeldet, insgesamt gut 28 000 Quadratmeter. An die Bürgermeister im Saal gewandt, sagt Rother: "Sehen Sie das als Herausforderung!"

Der Wirtschaftsförderung im Landkreis Wunsiedel führe die Gefak-Umfrage detailliert vor Augen, welche Vielfalt von Aufgaben jetzt ihren Einsatz erfordert.

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Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
19:32 Uhr

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
19:32 Uhr



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