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Fichtelgebirge

Polizei greift geflüchtete Jugendliche auf

Die beiden jungen Männer sind in einem Waldstück bei Stemmasgrün gelandet. Von dem gestohlenen Auto fehlt weiterhin jede Spur.



Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung griffen die Beamten der Polizeiinspektion Wunsiedel die Jugendlichen auf. Foto: Friso Gentsch/dpa
Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung griffen die Beamten der Polizeiinspektion Wunsiedel die Jugendlichen auf. Foto: Friso Gentsch/dpa  

Wunsiedel - Die beiden 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen, die am Freitagvormittag aus einem pädagogisch-therapeutischen Zentrum in Franken ausgebrochen waren, sind gefasst. Wie die Polizei am Dienstag mitteilt, kam ein Hinweis aus der Bevölkerung, dass sich die beiden Jugendlichen in einem Waldstück bei Stemmasgrün aufhalten würden. Nach der Festnahme am Montagnachmittag wurden die Jugendlichen einem Richter beim Amtsgericht Wunsiedel vorgeführt, der eine Unterbringung in Justizvollzugsanstalten anordnete.

Die Jugendlichen waren in Franken in der sogenannten Untersuchungshaft-Vermeidung untergebracht. Wie der Name sagt, hatten sie in der Einrichtung die Chance, statt unter Haftbedingungen in der Einrichtung mit pädagogischer Betreuung zu leben. Wie Katrin Wilcken vom Betreiber, dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), auf Nachfrage der Frankenpost sagt, leben derzeit sieben Jugendliche in der "Untersuchungshaft-Vermeidung" und 18 weitere Jugendliche mit familiären oder psychischen Belastungen in Wohngruppen. "Es haben also bei Weitem nicht alle unserer Jugendlichen einen kriminellen Hintergrund." Die sieben Erstgenannten allerdings haben einiges mehr angestellt als vielleicht einen Ladendiebstahl. "Es sind eben solche Dinge, die zu einer Untersuchungshaft führen können." Genaueres will die Sprecherin aus Gründen des Datenschutzes nicht sagen.

Die beiden Jugendlichen, die türmten, als eine Erzieherin in einem Nebenraum etwas holte, hatten das Auto der Frau gestohlen und waren davongefahren. "Wir haben das sofort der Polizei gemeldet. Damit haben die beiden Jungs ihre Chance leider selbst verwirkt", sagt Katrin Wilcken. Dies sei aber allen Jugendlichen bewusst. Die Folgen sind gravierend. Die Ausreißer werden nicht mehr zurück in die Einrichtung kommen, sondern in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, wo sie auf ihren Prozess warten.

"Das ist ein übliches Vorgehen", sagt auch Wolfgang Doleschal von der Polizeiinspektion Wunsiedel. Die Unterbringung im Heim in Franken bei Weißenstadt habe dafür gesorgt, dass der Haftbefehl gegen die Jugendlichen ausgesetzt wurde. "Als die Jungs die Einrichtung verlassen haben, ist der Haftbefehl wieder inkraftgetreten." Das habe auch der Richter bestätigt. Deshalb werden die 16- und 17-Jährigen auch bis auf Weiteres in Haft bleiben.

Die Untersuchungshaft-Vermeidung wird von einem Richter angeordnet. Ziel ist es, die Jugendlichen vor den schädlichen Einflüssen einer Haft zu verschonen und ihnen stattdessen Gelegenheit zu geben, ihre Taten zu reflektieren. "Sie sind in Franken in einem straffen Alltag eingebunden. Wir wollen den Jugendlichen vermitteln, wie sie ein Leben ohne Straftaten führen können und ihnen auch berufliche Perspektiven vermitteln", sagt Katrin Wilcken. Auch lerntheoretisches Rüstzeug solle den Bewohnern mitgegeben werden.

Wie lange jemand in Franken bleibt ist unterschiedlich, je nachdem, wie schnell es zu einem Prozess kommt. In Berlin kann so etwas locker ein Jahr dauern, meist sind es einige Monate. Die Jugendlichen können im Prinzip von Richtern aus ganz Deutschland der Einrichtung bei Weißenstadt zugewiesen werden. Die überwiegende Zahl stammt allerdings aus Süddeutschland. "Aus der Region ist aber niemand, eben damit sie aus ihrem kriminellen Milieu herauskommen."

Im pädagogisch-therapeutischen Zentrum stehen den Jugendlichen an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr Betreuer zur Verfügung. Insgesamt sind 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Juni feiert die Einrichtung ihr zehntes Jubiläum mit einem großen Fest. Dabei wollen die Betreiber auch Einblicke in die pädagogische Arbeit geben. Durch den Ausbruch der beiden Jugendlichen seien die übrigen Bewohner zu Unrecht in Misskredit geraten.

In den sozialen Medien sei viel Falsches behauptet worden, das so nicht zutreffend sei, sagt EJF-Sprecherin Katrin Wilcken. "Es handelt sich zudem bislang um die erste Flucht in den zehn Jahren, seit es unsere Einrichtung in Franken gibt."

Von dem gestohlenen orangefarbenen Suzuki fehlt bislang noch jede Spur. Er soll mit einem technischen Defekt stehen geblieben sein. "Die jungen Männer behaupten, sie seien in Tschechien mit einem Platten liegen geblieben", berichtet Doleschal. Dort hätten die tschechischen Kollegen jedoch kein Fahrzeug gefunden. "Deshalb vermuten wir, dass sich das Auto noch in unserer Region befindet und die beiden eventuell einen Unfall hatten." Schließlich hätten die Jugendlichen beide keinen Führerschein. Aber auch die tschechischen Kollegen würden weiterhin die Augen nach dem Fahrzeug offen halten.

Hinweise auf das gestohlene Auto nimmt die Polizei in Wunsiedel unter der Telefonnummer 09232/99470.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
26. 03. 2019
17:14 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
26. 03. 2019
17:14 Uhr



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