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Fichtelgebirge

Ein Vorbild im Kampf für die Natur geht

Die Kreisgruppe Wunsiedel im Bund Naturschutz verabschiedet ihren Geschäftsführer. Alle Weggefährten sind des Lobes voll für Karl Paulus.



Ein Vorbild im Kampf für die Natur geht
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Höchstädt - Als Fred Terporten-Löhner das weiße Tuch wegzieht und das Abschiedsgeschenk für Karl Paulus enthüllt, geht ein Raunen durch den Saal. Es ist ein ausgestopfter Biber. Aber offenbar nicht der den Biologen als "Castor fiber" bekannte eurasische Biber, der an unseren Flussläufen seine Dämme baut, sondern eine sehr seltene Unterart: der "Castor paulus maximus". Zu hundert Prozent ein tierisches Alter Ego des scheidenden Bund-Naturschutz-Kreisgeschäftsführers, wie Terporten-Löhner in seiner humorvollen Rede herausarbeitet. "Der ,Castor paulus maximus‘ ist gelernter Landschaftsarchitekt, bewegt sich in der freien Natur und macht dort irgendwelchen Unfug." Seinen Augen entgehe nichts, seine Ohren kriegten alles mit. "Und wenn er was nicht hören will, taucht er einfach ab." Das dicke Fell isoliere ihn gegen schädliche Einflüsse von außen. Er sei kreativ und dabei außerordentlich mutig: "Er wagt sich auch mal an große Sachen." Neben der großen Neugier könne man dem "Castor" auch eine gewisse Sturheit nicht absprechen. "Er hat Zähne, die er zeigt, wenn es sein muss." Und die würden bei Bedarf sogar immer wieder nachwachsen. "Der ,Castor paulus maximus‘ ist eben ausdauernd und unermüdlich, genau wie unser Karl", sagt Terporten-Löhner. Dann umarmt der Kreisvorsitzende seinen Geschäftsführer. 18 Jahre lang haben sie im Fichtelgebirge zusammengearbeitet. Am Sonntag ist offiziell Schluss.

Zur Verabschiedung im "Schlosshügel" in Höchstädt sind viele Weggefährten von Karl Paulus gekommen, auch der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner, der Grüße vom Bundesvorsitzenden Hubert Weiger ausrichtet. Mergner bezeichnet den Abend als bewegenden Moment, weil ihn vieles mit Karl Paulus verbinde. "Wir haben miteinander gekämpft für die Bewahrung der Schönheit Oberfrankens. Und letztlich für eine bessere Welt."

Dass der BN und seine Ziele in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, zeige der Rückhalt in der Bevölkerung beim Volksbegehren gegen Artensterben. "1,74 Millionen Menschen wollen eine andere Landwirtschaft", sagt Mergner. "Eine wie die, in der der Karl und auch ich das Glück hatten, aufzuwachsen. Da hat es keine Blühstreifen gebraucht, weil die normalen Wiesen noch Blumenwiesen waren."

Karl Paulus habe in den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth Naturschutz-Geschichte geschrieben. Sein Zugang über die Politik - Paulus sei ja aus der Friedensbewegung der 1980er-Jahre gekommen - habe es ihm zudem ermöglicht, Umweltschutz-Geschichte zu schreiben und in den globalen Zusammenhängen der Umweltpolitik zu denken, nicht nur in kleinen Biotopen. Und als großer Rockmusik-Fan habe er auch viele Konzerte für den Naturschutz auf die Beine gestellt. "Das hat sonst niemand aus unseren 76 Kreisgruppen so gemacht."

Mergner sagt, er habe Karl Paulus als engagiert, leidenschaftlich, pfiffig-unkonventionell und "ab und zu, wenn nötig, auch charmant" erlebt. Er sei dem Landesverband immer ein guter Partner gewesen, der es geschafft habe, mit seiner konstruktiven Kampfbereitschaft Vorurteile niederzureißen. Mit seinem Ideenreichtum werde Paulus im BN Bayern immer ein großes Vorbild bleiben.

Richard Mergner: "Wir müssen alle daran arbeiten, dass uns jetzt das radikale Umschwenken gelingt." Der BN sei inzwischen eine nicht zu unterschätzende Macht in Bayern, habe 235 000 Mitglieder und Förderer, "mehr als alle Parteien zusammen".

Viele andere Weggefährten danken Karl Paulus an diesem Abend und wünschen ihm nach 35 Jahren hauptamtlicher BN-Arbeit in zwei Landkreisen nun alles Gute für den Ruhestand. Paulus selbst sagt: "Ich freue mich über jeden, der da ist." Er habe Naturschutz stets mit Hingabe und Leidenschaft praktiziert, auch, wenn es nicht immer nur Freude gewesen sei. Immer habe er versucht, "dem kalten Sachverstand der Technokraten tiefe Emotionen entgegenzusetzen".

Aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof am Fuße der Hohenberger Burg, sei sein erstes bürgerschaftliches Engagement 1983 die Beteiligung an einer Menschenkette in Stuttgart gewesen, im Protest gegen "die Vor-, Nach- und Überrüstung". Von der Friedensbewegung habe ihn sein Weg zur Umweltbewegung geführt. Er habe gegen die WAA in Wackersdorf demonstriert und gegen die Luftbelastung seiner Heimat gekämpft. "Pseudo-Krupp bei Kindern und das Waldsterben waren wesentliche Triebfedern für mich."

"Von unserer Region sind bundesweite Signale zur Luftreinhaltung ausgegangen", sagt Paulus. "Wir haben was bewegt." Die Verhinderung der Fichtelgebirgs-Autobahn sei ein weiterer großer Erfolg am Ende eines zehnjährigen Kampfes gewesen. Der scheidende Geschäftsführer dankt allen Mitstreitern, vor allem seiner Frau Andrea ("simply the best") und der "tollen Truppe" der BN-Aktiven, aber auch unserer Zeitung: "Dass das Umweltbewusstsein bei uns so groß ist, ist auch ein Verdienst der Frankenpost, die unsere Sache immer begleitet und unterstützt hat."

Liebste Aufgabe während seiner Amtszeit sei ihm die Gestaltung von neuen Biotopen gewesen. "Natur schaffen aus zweiter Hand", nennt der 63-Jährige das. "Wunderbare Gebiete" seien so entstanden, ein Wert, der in Geld nicht zu bemessen sei.

Autor

Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
29. 03. 2019
18:04 Uhr

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29. 03. 2019
18:04 Uhr



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