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Fichtelgebirge

Kreisrat sieht in Selb starken Hochschul-„Keimling“

In der Kreistagssitzung stehen die Staatsregierung und der Präsident der Hochschule Hof heftig in der Kritik. Auch stellt sich die Frage, was aus der Freiraum-Kampagne wird.



Die Bedingungen in der Fachschule für Produktdesign in Selb sind nicht mehr zeitgemäß. Die Kreisräte fordern daher den Neubau eines Designzentrums, aber dafür bedarf es einer Förderung aus München. Foto: Florian Miedl
Die Bedingungen in der Fachschule für Produktdesign in Selb sind nicht mehr zeitgemäß. Die Kreisräte fordern daher den Neubau eines Designzentrums, aber dafür bedarf es einer Förderung aus München. Foto: Florian Miedl   » zu den Bildern

Wunsiedel - Die Hochschule für den Landkreis Wunsiedel erinnert ein wenig an das Ungeheuer von Loch Ness. Immer wieder mal taucht sie auf, um dann scheinbar auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Am Freitag im Kreistag war sie wieder einmal da, und zwar in Form der Fachschule für Produktdesign in Selb. Eigentlich ging es in der Sitzung um die Verabschiedung des Haushalts, doch traditionell nutzen die Fraktionen die Gelegenheit, die drängenden Fragen im Landkreis tiefer zu beleuchten. Nachfolgend ein Überblick über die wesentlichen Themen:

 

Der Landkreis als Hochschul-Standort: Gut zwei Jahrzehnte währt der Kampf um eine eigene Hochschule, bislang vergeblich. Eine akademische Ausbildung könnten sich die regionalen Politiker an der Fachschule für Produktdesign in Selb vorstellen. Allerdings identifizierten Freie-Wähler-Sprecher Klaus von Stetten und sein SPD-Kollege Jörg Nürnberger einen Mann, der auf der Bremse steht: Jürgen Lehmann, Präsident der Hochschule Hof. "Die Fachschule hat bereits seit Jahren das Niveau einer Hochschule", sieht von Stetten von fachlicher Seite keine Hindernisse. Nürnberger nennt die Fachschule für Produktdesign einen "starken Keimling für eine Hochschule". Generell fordere er, in den Anstrengungen für eine Hochschuleinrichtung im Fichtelgebirge nicht nachzulassen. "Es hat mir den Atem verschlagen, als Lehmann kürzlich im Interview in der Frankenpost unseren Landkreis als ,Pampa’ bezeichnete, die keine Hochschule verdiene. Das sagt genau die Person, die vor Jahren den Studiengang Pflegemanagement in Marktredwitz am ausgestreckten Arm hat verhungern lassen", ärgerte sich Nürnberger. Wenn es mit Hof nicht gehe, dann müsse man sich einen anderen Partner suchen.

Landrat Dr. Karl Döhler bat zu bedenken, dass der Abschluss an der Schule an sich mit einem Bachelor vergleichbar sei. "Leider wissen das selbst in Unternehmen viele nicht."

 

Das Designstudio: Unabhängig vom Für und Wider einer Hochschule sind die Bedingungen in der Fachschule für Produktdesign in Selb nicht mehr zeitgemäß. Wie Klaus von Stetten sagte, bemühen sich die Akteure vor Ort seit 2015 um eine Lösung und wollen ein neues Designstudio bauen. Und auch hier gibt es nach Ansicht von Klaus von Stetten einen Bremser: die Staatsregierung. "Längst hätte man in München die Finanzierung klären und sichern können. Aber man ist unfähig, Prioritäten zu setzen. Die Schule für Produktdesign bleibt eine Hängepartie der bayerischen Bildungspolitik." Ähnlich sieht es CSU-Sprecher Wolfgang Kreil. "Der Freistaat ist beim Designstudio noch nicht so richtig in die Gänge gekommen."

Gegenteiliger Ansicht ist Landrat Döhler (CSU). Er wähnt den Neubau so nah wie nie zuvor. "Die Signale aus München sind positiv, positiver, als mancher glauben mag."

 

Das Europäische Zentrum für Dispersionstechnologie (EZD) in Selb:

Keinerlei Signale aus München gibt es beim EZD in Selb. Es war 2014 in einem 650 Quadratmeter großen Gebäude gestartet und platzt aus allen Nähten. Das Zentrum bietet Dienstleistungen für die mittelständische Industrie in ganz Nordbayern an. Dabei geht es um das Mischen bestimmter Stoffe zu neuen Werkmitteln. Laut Klaus von Stetten liegt seit Juni 2018 ein Förderantrag für eine Erweiterung beim Wirtschaftsministerium in München. "Anfang des Jahres stellte sich dann heraus, dass keine Fördermittel vorgesehen sind - ein katastrophales Beispiel für die Kommunikation der Staatsregierung mit dem Dispergierzentrum.

Auch CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel hat dafür kein Verständnis. "Der Staatshaushalt ist noch nicht verabschiedet, daher beantragt die CSU-Landtagsfraktion einen Investitionszuschuss in Höhe von 500 000 Euro für das EZD."

 

Der öffentliche Personennahverkehr: Nicht nur die Kreisräte wollen den Öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Auch die Schüler aus dem Landkreis, die sich in der "Fridays-for-Future"-Bewegung engagieren, wünschen sich umweltfreundliche Verkehrsmittel. Dies stellte Grünen-Sprecherin Brigitte Artmann klar. Dass der Landkreis dieses Jahr für die Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs, die E-Mobilität und das Car-Sharing 150 000 Euro bereitstellen wolle, sei gerechtfertigt. "Umso unverständlicher ist, dass dem Landkreis 100 000 Euro bei der Schülerbeförderung gestrichen worden sind."

Nach Meinung von Jörg Nürnberger (SPD) geht es beim Ausbau des Nahverkehrs "zäh voran". "Da wünschte ich mir mehr Einsatz, der den Anforderungen nach Flexibilität und Mobilität unserer Bevölkerung gerecht wird."

Dass beim Ausbau eines besseren Nahverkehrs im Landkreis erst gar niemand auf die Bremse tritt, weil niemand vorhanden ist, macht Landrat Döhler deutlich: Natürlich wäre es sinnvoll, wenn nachmittags kein 50-Sitzer mehr unterwegs wäre und nur noch kleine, flexibel einsetzbare Busse fahren würden. "Nur sagen mir die Unternehmen, dass sie keine Busfahrer mehr bekommen. Dennoch werden wir den ÖPNV umbauen."

 

Das Mountainbike-Zentrum: In kaum einer Region in Nordbayern lässt sich besser Mountainbiken als im Fichtelgebirge. Da der Sport längst mehr als ein Trend ist, bauen die Landkreise Wunsiedel und Hof den Kornberg zu einem deutschlandweit einmaligen Mountainbike-Zentrum um. Dies begrüßten an sich alle Fraktionen. So sieht etwa Wolfgang Kreil (CSU) darin ein großes Potenzial für den Tourismus in der Region.

Wären da nicht die Kosten: "Wir konnten bisher nicht klären, wie hoch die Kosten für den Zweckverband Kornberg im Haushalt sein werden", drückte es Brigitte Artmann (Grüne) vorsichtig aus.

Jörg Nürnberger mahnte hingegen mehr Kostendisziplin an. "Die neuesten Zahlen beunruhigen uns. Die Zahlen für das Haus liegen jetzt schon bei 1,4 Millionen Euro und übersteigen die vor Jahren vorgestellten deutlich. Nach unseren groben Schätzungen sind wir beim Gesamtprojekt, inklusive Wasserversorgung und dem Ausbau der Straße zum Kornberg, bereits bei sechs Millionen Euro. Ursprünglich waren vier Millionen veranschlagt. Wir verlangen Transparenz, es geht schließlich um öffentliche Mittel!"

Letztlich stimmten bis auf Jürgen Hoffmann (SPD) alle Kreisräte für den Haushalt. Ein weiterer Bericht über das Zahlenwerk folgt in einer der nächsten Ausgaben.

Autor

Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 03. 2019
18:34 Uhr

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Matthias Bäumler

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29. 03. 2019
18:34 Uhr



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