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Fichtelgebirge

"Wir brauchen Lehrer, die gestalten können"

Mehr Output, weniger Input - Digital-Coach Julian Ruckdäschel zufolge macht dies die Schule der Zukunft aus. Heute steht statt Kreativität Technik noch zu stark im Focus.



Interview: Julian Ruckdäschel, Medienpädagoge
Interview: Julian Ruckdäschel, Medienpädagoge  

Wie verändert sich der Unterricht im digitalen Zeitalter?

Selbst Lugy-Schüler

Julian Ruckdäschel bereitet nach Jahren als Realschullehrer nun als Medienpädagoge Lehrer, Schüler und Eltern auf die Digitalisierung vor. Der 31-Jährige ist in Nagel aufgewachsen und hat das Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel besucht, heute lebt er in Oberbayern. Am Montag beteiligte sich Ruckdäschel an der Diskussion über digitale Bildung im Landratsamt Wunsiedel und referierte im Bayern-Lab.

Er ist Projekt-basierter - ebenso wie das Berufsleben. Hierarchien werden abgebaut, weil kein Mensch alles kann. Es gibt wechselnde Zuständigkeiten und Zusammenschlüsse, je nach aktueller Anforderung. Bei Schülern steht gemeinsames Erschaffen von Lernprodukten wie Erklärvideos im Vordergrund. Unterricht wird weniger Lehrer-, sondern mehr Lerner-zentriert. Bislang gibt es drei Viertel Input und ein Viertel Output, künftig dreht sich das Verhältnis Richtung Exteriorisieren statt Interiorisieren. Bildung in der digitalen Welt heißt auch, eine Haltung und einen eigenen Sinn zu entwickeln.

 

 

Soll jede Schule ihr eigenes Medienkonzept entwickeln?

Ja. Aber es muss sich durch Vernetzung und ständigen Austausch immer neu Bedürfnissen anpassen, ohne starr zu sein. Jeder nutzt persönliche Lern-Netzwerke. Die Schulen brauchen für dieses Veränderungs-Management unbedingt Externe zur Unterstützung.

 

Gibt es bereits passende Weiterbildungen es für Lehrkräfte?

Twitter ist das beste Fortbildungs-Tool überhaupt. Unter #twitterlehrerzimmer finde ich Projektideen und Ansprechpartner für jedes Problem. Lehrer müssen bereit sein, lebenslang zu lernen. Man könnte ihnen zwei Stunden Unterricht pro Woche streichen und sie dafür verpflichten, sich fortzubilden. Denn es geht nicht darum, althergebrachte Ziele mit neuen Mitteln zu erreichen, sondern die Ziele selbst zu ändern.

 

Wie beurteilen Sie das Ziel, digitale Bildungsregion zu werden?

Immer mehr Schulen schmücken sich mit immer mehr Siegeln - oft ist nicht viel dahinter. Davor warne ich auch im Bereich Digitalisierung: Wer nur schaut, ob die Infrastruktur passt und dann schnell "Pädagogik vor Technik" als Mantra verkündet, übersieht, dass genau das Gegenteil passiert: Weil man sich mit didaktischen Möglichkeiten nicht auskennt, geht es hauptsächlich um die Technik. Erkennbar wird das spätestens, wenn ein Politiker medienwirksam vor einem Whiteboard posiert, um zu symbolisieren: Wir sind für die Digitalisierung gut aufgestellt. Auch die Kinder und Jugendlichen aus dem Kreis Wunsiedel nannten ihre Schulen für die Zukunft gerüstet, weil Beamer, PCs und Dokumenten-Kameras zur Verfügung stehen.

 

Was braucht es dafür wirklich?

Das Mindsetting muss sich ändern: Nicht die Technik ist die Herausforderung, sondern wir benötigen Lehrer, die gestalten können. Das 4K-Modell nennt die wichtigsten Kompetenzen im 21. Jahrhundert: Kommunikation, Kollaboration, Kritikfähigkeit und Kreativität. Aus dem Schüler-Feedback im Landratsamt ging am Montag hervor, dass im Unterricht zwar viel digital gearbeitet wird - doch Office 365 ist als einziges Beispiel für digitale Medien genannt worden, die im Unterricht gemeinsam genutzt werden. Die Kollaboration ist also noch äußerst schwach entwickelt, ebenso die Kreativität. Der Weg muss vom Konsumenten weg über den "Prosumenten" bis zum Produzenten und Kreator führen.

 

Warum ist das entscheidend?

Digitale Bildung entscheidet über Zukunftsfähigkeit - diesen gesellschaftlichen Wandel gut zu vollziehen, ist eine große Herausforderung. Wenn der Breitbandausbau und die Infrastruktur stimmen, haben ländliche Regionen keinerlei Nachteil gegenüber Ballungszentren - es ist völlig egal, wo jemand sitzt. Aber zunächst müssen Experten in die Provinz kommen, die ihr Know-how über diese neuen Formen des Arbeitens weitergeben.

 

Autor

Brigitte Gschwendtner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 04. 2019
17:12 Uhr

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Brigitte Gschwendtner

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Veröffentlicht am:
02. 04. 2019
17:12 Uhr



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