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Zahl der "Durchfaller" ist gering

Mit der Prüfung in Deutsch beginnt heute in Bayern das Abitur. Einer von 26 Abiturienten scheitert, sagt eine neue Erhebung. Doch das trifft auf die Region nicht zu.



Zwischen null und drei Prozent der Abiturienten aus der Region fallen durch die Abiturprüfung. Sie darf einmal wiederholt werden.	Foto: Lino Mirgeler/dpa
Zwischen null und drei Prozent der Abiturienten aus der Region fallen durch die Abiturprüfung. Sie darf einmal wiederholt werden. Foto: Lino Mirgeler/dpa  

Wunsiedel - "Da es beim Abitur in Deutschland erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Systemen gibt, darf man nicht alle über einen Kamm scheren", stellt Joachim Zembsch, Schulleiter des Luisenburg-Gymnasiums Wunsiedel, klar. Er warnt deshalb davor, das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der deutschen Presseagentur (dpa) verallgemeinernd zu interpretieren. Demnach würden bundesweit wieder mehr Schüler durch das Abitur rasseln. Zuletzt scheiterte laut dieser Auswertung einer von 26 Prüflingen.

Mindestens 100 Punkte

Da in Bayern alle fünf Abiturprüfungen vierfach mit maximal 15 Punkten gewertet werden, können Abiturienten 300 Punkte erreichen. Die Mindestzahl sind 100 Punkte. In Deutsch, Mathematik und einem weiteren Fach wird schriftlich geprüft, dazu gibt es zwei Kolloquien. Keine Prüfung darf mit null Punkten bewertet sein. In drei von fünf Prüfungsfächern müssen Schüler außerdem mindestens fünf Punkte schaffen, eines davon muss Deutsch, Mathe oder eine Fremdsprache sein. Mindestens in einem anderen dieser drei Fächer muss man vier Punkte erreichen.


Den Trend kann Zembsch, der bislang zehn Abiturjahrgänge betreut hat, für seine Schule nicht bestätigen. "Es gibt mit Sicherheit nicht mehr Durchfaller. Wir haben jährlich zwischen 90 und 120 Abiturienten, von denen in der Regel zwischen null und drei Prozent das Abitur nicht bestehen." Zum Bayernschnitt gebe es "keine Diskrepanz". Zudem gebe es seit der Einführung der neuen Oberstufe auch immer häufiger sehr gute Abiturergebnisse - unter anderem wegen der stärkeren Gewichtung mündlicher Leistungen, vermutet der Wunsiedler Schulleiter.

Eine Annahme zur Ursache eines bundesweiten Einbruchs hat er dennoch. "Seit 2017 gibt es einen gemeinsamen Aufgaben-Pool für alle Abiturienten, an dem sich zahlreiche Bundesländer bedienen und der die Anforderungen an die allgemeine Hochschulreife bundesweit angleichen soll."

Auch Stefan Niedermeier, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) in Marktredwitz, rät, bundesweite Vergleiche mit Vorsicht zu genießen: "Das ist schwierig, weil der Angleich des Abiturs zwischen den Bundesländern sehr schleppend vorangeht." Am OHG liege die Quote der Durchfaller im Schnitt zwischen einem und drei Prozent. 2014 haben es von 130 Abiturienten fünf nicht geschafft (3,8 Prozent), 2015 ist einer von 86 Schülern (1,2 Prozent) durchgefallen. 2016 haben die Abiturprüfung drei von 93 Schülern (3,2 Prozent) nicht bestanden. 2017 sind sechs von 110 Schülern (5,5 Prozent) durchgefallen, vergangenes Jahr war es einer von 97 (1,03 Prozent). "Außerhalb von Bayern kann das anders aussehen, aber von der Auswertung der dpa sind wir weit entfernt", sagt Niedermeier.

Trotzdem sei für viele Schüler die Verpflichtung der schriftlichen Prüfung in den Fächern Deutsch und Mathe eine Hürde. "Im G 9 war die Wahlfreiheit größer", erklärt der Schulleiter. Wer beispielsweise nicht gut schreiben kann, sei mit der mündlichen Deutschprüfung in der Regel besser gefahren.

Niedermeier hat außerdem den Eindruck, dass sich die Verteilung guter und schlechter Leistungen im Abitur verändert hat. "Es scheint seit der Einführung der G 8-Oberstufe mehr Spitzen und auch schlechtere Leistungen zu geben." Der Schulleiter vermutet, dass vor allem Schüler von der Umstellung profitiert haben, die immer leistungsbereit sind.

Wer das Abitur heute nicht schafft, hat bessere Karten als noch vor 15 oder 20 Jahren, ist Niedermeier sicher. "Firmen suchen derzeit händeringend nach Auszubildenden. Jeder findet sein Schlupfloch."

In Selb sieht es ähnlich aus. "Einen Zuwachs an Schülern, die das Abitur nicht bestehen, können wir nicht bestätigen", sagt Tabea-Stephanie Amtmann, Schulleiterin am Walter-Gropius-Gymnasium. Seit 2011 gebe es jährlich rund 100 Absolventen, von denen es einer bis drei, also im Schnitt ein bis drei Prozent, nicht schafften.

Für viele Prüflinge ist die Stoffmenge eine Herausforderung. "In den Abiturprüfungen wird ein viel breiterer Bereich abgefragt, als es die Schüler bislang gewohnt sind. Es ist deshalb wichtig, in der Oberstufe kontinuierlich dabei zu sein. Bulimielernen (das kurzfristige Pauken, Anm. der Redaktion) ist ein Problem", warnt Amtmann. Eine weitere Hürde sei, dass sich Defizite in den Basisfächern während der Kursphase durch kleine Leistungerhebungen wie Stegreifaufgaben und Mitarbeit ausgleichen lassen. Schüler, die sich im Mittelfeld bewegen, würden außerdem mit dem Nachmittagsunterricht kämpfen. "In Einzelfällen kommen schwere private Belastungen hinzu."

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Katharina Melzner

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Veröffentlicht am:
29. 04. 2019
19:58 Uhr

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Katharina Melzner

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