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Fichtelgebirge

Fehlendes Leergut ist totes Kapital

Wenn Kunden ihre Bierflaschen oder -kästen nicht zurückgeben, kann das teuer werden. Der Verband fordert eine Erhöhung des Pfands.



Auch wenn sich die leeren Bierkästen auf dem Gelände der Lang-Bräu in Schönbrunn stapeln, der Schein der Masse trügt. Pro verkauftem Kasten braucht das Unternehmen etwa vier, die im Umlauf sind: einer beim Kunden im Keller, einer beim Händler und einer beim Großhändler. Foto: Florian Miedl
Auch wenn sich die leeren Bierkästen auf dem Gelände der Lang-Bräu in Schönbrunn stapeln, der Schein der Masse trügt. Pro verkauftem Kasten braucht das Unternehmen etwa vier, die im Umlauf sind: einer beim Kunden im Keller, einer beim Händler und einer beim Großhändler. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel/Marktredwitz - Die Maifeiern läuten überall die großen und kleinen Feste ein. Wasser, Schorle, Limo, vor allem aber Bier fließt dann in Strömen. Ein Umstand, der die hiesigen Brauereien einerseits natürlich freut; andererseits haben sie zunehmend auch ein Problem, das sie auf Dauer teuer kommt. Denn viele Kunden sind eher "vergesslich", wenn es darum geht, das Leergut - Flaschen, Kästen oder gar Fässer - zurückzugeben. So manche Brauerei startet da schon mal einen Aufruf, die Kunden mögen doch leere Kästen oder Flaschen, für die sie ja immerhin Pfand bezahlt haben, zeitnah zurückgeben.

"Ja, das ist ein Problem", bestätigt Andreas Nothhaft, Juniorchef der gleichnamigen Brauerei in Marktredwitz. "Gerade im Sommer, wenn viele Feste stattfinden, kann da ein Engpass entstehen, und man bekommt so schnell keinen Ersatz, wenn Flaschen oder Kästen fehlen. Das dauert teilweise drei Monate."

Auch finanziell wirkt sich nicht zurückgegebenes Leergut für die Brauereien aus. "In Deutschland herrscht Pfandpflicht", erläutert Nothhaft. Das bedeutet, die Brauerei berechnet pro Bierflasche acht Cent und pro Kasten 1,50 Euro Pfand; für einen vollen Kasten also 3,10 Euro. "Das ist viel zu niedrig", betont der Brauerei-Juniorchef, "denn eine Bierflasche kostet neu 17 Cent. Wenn wir die Flaschen nicht zurückbekommen, ist das für uns ein Verlust." Ähnlich stellt sich das bei leeren Bierkästen dar: Für einen neuen zahlt die Brauerei 5,50 Euro.

Noch deutlicher fällt die Rechnung bei Fässern aus. Ein neues Party-Fass aus Edelstahl mit Kunststoff-Verkleidung kostet die Brauerei je nach Größe zwischen 100 und 130 Euro. Die Brauerei Nothhaft berechnet pro Fass einheitlich 15 Euro Pfand. Es gebe leider genug Kunden, die ein leeres Fass zwei bis drei Monate im Keller liegen ließen, bevor sie es zurückbrächten. "Das ist für uns totes Kapital", sagt Andreas Nothhaft, "weil sich die Anschaffung eines Fasses erst rechnet, wenn es mehrmals befüllt wird."

Der Präsident des Verbandes der Privaten Brauereien Bayerns, Georg Rittmayer, fordert daher eine deutliche Erhöhung des Pfandes, um nachlässige Kunden zu disziplinieren. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" forderte er jüngst, das Pfand zu "verdoppeln bis zu verdreifachen. Mindestens acht Euro pro Kasten mit Flaschen".

Eine Maßnahme, die auch Andreas Nothhaft und seine Kollegen für notwendig halten. "Wir müssen das Pfand erhöhen", sagt er, "sowohl für die einzelne Flasche als auch für den Kasten. Das wäre auf jeden Fall gerecht." Das Bier in Flaschen, Kästen und Fässern sei schließlich Kommissionsware, die der Kunde bei der Brauerei zurückgeben könne, wenn es nicht getrunken worden sei. "Der Kunde zahlt ja erst hinterher und nur das, was er gebraucht hat."

Für Rudolf Hopf von der Lang-Bräu Wunsiedel gibt es mehrere Gründe, weshalb das Leergut knapp wird. Je nach Nachfrage für bestimmte Biersorten müsse man Kästen nachordern. Dazu müsste man aber zwischen 10 000 und 30 000 Stück bestellen, und das komme teuer. "Um Kosten zu sparen, haben viele ihren Leergut-Pool nach unten gefahren", sagt Hopf.

Für die Brauereien ergebe sich außerdem eine Rechnung, die ein Außenstehender nicht kennen könne: "Wenn ich einen Kasten verkaufen will, brauche ich eigentlich vier Kästen, denn bis ein Kasten wieder zur Brauerei zurückkommt, bleibt einer beim Kunden, einer beim Händler und einer womöglich beim Großhändler", rechnet der Juniorchef der Lang-Bräu vor. Ein Teil der Kästen komme schnell zurück, der andere Teil aber eben nicht. "Wir beliefern selbst auch Einkaufsmärkte, und da kommt es darauf an, wie oft diese Touren gefahren werden."

Auch seien die Hersteller der Kästen derzeit total überlastet. "Da gibt es Wartezeiten von bis zu einem Jahr", sagt Hopf. "Der Sommer wird schwierig, denn dann wird wieder oft gegrillt, und die Leute kaufen eine Kiste Bier mehr. Was nicht getrunken wird, bleibt dann im Keller stehen." Auch er ist der Meinung: "Die Pfand-Erhöhung muss sein. Die ganze Branche braucht das unbedingt."

Seine Brauerei habe in der Vergangenheit bereits Aufrufe gestartet, die Kunden sollten doch das Leergut zurückbringen. Mit Erfolg. Allerdings kämen manchmal Bierkästen auch kaputt zurück, etwa wenn sie an Silvester als Abschussrampe für Raketen dienen mussten, oder total beschmiert, wenn sie bei Malerarbeiten als Hocker zweckentfremdet wurden. Rudolf Hopf: "Der Kunde sieht immer nur die 3,10 Euro Pfand für einen Kasten, für uns kostet er aber 8,90 Euro."

Für Andreas Purucker, Chef der Hönicka-Bräu in Wunsiedel, ist weniger die Knappheit des Leerguts problematisch als vielmehr dessen "Reinheit". Will heißen: Seine Brauerei erhält immer mehr fremde Flaschen zurück. Das falle bei Hönicka besonders ins Gewicht, da die Brauerei vier verschiedene Flaschen-Formen verwendet, darunter welche mit Schraubverschluss, die im Einkauf das Doppelte einer Flasche mit Kronkorken kostet. Trotzdem verlange man pro Flasche nur acht Cent Pfand. "Wir müssen sehr viel sortieren", berichtet er. "Das wird immer schwieriger. Wir sortieren auch schlechte Flaschen aus und tauschen sie gegen neue." Vor allem, wenn eine Lieferung weiter weg gehe, landeten die Flaschen irgendwo und das Leergut sei weg. Purucker: "Man kann sagen: Je weiter weg wir liefern, desto mehr Fremdflaschen kommen zu uns zurück."

Autor

Kerstin Starke
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Veröffentlicht am:
30. 04. 2019
16:48 Uhr

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Kerstin Starke

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Veröffentlicht am:
30. 04. 2019
16:48 Uhr



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