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Sieben auf einen Streich

Das ist rekordverdächtig: Eine Gruppe von knapp 20 jungen Männern und Frauen stiehlt sieben Maibäume. Alle werden ausgelöst und können aufgestellt werden.



Wenn schon, dann richtig: Das haben sich die fleißigen jungen Maibaumdiebe gedacht und in den letzten Tagen gleich in sieben Orten zugeschlagen. Foto: Herbert Scharf
Wenn schon, dann richtig: Das haben sich die fleißigen jungen Maibaumdiebe gedacht und in den letzten Tagen gleich in sieben Orten zugeschlagen. Foto: Herbert Scharf  

Marktredwitz - Das "Maibaumteam", wie sich die etwa 20 Mitglieder im Alter von 18 bis 30 Jahren aus Marktredwitz und Umgebung nennen, darunter auch vier junge Frauen, hat in den vergangenen Nächten wenig Schlaf abbekommen. Seit einigen Tagen, besser gesagt Nächten, sind die jungen Leute in einem geheimen Auftrag unterwegs. Ihr Ziel sind die Maibäume in der ganzen Umgebung.

Stadt hilft

Nach dem tödlichen Unfall mit einem Maibaum im vergangenen Jahr in Treuchtlingen wurden die Sicherheitsmaßnahmen für Maibäume erheblich verschärft. So sehr, dass manche Vereine schon Bedenken hatten, dass immense Kosten für TÜV-Überprüfungen und andere Vorkehrungen auf sie zukommen. Bei einer Besprechung vor einigen Wochen lud Oberbürgermeister Oliver Weigel alle Vereine zu einer Besprechung ein. Dabei, informiert die Pressestelle der Stadt auf Anfrage der Frankenpost , wurde vereinbart, dass die Stadt Marktredwitz sowohl die Fürsorge für die Überprüfungen als auch die Kosten der Versicherung übernimmt.

 

Nach einem alten Brauch werden seit jeher Maibäume nicht gestohlen, sondern nur entführt. Und zwar mit der Absicht, den Baum rechtzeitig wieder zurückzugeben. Allerdings nicht umsonst. Die übliche Auslöse ist, wenn er den Baum wiederhaben will, vom Besitzer in Form von Bier und Brotzeiten zu bezahlen.

 

Das "Maibaumteam" ist eine Vereinigung, die schon seit Jahren immer vor dem 1. Mai unterwegs und auf der Suche nach Maibäumen ist. Für gewöhnlich werden die Maibäume ja vor dem 1. Mai entweder bestens versteckt oder aber rund um die Uhr, vor allem nachts, bewacht. Ein Umstand, der das Team besonders reizt.

Etwas Erfahrung ist da schon vonnöten, aber auch vorhanden. Da wissen alte Hasen wie einer der Akteure schon Bescheid, der seit seinem 14. Lebensjahr mit auf Maibaumklau unterwegs ist und heute 29 Jahre alt ist.

Da muss erst einmal das Versteck der Bäume ausgekundschaftet werden. Wenn das bekannt ist, geht es an die Planung. In den vergangenen Jahren haben sich die Mitglieder des Teams eine eigene Logistik zurechtgezimmert. Ein großer Traktor, aber auch Ladevorrichtungen und Werkzeug sind unverzichtbar.

Als ersten brachten die nächtlichen Besucher den Neusorger Maibaum in ihre Gewalt. Inzwischen ist er schon wieder ausgelöst und kann wie geplant aufgestellt werden. Kurz darauf war es der Maibaum in Schwarzenreuth. Es folgten Bäume in Waldershof, Höchstädt, Tiefenbach, Oberredwitz und Leupoldsdorf. Besonders stolz ist das Team auf seinen Coup in Leupoldsdorf. Dort wurde der Baum immerhin seit 22 Jahren nicht mehr gestohlen, so gut wurde er bewacht. Auch diesmal war es kein Kinderspiel. War der 29 Meter lange Baum doch sogar mit einer Alarmanlage gesichert. Kein Problem für die erfahrenen Teammitglieder, unter ihnen viele geschickte Handwerker. Auch der Tiefenbacher Baum war eine Herausforderung. Er war immerhin in einer Scheune knapp unter dem Dachfirst versteckt. Da brauchte es nicht nur genügend Muskelkraft, sondern auch Geschick, ihn von dort herauszuholen, Mit Hilfe von "Schwalben", wie sie zum Aufstellen von Maibäumen verwendet werden, gelang es. Und beim Aufladen war eine "Ameise", ein motorisiertes Hebegerät, behilflich.

Dass sie diesmal auch den Oberredwitzer Maibaum in die Hände bekamen, freut die jungen Diebe besonders, hatten sie das gute Stück doch schon einmal geklaut. Weit aber kamen sie nicht damit. Gleich bei einem der nächsten Häuser entdeckte ein Mitglied des Oberredwitzer Teams das Beutestück samt Entführer und veranlasste eine umgehende Rücklieferung auf den Preusshof.

Viel Schlaf bekamen die Akteure in den letzten Nächten nicht ab. Zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens waren sie unterwegs, um ihrem Hobby zu frönen. In erster Linie natürlich, um das alte Brauchtum zu pflegen. Nicht wegen des Erlöses, erzählen sie augenzwinkernd. Und natürlich macht das Ganze auch gehörig Spaß.

Dankbar sind die jungen Leute auch der Arzberger Bäckerei Goller. Denn hier konnten sie sich nach erfolgreich verrichteter Arbeit schon öfter mal mit einem guten Frühstück mit frischen Semmeln aus dem Backofen stärken.

Nicht immer waren die Verhandlungen über die Herausgabe ganz einfach. Manche bezahlten ohne Umschweife. Andere wiederum stellten sich zunächst einmal quer und wollten weniger bis nichts berappen. Schließlich einigte man sich in allen sieben Fällen. Als "Serviceleistung" wurden die Maibäume kostenlos wieder an ihren Bestimmungsort geliefert. Klar ist, dass das Maibaumteam, das sich auch während des Jahres öfter trifft, demnächst einige ordentliche Feiern halten kann. Der Erlös der Maibaumaktionen kann sich sehen lassen: 500 Liter Bier und dazu ausreichend Brotzeiten.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
30. 04. 2019
16:52 Uhr

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Herbert Scharf

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30. 04. 2019
16:52 Uhr



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