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Fichtelgebirge

Schamlos ausgenutzt: Rentnerin muss ins Gefängnis

Eine 76-Jährige hat sich am Tod einer Nachbarin bereichert. Vor dem Amtsgericht brechen die Lügengeschichten der Angeklagten wie ein Kartenhaus zusammen.



Wunsiedel - Bereits zum vierten Mal sitzt eine 76 Jahre alte Rentnerin aus dem Landkreis Wunsiedel auf der Anklagebank des Wunsiedler Schöffengerichts. Es geht um Betrug und Untreue - Betrug und Untreue zulasten der Erben einer verstorbenen Nachbarin. Dass die Sache bereits zum vierten Mal vor Gericht verhandelt wird, liegt daran, dass die Frau immer wieder neue Geschichten auftischt, um sich zu entlasten. Letztlich aber ohne Erfolg; mit ihren Schilderungen kam sie vor Gericht nicht durch.

Aber der reihe nach: Schon vor einigen Jahren ist die Nachbarin der Angeklagten gestorben. Die Frau, deren Sohn in den USA lebte, war einsam und zuletzt auch hilfsbedürftig. So kümmerte sich die Angeklagte um die Nachbarin. Sie fuhr sie zum Einkaufen, zum Arzt und erledigte Botengänge für sie.

Leider nicht aus reiner Nächstenliebe. Das aber kam erst nach und nach heraus, als die Frau schon tot war. Denn sogar am Tod der alten Frau bereicherte sich die Rentnerin. Sie kontaktierte den Sohn in den USA. Der aber konnte nicht gleich nach Deutschland kommen und stellte der Nachbarin gutgläubig eine Vollmacht aus, die sie ermächtigte, sich um die Beerdigung und Zahlungen zu kümmern.

Diesen Umstand allerdings nutzte die Frau schamlos aus. Für Sterbeurkunden, die ein paar Euro kosten, zahlte sie sich von dem Konto der Verstorbenen 400 Euro aus. Für Überführung und die Beerdigungskosten bediente sie sich in ähnlichem Umfang. Auch die rund 4000 Euro von der Sterbekasse waren weg. Das allerdings fiel dem Sohn erst später auf. Er beauftragte einen Anwalt und bat seinen Sohn, der in Deutschland lebt, um Nachforschungen.

Und auch die Regierung von Oberfranken war geschädigt. Denn die Frau war in den letzten Jahren in einem Pflegeheim untergebracht, das teilweise von der Regierung mit bezahlt wurde. Im Gegenzug aber hätte das Geld der Verstorbenen an die Regierung gehen müssen.

Schließlich kam es zu einer Anklage wegen Betrugs und Untreue. Noch während der ersten Verhandlung sorgte die Frau selber für eine Überraschung.

Für einen Betrag über 22 000 Euro, die vom Konto der Verstorbenen noch zu deren Lebzeiten abgehoben wurden, hatte sie eine abenteuerliche Erklärung parat. Durch ihre Vermittlung habe die alte Frau einem ihr völlig unbekannten US-Soldaten das Geld geliehen, damit der sich nach einem Unfall ein neues Auto kaufen könne.

Auf die hartnäckigen Nachfragen des Richters und Staatsanwalts hin wurde die Geschichte immer abenteuerlicher. Zunächst soll der arme Mann, ein Leutnant der US-Armee, in Afghanistan schwer verletzt worden sein. Später soll er sogar seinen Verletzungen erlegen sein. Also musste die Verhandlung zunächst unterbrochen werden. Die Polizei wurde mit Ermittlungen nach dem mysteriösen Soldaten beauftragt.

Wie schon zu Beginn vermutet, führten die Ermittlungen nicht zum Erfolg. Der damit beauftragte Polizeibeamte sagte nun als Zeuge aus, dass weder ein Leutnant mit dem genannten Namen in Ramstein stationiert war und es auch keinen Toten dieses Namens gegeben hat. Trotz allem beharrte die Angeklagte darauf, dass sie selber dem Mann aufgesessen sei und nicht selbst das Geld genommen habe.

Dem jedoch schenkte das Gericht wenig Glauben. Und als der Richter nicht weniger als zehn Vorstrafen, in erster Linie wegen Betrugsdelikten, vorlas, machte das die Sache nicht glaubwürdiger.

"Die Frau hat den Tod der Nachbarin und das Vertrauen ihres Sohnes ausgenutzt, um sich selber zu bereichern", sagte der Staatsanwalt. Den angeblichen Soldaten habe es nie gegeben. Er forderte eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, nachdem die Straftaten noch in einer Bewährungszeit verübt worden waren.

Der Verteidiger meinte hingegen, man könne die Existenz des Soldaten nicht ausschließen. Deshalb forderte er eine mildere Strafe, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Zumal die Frau in Raten den von ihr angerichteten Schaden zurückzahle.

Der Richter folgte nicht nur den Argumenten, sondern auch dem Antrag des Staatsanwalts. Er verurteilte die Frau zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Von Mal zu Mal habe die Rentnerin eine weitere Lügengeschichte aufgetischt, bis schließlich das ganze Lügengebäude zusammengebrochen sei, sagte er in seiner Urteilsbegründung.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
18:10 Uhr

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09. 05. 2019
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