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Fichtelgebirge

Ein Lanze für die Folie

Mit Verpackung halten Gurken länger - davon ist Andrea Müller, kaufmännische Leiterin der Firma Kirschneck in Selb, überzeugt. Der Neubau beeindruckt Ilse Aigner.



Selb - "Sollen wir investieren oder nicht?" Andrea Müller, rechte Hand des Unternehmers Toralf Kirschneck, der in Selb täglich rund 60 Tonnen Folien produziert, erinnert beim Besuch von Landtagspräsidentin Ilse Aigner am Donnerstagnachmittag daran, was die Firma umgetrieben hat, letztlich zwischen 2017 und 2019 insgesamt 13 Millionen Euro zu investieren. "Weil wir zwei Millionen Euro Zuschuss vom Freistaat bekommen haben." Da strahlt die Präsidentin übers ganze Gesicht: "Genau dafür ist es gedacht, um die Unternehmen zu motivieren."

Auf 60.000 Quadratmetern produziert Kirschneck heute "zu 100 Prozent recyclebare PE-Folien für die Bau- und Verpackungsindustrie". Während sich Verbraucher, Umweltschützer, Politiker und Produzenten derzeit weltweit ein Gefecht liefern wegen zu viel Plastik, das die Umwelt belastet, bricht kaufmännische Leiterin Andrea Müller eine Lanze für das Produkt aus dem Hause Kirschneck. "Wir sind der Meinung, dass sich in Plastik verpackte Lebensmittel wie Paprikaschoten oder Gurken wesentlich länger halten." Entgegen anders lautender Meinungen sorge man dafür, dass eine Gurke so anstelle von drei Tagen bis zu 20 Tagen frisch bleibe, versichert Müller. "Dazu gibt es keine Alternative."

Das 1968 gegründete Selber Unternehmen habe sehr früh erkannt, nämlich schon in den 70er-Jahren, dass man aus Folienabfällen noch etwas machen könne. "Kunststoffe sind ja ein bisschen in Verruf geraten, doch allein im letzten Jahr haben wir 1360 Tonnen recycelt, was einem Wert von zehn Milliarden Euro entspricht", so die kaufmännische Leiterin. Mit effizienteren Maschinen wolle man den Jahresumsatz von 34 Millionen Euro noch steigern. Auch die Mitarbeiterzahl steuere von 120 auf 130 zu.

Doch die zu bekommen, sei in der heutigen Zeit trotz Fachkräftemangels nicht einfach, bekennt Andrea Müller. "Es fehlen oft Motivation, Verbindlichkeit, Teamfähigkeit, solziales Verhalten und die Bereitschaft, Schicht zu arbeiten, zumal bei uns die Maschinen rund um die Uhr laufen." Etwa 20 Nationalitäten arbeiteten bei Kirschneck, was es nicht immer leicht mache. "Einige Flüchtlinge sind bei uns gut integriert, aber die Sprachkurse müssten intensiviert werden", richtet sie eine Bitte an die Politikerin aus München. "Denn die Leute müssen Anweisungen und Sicherheitsvorschriften verstehen."

"Wir wären nicht mehr wettbewerbsfähig, wenn wir nicht befreit würden bei der Stromversorgung", verdeutlicht die rechte Hand des Chefs zum Thema EEG-Umlage. Und auch die ausufernde Bürokratie treibe einen zuweilen in den Wahnsinn. "Die Politik müsste die Bürokratie und das aufwendige Energiemanagement im Blick behalten", appelliert sie an die Landtagspräsidentin.

Ilse Aigner lobt das Familienunternehmen für seine Flexibilität und Standorttreue. "Es gibt ein gutes Gefühl, dass das Geld, das uns der Steuerzahler zur Verfügung stellt, hier gut investiert wird." Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, der neben Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und Landrat Dr. Karl Döhler beim Besuch Aigners dabei ist, bezeichnet die 13 Millionen Euro, die Kirschneck ins Unternehmen gesteckt hat, als "kapitale Investition". Darauf sei auch die Politik stolz. "Kirschneck ist ein wichtiger Arbeitgeber am Standort Selb."

Bei einem Rundgang durch den Neubau kann sich die Landtagspräsidentin ein Bild davon machen, was und wie in dem mächtig gewachsenen Unternehmen produziert wird. Und sie versichert, ehe sie wieder nach München zurückfährt: "Ihre Botschaften habe ich mitgenommen."

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
17:52 Uhr

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Peggy Biczysko

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10. 05. 2019
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