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Rempler mit Kunst kommt teuer

Kann ein Bilderrahmen eine Waffe sein? Im Prinzip ja, wie eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Wunsiedel zeigt. Nämlich dann, wenn jemand verletzt wird.



Wunsiedel - Es hatte eigentlich ein schöner Ausflug zu Verwandten im Landkreis Wunsiedel werden sollen. Dafür hatte ein älteres Paar, er 74 und sie 67, eine lange Anfahrt in Kauf genommen. Umso ärgerlicher für die beiden, dass ein Auto mit drei jungen Damen genau vor der Einfahrt der Verwandtschaft parkte und die Fahrerin gerade nicht da war.

Denn die Besucher hatten Gepäck dabei und wollten auspacken. Weil die Fahrerin nicht zu erreichen war, parkten die Senioren ihr Auto dicht hinter dem Fahrzeug der drei jungen Damen. Und zwar derart, so jedenfalls schilderten es die drei später vor Gericht, dass sie nun gar nicht mehr wegfahren konnten. Das sorgte nicht gerade für gute Stimmung. Mangels Wegfahrmöglichkeit stiegen die drei aus und sahen dem Treiben des älteren Paares zu. Und es scheint da ein Wort das andere gegeben zu haben. Da fielen auf der einen Seite Bemerkungen, dass da wohl das Altenheim die bessere Adresse wäre. Und auch das ältere Paar hat sich offenbar nicht zurückgehalten.

Unter den Sachen, die aus dem Auto in das Haus der Verwandten mussten, waren auch zwei schwere Bilderrahmen. Diese trug die ältere Dame vom Kofferraum in Richtung Haus. Und dabei muss es passiert sein: Mit einem der Bilderrahmen, so lautete die Anklage bei einer Verhandlung vor dem Wunsiedler Amtsgericht, soll die Frau eine der jungen Damen so gestoßen haben, dass sie dabei verletzt wurde. Was ein ärztliches Attest bestätigte und Druckstellen und Hämatome bescheinigte.

Die drei gingen deshalb zur Polizei und erstatteten Anzeige. Die Polizei ermittelte, und schließlich lautete die Anklage auf gefährliche Körperverletzung. Gefährlich deshalb, weil in diesem Fall der Bilderrahmen nicht der Kultur oder Kunst zugerechnet wurde, sondern als Waffe zählte. Und so kam die 67-jährige Geschäftsfrau, bisher völlig unbescholten, auf die Anklagebank des Wunsiedler Amtsgerichts.

Hier gingen die Meinungen und Erinnerungen an das Geschehen im Februar des vergangenen Jahres weit auseinander. Während die Senioren jegliche Berührung mit den jungen Damen leugneten, sagten diese übereinstimmend aus, dass die Frau sehr wohl mit dem Rahmen zugestoßen habe. Auch der ermittelnde Polizeibeamte bezeichnete die Zeuginnen als glaubwürdig. Der Vater eines der Mädchen berichtete, dass seine Tochter weinend nach Hause gekommen sei und den Vorfall so geschildert habe, wie es in der Anklage stehe.

Das sah auch die Staatsanwältin als erwiesen an und forderte eine Geldstrafe von 6000 Euro. Der Verteidiger hingegen verwies auf die unterschiedlichen Schilderungen und forderte Freispruch. Die Richterin verurteilte die 67-Jährige zu einer Geldstrafe von 4800 Euro. Dazu kommen noch die Kosten des Verfahrens.

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Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
18:38 Uhr

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14. 05. 2019
18:38 Uhr



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