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Fichtelgebirge

Eger stoppt Planung für Müllheizkraftwerk

Die Bürger im Fichtelgebirge müssen keine Angst mehr vor giftiger Luft aus Tschechien haben. Bürgermeister Antonín Jalovec hat den Bauantrag bei den Behörden zurückgezogen.



Viel Kraft haben tschechische Politiker in den vergangenen Jahren in die Planung einer in Deutschland und Tschechien umstrittenen Müllverbrennungsanlage in Eger (Cheb) gesteckt. Doch jetzt steht fest: Die Anlage wird nicht gebaut. Symbolbild: Henning Kaiser/dpa
Viel Kraft haben tschechische Politiker in den vergangenen Jahren in die Planung einer in Deutschland und Tschechien umstrittenen Müllverbrennungsanlage in Eger (Cheb) gesteckt. Doch jetzt steht fest: Die Anlage wird nicht gebaut. Symbolbild: Henning Kaiser/dpa  

Eger/Wunsiedel - Für große Aufregung im Landkreis Wunsiedel haben die intensiven Vorarbeiten der tschechischen Nachbarstadt Eger für den Bau eines Müllheizkraftwerkes vor ein paar Jahren gesorgt. Danach wurde es still. Endlich ist jetzt klar:Die Verbrennungsanlage wird nicht gebaut. Das bestätigte Antonín Jalovec, der Bürgermeister von Eger, der tschechischen Nachrichtenagentur CTK (Ceskoslovenská tisková kancelár) am Montag. Ein entsprechender Antrag bei der Bauaufsichtsbehörde werde zurückgezogen.

 

?Was wollte die Stadt Eger
genau bauen?

Bauherr des Kraftwerks ist die Gesellschaft Terea, eine gemeinsame Tochtergesellschaft der Stadt Eger und des deutschen Versorgers Gelsenwasser AG. Die Anlage sollte in der Endausbaustufe jährlich etwa 20 000 Tonnen Hausmüll verbrennen und so Strom- und Heizenergie gewinnen. Im Vergleich zu den Verbrennungsanlagen in Bamberg und Schwandorf wäre das Projekt in Eger ein relativ kleines Kraftwerk geworden. In Bamberg werden jährlich mehr als 100 000 Tonnen und in Schwandorf rund 400 000 Tonnen Müll verbrannt. Entstehen sollte das Werk in einem Industriegebiet hinter Bahngleisen am östlichen Stadtrand von Eger. Dr. Pavel Vanoušek war 2013 Bürgermeister in Eger und begründete der Frankenpost gegenüber die Motivation für die Planungen so: Die Stadt Eger wolle die Gebühren für die Müllentsorgung niedrig halten. Außerdem sollte heißer Dampf ins Fernwärmenetz eingespeist werden.

 

?Warum kämpfen die Grünen und der Bund Naturschutz im Landkreis Wunsiedel gegen das ausländische Projekt?

"Dass das Kraftwerk nicht gebaut wird, ist eine schöne Nachricht", sagt Fred Terporten-Löhner, der Vorsitzende des BN (Bund Naturschatz) im Landkreis Wunsiedel im Gespräch mit der Frankenpost erfreut. Er erläutert, dass sich Luftschadstoffe wie Dioxine, Quecksilber und schwermetallhaltige Feinstäube im inneren Fichtelgebirge wegen der hufeisenförmigen Gebirgskette leicht stauen könnten. Diesen Effekt spürten die Menschen im Fichtelgebirge schon vor der Grenzöffnung durch den oft sehr unangenehmen "Katzendreckgestank". Der "Böhmische Wind" trug die Luftmassen aus dem Osten besonders im Winter häufig ins deutsche Grenzland. Diese Abgase voller stinkendem Schwefeldioxid entstanden in tschechischen Kohlekraftwerken, die damals nur geringfügig gefiltert wurden.

 

?Wie beurteilen Wissenschaftler die potenzielle Gefahr für das Fichtelgebirge?

In einem Gutachten untersuchte der Bayreuther Professor Dr. Thomas Foken, er ist inzwischen im Ruhestand, die Luftströmungen von Böhmen nach Bayern. Der Lehrstuhlinhaber für Mikrometeorologie kam zu dem Ergebnis, dass der Standort Eger für eine Müllverbrennungsanlage völlig ungeeignet ist. Auf Grund der häufigen Inversionswetterlagen entstehe eine Sperrschicht in bestimmten Höhen, die dafür sorge, dass Schadstoffe in hoher Konzentration über dem Landkreis Wunsiedel schweben. "Die Schadstoffkonzentration in Oberfranken kann doppelt so hoch sein wie in Eger, wo sie entsteht", meinte der Wissenschaftler. Brigitte Artmann, die Kreisvorsitzende der Grünen im Landkreis Wunsiedel, durfte damals kulanterweise an der Umweltverträglichkeitsprüfung des Projekts teilnehmen. "Wir wussten, dass die Anlage nicht gebaut werden kann", betont sie im Gespräch mit der Frankenpost. Denn Furane und Dioxine würden nur bei Anlagen mit extrem hohen Temperaturen geknackt" und in Eger sei ein anderes Verfahren projektiert worden. Und Quecksilber halte sowieso kein Filter auf.

 

?Wie reagieren deutsche
Politiker auf die Planungen?

Im Gegensatz zu den besorgten Bürgern und Naturschützern im Landkreis Wunsiedel hatten weder das bayerische Umweltministerium noch der Kreisausschuss im Landkreis Tirschenreuth Bedenken gegen das Müllkraftwerk. In einem Schreiben an den damaligen Innenminister Dr. Hans-Peter Friedrich machte Umweltminister Dr. Marcel Huber deutlich, dass er keine negativen Auswirkungen für Oberfranken durch die Müllverbrennungsanlage in Eger befürchte. Er verwies dabei auf die strengen europäischen Bestimmungen.

Um den Ängsten der deutschen Nachbarn entgegenzuwirken, präsentierten Bürgermeister Vanoušek und der Geschäftsführer der Gesellschaft Terea, Steffen Zagermann, das Projekt im April 2013 dem Tirschenreuther Kreisausschuss. Für den Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert von den Freien Wählern war damals entscheidend, dass die Immissionswerte nach dem EU-Recht als unbedenklich eingestuft werden könnten. Anton Dutz, CSU-Kreisrat und Bürgermeister von Wiesau, bezeichnete die Müllverbrennung in Eger während der Sitzung als "eine beherrschbare Sache". Auch Vertreter der Grünen und der SPD äußerten sich ähnlich.

Eine andere Sicht der Dinge hatte die Rehauerin Elisabeth Scharfenberg, die damals Bundestagsabgeordnete der Grünen war. Sie betonte damals in einer Pressemeldung, dass die deutschen Emissionswerte für die Müllverbrennung deutlich strenger seien als die EU-Werte.

 

?Gibt es auch Widerstand in Tschechien?

Ja. Genauso wie in Deutschland formierte sich auch in Tschechien Widerstand bei Umweltverbänden. Die Organisation Arnika, die Artmann für Profis im Bereich von Luftschadstoff hält, informierte darüber, dass die 2013 verwendeten Filter in der Müllverbrennungsanlage Liberec auch kein Dioxin zurückhalten würden. Die tschechischen Umweltschützer befürchteten zusätzlich "Mülltourismus" aus Deutschland. Sie forderten, verstärkt auf das Thema Recycling zu setzen. Im Gegensatz zu Deutschland falle in Tschechien wesentlich mehr Restmüll an.

Autor

Alexandra Hautmann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 05. 2019
17:36 Uhr

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16. 05. 2019
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