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Fichtelgebirge

Jung, wild und wundervoll

In einem Musical zeigen die Kinder des Wunsiedler Jugendhilfezentrums St. Josef, dass es viele Wege gibt, die man gehen kann. Das Publikum dankt mit tosendem Applaus.



Hochkonzentriert präsentierten die jungen Sänger ihre Lieder in der Fichtelgebirgshalle. Fotos: Matthias Kuhn
Hochkonzentriert präsentierten die jungen Sänger ihre Lieder in der Fichtelgebirgshalle. Fotos: Matthias Kuhn   » zu den Bildern

Wunsiedel - Der Saal der Fichtelgebirgshalle ist brechend voll. Der Beginn verzögert sich, weil noch Zuschauer umgesetzt werden, um weitere Plätze frei zu bekommen für "Jung, wild und wundervoll" - Ein Musical der Kinder des Jugendhilfezentrums Sankt Josef.

Zu Beginn erweckt Jasmin Ammon, die später auch den Abend moderieren wird, ihre Freunde, die verzweifelt am Boden kauern. "Ich bin ein kleiner Tropfen", heißt die Anfangsnummer. Eine einfache Berührung, die so viel auslöst, denn "Ev’ry little thing she does is magic." Dann begrüßt Wolfgang Zernak das Publikum, und zusammen mit Jasmin Ammon führt er die Zuschauer in das bestimmende Thema des Abends ein: Wege, vor allem individuelle Wege, die jeder zurücklegen muss, um seinen Lebensweg zu beschreiben und zu beschreiten. Die kurzen, aber prägnanten Spielszenen zeigen den Weg von Matthias auf, der beim Drogenhandel aufgegriffen wird und dessen Leben nach dem Unfall, bei dem seine Eltern umgekommen sind, komplett aus der Bahn geworfen wurde.

Seine Großeltern sind vollkommen überfordert. Zwischendurch tritt der Chor auf, mit Songs wie "Einer aus 80 Millionen" oder "We are the world." Er wird unterstützt von einer Liveband mit Rainer Kolbeck, Werner Sladek, Felix Wolf, Leon Neudert und Barbara Sendbühler. Der Weg von Matthias führt über die Polizei und das Jugendamt in das Jugendhilfeheim Sankt Josef, die Gruppe Regenbogen. "Ich bin ein Heimkind, und darauf bin ich stolz" ist ein Song, der die Zuschauer voll mitreißt, alles klatscht und johlt. Beim anschließenden Shuffle zeigen die Jugendlichen Street Dance vom Feinsten.

Jasmin erklärt ihren Tagesablauf. Als Wolfgang daraufhin im Publikum nachfragt, zeigt sich, dass es kaum einen Unterschied zu den Externen gibt. Die Idee, Hausaufgaben toll zu finden, zieht sofort zur Gegendemo nach sich, und auch sonst stehen die Kinder für ihre Interessen ein. Die Texte sind kurz, einfach, direkt und auf den Punkt gebracht, das zeigt sich auch beim Video: "Die Schatzsucher". Die Choreografien der Tanznummern sind genauso direkt. Dazu braucht es kein überdrehtes Kunstansinnen, sondern die pure Spielfreude der Kinder und natürlich anstrengende Proben im Vorfeld über Wochen und Monate.

Kulturprogramm der besten Art haben sich die Jugendlichen vorgenommen und eindrucksvoll umgesetzt. "Wer friert uns diesen Moment ein" beginnt der Vortrag von "Ein Hoch auf uns." Die nächste Szene führt uns in das Leben in der Mädchenwohngruppe ein. Unterschiedlichste Charaktere müssen zusammenfinden, und auch wenn die Stimme aus dem Off die Geschichte als Märchen erzählt, ist das bei diesen "Drama Queens" nicht immer märchenhaft. "Ho Hey" mit den drei Solistinnen beschwört den Zusammenhalt und die Beziehungen in der Einrichtung.

Die Moderationen bringen immer wieder Fakten. 80 Betreuer hat die Einrichtung, vor allem Erzieherinnen und Erzieher. "Einsam? Oder Gemeinsam?", eine Tanznummer, versucht das besondere Verhältnis der Mitarbeiter zu den Heimkindern darzustellen. Da werden Umarmungen, Fürsorge und Zusammenhalt gezeigt. Ein Einhorn macht Wolfgang darauf aufmerksam, dass Heimkinder dieselben Träume haben wie andere Kinder. Feuerwehrmann und Krankenschwester, Forscher und Abenteurer sehen wir bei einer Szene, wo ein Wissenschaftler einen Affen für seine Forschung braucht und die ganze Affenbande gejagt wird, damit einer nach New York kommt.

Was immer wieder in den Vordergrund tritt, ist die Tatsache, dass Heimkinder ein ganz normales Leben führen. "No Drama Lama" führt dann eines der wichtigsten Themen des Abends ein: Beziehungen und die Liebe. Ob ein Haustier über eine Trennung hilft und dann auch wieder Wege zu einem neuen Partner öffnet oder ob es "Eine weiße Rose" für Jenny gibt. Es scheint, dass jeder Bewohner und Mitarbeiter des Sankt Josefsheims wenigstens für einen kurzen Auftritt auf der Bühne erscheint. Stellvertretend seien nur Antonia Dietz und Barbara Wolf genannt, die die Gesamtleitung des Abends übernommen hatten. Auch die Choreografinnen Johanna Bellas, Maria Kempken und Vivian Eggers haben die Jugendlichen eindrucksvoll präsentiert.

Die Liste der Aktiven im Programm geht über zwei Seiten, alle hätten es verdient, genannt zu werden, denn sie alle haben es geschafft, dass am Ende der ganze Saal stand und euphorisch applaudierte. Nach diesem Abend besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Kinder des Jugendhilfeheims Sankt Josef jung, wild und vor allem wundervoll sind.

Autor

Matthias Kuhn
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Veröffentlicht am:
20. 05. 2019
17:30 Uhr

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Matthias Kuhn

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20. 05. 2019
17:30 Uhr



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