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Fichtelgebirge

Wasserstoff-Anlage soll bis 2021 stehen

Der Siemens-Konzern ist vom "Wunsiedler Weg" überzeugt. Viele Vertreter von Politik und Wirtschaft aus der Region sind an dem alternativen Energieträger interessiert.



In einer Elektrolyse-Anlage wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
In einer Elektrolyse-Anlage wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa   » zu den Bildern

Wunsiedel - Gut möglich, dass eines Tages im Landkreis Wunsiedel Busse nicht mehr Diesel, sondern Wasserstoff tanken. Schon in absehbarer Zeit könnte das Fichtelgebirge die Wasserstoff-Region in Deutschland werden. Der Siemens-Konzern treibt zusammen mit dem Wunsiedler Energieversorger SWW die Produktion des alternativen Energieträgers im wahrsten Wortsinn mit Hochdruck voran (wir berichteten). Am Dienstagabend trafen sich im "Haus der Energiezukunft" in Wunsiedel fast alle Bürgermeister aus dem Landkreis und ein gutes Dutzend Vertreter von Industrie und Gewerbe, um die Chancen einer Elektrolyse-Anlage zu diskutieren.

Warum Wunsiedel? Auf diese Frage hat Andreas Schmuderer, Leiter der Sales Consultings bei Siemens eine einfache Antwort: "So ein Set-Up wie in Wunsiedel gibt es praktisch kein zweites Mal in Deutschland." Der Erlangener Konzern arbeitet auf verschiedenen Feldern mit der SWW zusammen - unter anderem errichtete Siemens im Energiepark in Holenbrunn einen riesigen Batteriespeicher. Schmuderer geht fest davon aus, dass bis im Jahr 2021 eine Elektrolyse-Anlage von Siemens dazukommt. Diese wird der Konzern zwar konzipieren, Betreiber wird aber voraussichtlich ein eigens gegründetes Unternehmen mit verschiedenen Gesellschaftern sein. Dies wäre ein vergleichbares Modell wie im Falle der Pellets-Produktion Wun-Bio, an der verschiedene Unternehmen, unter anderem Bayernwerk, Anteile halten.

Zurück zum "Set-Up" in Wunsiedel. Hier und in der Region gibt es unter anderem eine ganze Reihe von Wind- und Photovoltaikanlagen. Diese liefern zwar in günstigen Zeiten, wenn die Sonne scheint und Wind weht, mehr Strom, als die Menschen und Betriebe der Region verbrauchen, doch bislang ist das Speichern großer Mengen nicht möglich. In Form von Wasserstoff lässt sich dies allerdings hervorragend verwirklichen, hat doch die Technologie einen Wirkungsgrad von um die 65 Prozent (Diesel hat etwa halb so viel). In der Elektrolyse wird mit elektrischem Strom Wasser in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Energieträger Wasserstoff kann unter anderem in speziellen Tanks unter hohem Druck gespeichert werden.

Das allein ist im Prinzip in anderen Regionen auch möglich. Siemens will die Wasserstoff-Anlage aber in Wunsiedel bauen, weil hier das Know-how und die Begeisterung für erneuerbare Energien fast einzigartig seien, wie Schmuderer im Gespräch mit der Frankenpost sagt. "Es bräuchte einfach mehr Wunsiedels, dann wäre die Energiezukunft sicherlich weiter".

Vor vier Jahren haben die Vertreter von Siemens und SWW-Geschäftsführer Marco Krasser erstmals über das Thema Wasserstoff diskutiert. Seit 2018 sind die Pläne konkret. "Noch in diesem Jahr werden wir ein Geschäftsmodell entwickeln", sagt Schmuderer.

Dass dieser entscheidende Schritt gelingt, scheint sehr wahrscheinlich, wie das große Interesse der Vertreter aus den Gemeinden und der Wirtschaft am ersten "Energie-Dialog" unter dem Titel "Mit Wasserstoff in die Energiezukunft im Fichtelgebirge" bewies. Damit die Planungen zügig verwirklicht werden können, hat Andreas Schmuderer einen "Wasserstoff-Stammtisch" aller Interessierten ins Leben gerufen. Um Pfingsten herum soll das erste Treffen voraussichtlich im Landratsamt stattfinden.

Die Potenziale von Wasserstoff sind laut Schmuderer und dem Hauptreferenten des Abends, Erik Wolf, Senior Consultant Technology bei Siemens, gewaltig. Die Produktion von Wasserstoff verbrauche keine Rohstoffe und helfe, Kohlendioxid einzusparen. Auch die hervorragenden Speichermöglichkeiten von Wasserstoff sprächen für den Energieträger. Schmuderer verweist zudem auf die Vorteile der sogenannten Sektorenkopplung. "Mit einer Elektrolyse-Anlage kann nicht nur Wasserstoff erzeugt werden. "Zusätzlich lassen sich die bei der Produktion entstehende Abwärme und der Sauerstoff nutzen." Sauerstoff wird unter anderem in der Glasherstellung verwendet. Kliniken haben ebenfalls einen hohen Bedarf.

Auch der Landkreis hat großes Interesse am Thema Wasserstoff und verspricht sich viel von dem Energieträger. Zusammen mit Siemens hat der Landkreis daher die Veranstaltung in Wunsiedel organisiert. Gut möglich, dass einst rückblickend der Dienstagabend der Startpunkt für den Bau einer großen Elektrolyse-Anlage im Energiepark Holenbrunn gewesen ist. Dem Vernehmen nach sind acht bis zwölf Millionen Investitionskosten allein für den Bau der Anlage vorgesehen.

Mehrere Vertreter der Wirtschaft haben am Abend die Chance genutzt, mit den Siemens-Experten ins Gespräch zu kommen. Dabei ging es um unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff oder der bei der Produktion entstehenden Nebenprodukte in ihren Unternehmen. Unter anderem ist der Energieträger für Gabelstapler, Busse, kommunale Gebäude oder für Brennstoffzellen denkbar. Sollte tatsächlich die Nachfrage nach Wasserstoff in der Region vorhanden sein, dürfte dem Bau der Elektrolyse-Anlage nichts im Wege stehen.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
18:22 Uhr

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Matthias Bäumler

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22. 05. 2019
18:22 Uhr



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