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Fichtelgebirge

Beitragserhöhung könnte Eltern entlasten

Martin Schöffel bringt Erzieherinnen, Kita-Träger und Vertreter der Kommunen an einen Tisch. Das Gespräch macht die Herausforderungen deutlich.



Wunsiedel - Der Beruf des Erziehers sollte begehrt sein. Die Bezahlung ist nach Auskunft der Mitarbeiter gut, die Arbeit erfüllend, die Entfaltungsmöglichkeiten vielfältig und neue Mitarbeiter werden händeringend gesucht. Dennoch plagen, wie es in einer Mitteilung heißt, die Branche Nachwuchssorgen: zu wenige Mitarbeiter, zu wenig Anerkennung, zu viel Bürokratie und zu wenig Zeit für individuelle Arbeit mit den Kindern.

Diese Punkte seien bei einem Kita-Gespräch in Wunsiedel deutlich geworden. Rund 30 Erzieherinnen und Einrichtungsleiterinnen hätten sich dafür mit Kita-Trägern und Vertretern der Kommunen auf Einladung von Landtagsabgeordnetem Martin Schöffel an einen Tisch gesetzt.

"Der Freistaat hat im Rahmen des Koalitionsvertrages 2018 eingeführt, dass sich der Elternbeitrag für den Kindergarten ab sofort um 100 Euro pro Monat verringern wird. Dies ist eine enorme finanzielle Leistung für Familien", befand Martin Schöffel. Die Erzieherinnen und die Träger bedauerten beim Gespräch jedoch sehr, dass der Betrag nicht in die Qualität der Einrichtungen fließe. Diese belaste demnach, dass wegen der knappen finanziellen Ausstattung zu wenig Spielraum für mehr Personal herrsche. So würden Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen nicht oder zu wenig für Verwaltungsaufgaben freigestellt. Auch die Einarbeitung von Praktikanten oder die Betreuung von Auszubildenden werde nicht ausgeglichen.

"Die Erzieherinnen sind in einem Motivationstief", erklärte Ulrike Hentschel, die Fachberaterin unter anderem des Dekanats Wunsiedel. Sie betonte, dass viele Eltern durchaus gewillt seien, für gute Betreuung zu bezahlen. Für Familien, die sich den Kindergartenbeitrag aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten könnten, seien schon in der Vergangenheit die Beiträge vom Landkreis übernommen worden, ergänzte Sandra Wurzel, die Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt Wunsiedel.

Eine Besonderheit im Landkreis ist, dass in den meisten Einrichtungen die Elternbeträge bisher teilweise deutlich unter dem möglichen Zuschuss von 100 Euro liegen. Am Runden Tisch kam man überein, dass man nun die Elternbeiträge anheben sollte. "Wenn eine Familie bisher 85 Euro für den Kindergartenplatz bezahlt und der Kindergarten jetzt die Gebühren um 40 Euro anhebt, dann haben alle etwas davon: Die Kosten für die Eltern liegen dann mit 25 Euro deutlich niedriger als bisher, und der Kindergarten hat dennoch mehr Spielraum", fasste Dekan Peter Bauer zusammen.

Martin Schöffel will das unterstützen. "Durch die Entlastung der Eltern bei den Beiträgen müssen die Tarifsteigerungen der vergangenen zehn Jahre nun nachgeholt werden. Alle müssen ein Interesse daran haben, dass die Einrichtungen gut arbeiten können und trotz neuer Herausforderungen finanziell stabil bleiben."

Eine weitere Lösung zeigte Bürgermeister Peter Berek auf. In der Gemeinde Bad Alexandersbad klappe die Finanzierung des Kindergartens recht gut, weil die Gemeinde selbst die Betriebsverantwortung trage und deshalb voll hinter der Einrichtung stehe.

Einig war man sich, dass die "flexiblen Arbeitsverträge" ein Ende haben müssen. "Flexible Verträge, bei denen die Erzieherinnen jeden Monat für eine andere Stundenzahl angestellt sind, sind weder den Mitarbeiterinnen zuzumuten noch vom Gesetzgeber gefordert", stellte Schöffel fest. Die Mitarbeiter brauchten Verträge mit Planungssicherheit.

Es zeigte sich auch, dass die Voraussetzungen in den Gemeinden extrem unterschiedlich sind. Martin Schöffel will Bürgermeister und Träger nun dazu anregen, die Rahmenbedingungen anzugleichen und die Kinderbetreuung als kommunale Pflichtaufgabe in der Zukunft noch besser zu unterstützen.

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Veröffentlicht am:
12. 06. 2019
18:24 Uhr

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12. 06. 2019
18:24 Uhr



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