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Fichtelgebirge

50 Jahre und noch immer top-modern

Eine Ausstellung im oberen Foyer des Theaterbaus zeigt, wie die Luisenburg zu ihrem Zeltdach kam. Verantwortlich dafür war der Architekt Frei Otto.



Die Zeichnungen Frei Ottos zur Tribünen- und Zeltkonstruktion des Theaterbaus sind bei der Ausstellung im oberen Foyer zu sehen.
Die Zeichnungen Frei Ottos zur Tribünen- und Zeltkonstruktion des Theaterbaus sind bei der Ausstellung im oberen Foyer zu sehen.  

Wunsiedel - Auf ein ganz besonderes Jubiläum verweist eine Dokumentation auf der Theater-Terrasse "Oberes Foyer" der Luisenburg: Der Zuschauerraum des Freilichttheaters mit Tribüne und Dach, so wie es bis heute erhalten ist, wird 50 Jahre alt. Entworfen wurde beides von dem international bekannten Planer und Architekten Frei Otto, dem Schöpfer des "Münchner Olympiadaches".

Die anschauliche Dokumentation in Form von Schautafeln wurde vom Arbeitskreis Kultur & Stadtgeschichte erstellt und in Form einer kleinen Ausstellungseröffnung präsentiert.

Die allesamt ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Arbeitskreises haben es sich zur Aufgabe gemacht, jährlich ein Thema mit Bezug zur Wunsiedler Stadtgeschichte zu behandeln. So gab es bereits elfmal Ausstellungen, Aktionen und Festveranstaltungen zu Wunsiedler Themen.

Darauf verwies German Schlaug, der Sprecher des Arbeitskreises und Hauptinitiator der diesjährigen Aktion. Er verwies in seinen Ausführungen auf die grundsätzliche architektonische Bedeutung der Arbeiten Frei Ottos für die Luisenburg. Bereits in den 50er Jahren, so Schlaug, habe sich der junge Architekt eine Reputation als Spezialist für Zeltdächer und Leichtbau erworben.

Spätestens seit dem Expo-Pavillon von Montreal (1967) war er international bekannt.

Zentrales Thema war für ihn die Übertragung von Bauformen aus der Natur in die Architektur. Frei Otto wirkte weltweit als Anreger und Vordenker und so wurde ihm 2015 der gern als "Nobelpreis für Architekten" bezeichnete Pritzkerpreis verliehen.

Wie nun kam Frei Otto nach Wunsiedel? Auch dieser Frage ging German Schlaug nach und führte aus, dass im Verlauf der 50er Jahre der Erfolg der sommerlichen Freiluft-Festspiele alle Erwartungen übertroffen habe und die Zuschauerzahlen rapide angestiegen seien. Der Tribünenbau aus dem Jahr 1912 platzte buchstäblich aus allen Nähten. Die Überdachung der Zuschauer mit einer Zeltplane wirkte unzeitgemäß und die Sicherheitsbedenken wuchsen. 1961, elf Jahre vor "München", holte der damalige Bürgermeister Albert Müller Frei Otto von Berlin nach Wunsiedel.

Eine Zeltfirma hatte den Kontakt zu dem jungen Architekten mit speziellen Kompetenzen angeregt.

Otto bekam umgehend den Planungsauftrag, und eine ungewöhnliche und einmalige Planungsgeschichte nahm ihren Anfang.

Dass es dann doch noch acht Jahre gedauert habe, bis zur Fertigstellung des Zuschauerraumes im November 1969, lag daran, dass andere Projekte dringlich vorangetrieben werden mussten, da Wunsiedel Bundeswehr-Standort wurde und dadurch auch eine Kläranlage erforderlich wurde.

Aber auch der technische Pioniercharakter des geplanten Baus habe zu dem langen Aufschub des Baubeginns beigetragen.

Als zeitraubend und schwierig, aber auch interessant haben sich die Recherchen des Arbeitskreises herausgestellt. In den verschiedenen Archiven Wunsiedels wurden zahlreiche Dokumente zur Arbeit Frei Ottos aus den Jahren 1961 bis 1969 gefunden. Besuche in das Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau SAAI in Karlsruhe wurden unternommen, wo ein gewaltiger Nachlass Frei Ottos betreut werde, zu dem auch Hunderte von Modellen gehören, mit denen Otto seine Projekte entwickelte. In Karlsruhe fanden sich auch umfangreiche Dokumente seiner Arbeit in Wunsiedel.

Die Recherchen brachten eine zentrale Erkenntnis, die im Mittelpunkt der vor allem auf Bildmaterial gegründeten Ausstellung steht: "Frei Ottos Entwurf ist nicht bloß eine Zeltdachkonstruktion, sondern ein Gesamtkonzept, das den Zuschauerraum seither prägt: die biomorphe (der Natur nachempfundene) Dachmembran über den jetzt amphitheatralisch (in einem Kreisbogen) auf die Bühne ausgerichteten Zuschauertribünen", erläuterte German Schlaug.

Der Arbeitskreis hofft, dass die kleine und notgedrungen vorläufige Dokumentaton einen Anstoß für eine weitere Beschäftigung mit der Arbeit Frei Ottos für die Luisenburg geben möge.

Die Ausstellung ist während der Festspiele zu sehen.

Autor

Johanne Arzberger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
19:58 Uhr

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Johanne Arzberger

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Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
19:58 Uhr



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