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Fichtelgebirge

Jugendliche kommen billig voran

Der Landkreis erprobt für ein halbes Jahr das Fifty-Fifty-Angebot. Das soll Disco-Unfälle verhindern helfen.



Ab dem 19. Juli können Jugendliche und junge Erwachsene im Landkreis an Wochenenden zum halben Preis mit Taxis und Mietwagen fahren. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Ab dem 19. Juli können Jugendliche und junge Erwachsene im Landkreis an Wochenenden zum halben Preis mit Taxis und Mietwagen fahren. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt   » zu den Bildern

Wunsiedel - Kurze Wege sehen anders aus: Wer zum Beispiel von Marktredwitz zur Party nach Kirchenlamitz will, muss entweder selbst ins Auto steigen oder sich eine Mitfahrgelegenheit organisieren. Das Dumme daran: Irgendjemand muss sich ans Steuer setzen. In Zukunft sollen es Jugendliche und junge Erwachsene im Landkreis einfacher haben, zum Ausgehen von A nach B zu kommen: Der Kreisausschuss befürwortete geschlossen, das Fifty-Fifty-Projekt probeweise zu starten.

Unterschiede zwischen Taxi und Mietwagen

Die meisten Fahrgäste unterscheiden nicht, ob sie in ein Taxi oder das Auto eines Mietwagenbetreibers steigen. Dabei gelten für beide Unternehmensformen eigene Bestimmungen:

 

Nur Taxiunternehmer haben eine Beförderungspflicht für die gesamte Nacht, da sie Teil des öffentlichen Personennahverkers sind. Mietwagenunternehmer können wählen, wie lange sie Fahrten übernehmen wollen.

Taxifahrer müssen einen Personenbeförderungsschein mit Ortsprüfung ablegen, bei Mietwagenfahrern ist die Ortskundeprüfung erst in Orten mit mehr als 50 000 Einwohnern Pflicht.

Taxiunternehmer rechnen nach Taxameter und der Taxi-Tarifordnung für den Landkreis Wunsiedel ab. Mietwagenbetreiber können die Beförderungspreise verhandeln.

Im Gegensatz zu Taxiunternehmern müssen Mietwagenunternehmer nach jeder Fahrt an ihren Betriebssitz zurückkehren, bevor sie die nächste Fahrt aufnehmen.

 

Im Landkreis Wunsiedel gibt es mit Taxi-Bär in Marktredwitz nur ein Taxi-Unternehmen.

 

Klaus von Stetten von den Freien Wählern hatte schon im Dezember vergangenen Jahres gefordert, das in Selb bereits erprobte Projekt auf den gesamten Landkreis auszuweiten. Nach einer aufwendigen Vorbereitung ist der Landkreis nun startklar, für die junge Generation eine Zeitenwende bei der Freizeitgestaltung einzuleiten.

 

In Zukunft sollen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 27 Jahren an Wochenenden und den Abenden vor Feiertagen in der Zeit von 21 bis 5 Uhr innerhalb des Landkreises zum halben Preis mit Taxis und Mietwagen fahren können. Voraussetzung ist, dass die Fahrgäste ihren Personalausweis vorlegen. Die andere Hälfte des Fahrpreises übernimmt der Landkreis. Finanziert werden sollen die Kosten zunächst mit Haushaltsmitteln und später auch mit Beiträgen von Sponsoren.

"In Selb hat sich das Modell sehr gut bewährt", begründete Klaus von Stetten seinen Antrag, das Fifty-Fifty-Projekt landkreisweit auszudehnen. Auch die übrigen Kreisausschuss-Mitglieder befürworteten das Ansinnen. "Das soll natürlich keine Konkurrenz zu unserem beliebten Nightliner sein, den wir auf jeden Fall beibehalten wollen", sagte Landrat Dr. Karl Döhler. Die Fahrt im Nightliner, der vor allem größere Veranstaltungen auf bestimmten Linien ansteuert, kostet zwei Euro. Er sehe das neue Angebot mit den Mietautos und Taxis als eine sinnvolle Ergänzung dazu.

Letztlich geht es darum, Disco-Unfälle zu vermeiden. Davon gab es in den vergangenen acht Jahren 17 im Landkreis.

Der Probebetrieb des Fifty-Fifty-Projektes startet am 19. Juli, also am Wochenende nach dem Selber Wiesenfest. Wie Tobias Köhler vom Landratsamt sagte, sollte es eigentlich schon am 1. Juli losgehen. "Aber die Taxibetreiber baten uns, den Termin nach hinten zu verschieben."

So interessant das Projekt für die Jugendlichen im Landkreis ist, so kompliziert gestalteten sich die Vorarbeiten im Hintergrund. Von den 21 Mietwagenbetreibern und dem einen Taxiunternehmen im Landkreis haben sich bislang nur sechs Betriebe gemeldet, die sich beteiligen wollen (vier aus Marktredwitz, einer aus Arzberg und einer aus Selb). Mittlerweile ist ein Betrieb aus Marktredwitz abgesprungen. "Aus dem Raum Kirchenlamitz, Weißenstadt, Tröstau und Wunsiedel hat sich leider niemand zum Mitmachen bereiterklärt", sagte Köhler. Inzwischen haben sich zwei der Betriebe gemeldet und mitgeteilt, dass sie nicht bis 5 Uhr, sondern lediglich bis 2 Uhr früh fahren können.

Dass sich zunächst noch einige Unternehmer zurückhalten, hält Klaus von Stetten für nicht so tragisch. "Ich bin zuversichtlich, dass weitere dazukommen. Es gab zunächst auch in Selb Zweifel, aber mittlerweile hat sich alles gut entwickelt." Die Verantwortlichen der Betriebe würden schnell merken, dass das Angebot eine sehr gute Chance sei, ihre Autos auszulasten und das Personal noch besser planen zu können.

Im ersten halben Jahr werden die Mietauto- und Taxifahrer Listen führen, in die sie die Fahrten eintragen. Am Ende des Monats erstattet der Landkreis die Kosten. Nutzen dürfen das Fifty-Fifty-Projekt an sich nur junge Bürger, die ihren Erstwohnsitz im Landkreis haben. "Das würde aber bedeuten, dass gerade die Studenten, die ihren ersten Wohnsitz am Studienort nehmen müssen, aus dem Teilnehmerkreis herausfallen würden", sagte Wolfgang Kreil (CSU).

Ähnlich argumentierte auch Wilfried Kukla (Grüne). "Die Studentenstädte werben unsere Leute ab und geben ihnen Vergünstigungen für die Nahverkehrsverbünde. Da ist es nur gerecht, wenn auch wir sie zum halben Preis fahren lassen, wenn sie am Wochenende im Landkreis sind."

Das Wohnsitz-Thema ließ Jörg Nürnberger (SPD) ebenfalls nicht ruhen. "Was ist, wenn jetzt eine Clique fahren will, in der zwei aus dem Landkreis kommen und zwei außerhalb wohnen?" Eigentlich müssten dann die beiden Auswärtigen den vollen Preis zahlen. Wolfgang Kreil empfahl, die Angelegenheit nicht zu hoch zu hängen. "Zumindest in der Probephase sollte nicht eigens der Wohnsitz kontrolliert werden. Ich gehe mal davon aus, dass nicht ganze Horden von außerhalb des Landkreises bei uns mit dem Taxi fahren wollen."

Das Fifty-Fifty-Angebot gilt lediglich dann, wenn der Ausgangspunkt und das Ziel innerhalb des Landkreises liegen.

Nach der Probephase soll das Angebot möglichst verstetigt werden. Dann wird auch die Buchung der Fahrten einfacher werden. In den ersten sechs Monaten müssen die Fahrgäste die Mietautos oder Taxis (die Teilnehmer werden in einem Flyer veröffentlicht) telefonisch bestellen. Schon bald will der Landkreis jedoch eine eigene App entwickeln.

Möglicherweise wird das Fifty-Fifty-Angebot ein Baustein der umfassenden Mobilitäts-App des Landkreises werden. Wie berichtet, soll diese alle Fahrzeiten, Verbindungen und Preise der Busse, der Eisenbahn, des Radl- und Freizeitbusses, des Nightliners und aller anderen Angebote enthalten.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
18. 06. 2019
18:16 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
18. 06. 2019
18:16 Uhr



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