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Fichtelgebirge

Wunsiedels wunderbare Wunschliste

Verkehrsberuhigung, Markthalle, offenes Kunstatelier: In den nächsten Jahren könnte in der Festspielstadt viel geschehen, wenn das nötige Geld vorhanden wäre.



Die Verkehrsberuhigung der Wunsiedler Innenstadt ist ein im ISEK genanntes Ziel. Foto: Florian Miedl
Die Verkehrsberuhigung der Wunsiedler Innenstadt ist ein im ISEK genanntes Ziel. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Die 227 Seiten lesen sich wie eine etwas theoretisch formulierte Wunschliste für ein Wunsiedel im Jahr 2030: Bis dahin ist die ehemalige Sechsämter-Fabrik bis auf einen kleinen Teil verschwunden und an ihrer Stelle gibt es einen kleinen Park mit Einfamilienhäusern. In der Innenstadt fahren nur noch wenige Autos und die Fußgänger haben jede Menge Platz. Schließlich gibt es in der Fußgängerzone eine Markthalle mit regionalen Lebensmitteln und unweit davon ein offenes Atelier, in dem sich Künstler treffen oder Theaterworkshops stattfinden. All das und noch viele weitere Anregungen stehen im neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das die Stadträte am Donnerstag einstimmig gebilligt haben.

Städtische Einrichtungen komplett "politikfrei"

Seit Jahren darf auf Beschluss des Stadtrates in der Fichtelgebirgshalle in Wunsiedel keine politische Veranstaltung mehr stattfinden. Das heißt, dass die Halle für sämtliche politisch motivierte Veranstaltungen unter Verantwortung von politischen Parteien, politischen Vereinen und Wählergruppierungen gesperrt ist. Das heißt, es dürfen keine Wahlveranstaltungen, Parteitage, politische Unterhaltung oder Konzerte stattfinden. In der Sitzung am Donnerstag hat der Stadtrat nun auch sämtlichen weiteren städtischen Räume für derartige Veranstaltungen gesperrt. Sogar das künftige Lehrschwimmbecken ist explizit eine politikfreie Zone. Das Veranstaltungsverbot gilt auch für die Dorfgemeinschaftshäuser. Letztere wollte Gertraud Sturm (CSU) vom Verbot ausnehmen, "da die Dörfer ohne Wirtshaus sonst vom politischen Willensbildungsprozess ausgeschlossen sind." Auch Parteikollege Martin Keltsch argumentierte so. "Die Demokratie muss aushalten, dass in Dorfgemeinschaftshäusern auch missliebige Veranstaltungen stattfinden. Gerade nach dem Mord an Walter Lübcke muss ich sagen, mir ist lieber, man sieht die Leute in der Öffentlichkeit als dass man sie ins Internet abdrängt." Lübcke ist jahrelang wegen seines Engagements für Flüchtlinge im Internet mit Hasskommentaren bedacht worden. Mutmaßlich ist der Täter auch dadurch aufgestachelt worden. Die Stadträte stimmten für die künftigen politikfreien Räume.


Architekt und Stadtplaner Dr. Ulrich Wieler hatte zuvor die Fortschreibung des ISEK a vorgestellt. Es sei zwar eine Art unverbindliche Wunschliste, dennoch seien zum Beispiel aus dem alten ISEK (2009) viele Anregungen verwirklicht worden. Unter anderem sprach er die verschiedenen Initiativen zum Megathema Demografie an.

Wie Konrad Scharnagl (SPD) erläuterte, klingt das ISEK zwar tatsächlich wie eine Wunschliste, sei aber Grundlage für jede Förderung. "Wenn wir ein Projekt umsetzen wollen, das nicht in dem Konzept steht, haben wir Probleme, die Notwendigkeit zu begründen." Tatsächlich handelt es sich um eine Art Leitfaden für die kommenden 15 Jahre. Und hier erachtet zum Beispiel die Regierung von Oberfranken in ihrer Stellungnahme zum ISEK die Verringerung des Flächenverbrauchs und die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt als vordringlich. "Auch der Marktplatz muss funktionieren, und zwar vom Weihnachtsmarkt bis zum Eisschlecken im Sommer", brachte es Wieler auf den Punkt. Daher sei auch die Markthalle ein wichtiges Projekt. Er empfehle auch die Installation eines Innenstadtkoordinators als Bindeglied zwischen Verwaltung, Bürger und Kultur. Derartige Stellen würden gut gefördert. Hierzu sagte Bürgermeister Karl-Willi Beck, dass die Stadt dabei sei, das Innenstadtmanagement neu aufzustellen.

Etwas kritischer als die meisten Stadträte bewertet Michael Menkhoff von den Aktiven Bürgern das ISEK. "In der Fortschreibung werden viele Maßnahmen aus der Vergangenheit mit einer rosaroten Brille gesehen." Hier nannte er vor allem das Projekt "Wunsiedel 10 000" mit Professor Lothar Koppers. "Hier kommen wir zum Beispiel an die damals erstellte Datenbank nicht mehr ran." Menkhoff sprach ebenfalls von einem Wunschkonzert. Nicht alles, was in den mehr als 200 Seiten stehe, müsse auch tatsächlich verwirklicht werden.

Als sinnvoll bezeichneten alle Stadträte die Themen zum Verkehr. Hier geht es vor allem darum, die vielen Autos aus der Innenstadt herauszubekommen. Christine Lauterbach (SPD) regte an, den Ausbau der Rot-Kreuz-Straße als eine West-Tangente mit in das Konzept aufzunehmen. Unter anderem steht in dem Leitfaden für die Stadtentwicklung auch eine Bushaltestelle für die Ludwigstraße. Derzeit ist ein Großteil der Innenstadt komplett versiegelt. Es gebe noch genügend Potenzial, weitere Grünflächen für die Fußgänger zu schaffen.

German Schlaug zeigte sich enttäuscht, dass es geschlagene vier Jahre gedauert habe, bis nach den Stadtspaziergängen im Jahr 2015 erst jetzt die Auswertung vorliege. Bei den Stadtspaziergängen haben die Architekten den Stadträten die zuvor mit den Bürgern gesammelten Anregungen vorgestellt. "Die Markthalle geistert noch immer herum. Hier bräuchten wir einen Partner für die Gewerbe-Entwicklung."

Beck sagte hierzu, dass er das ähnlich sehe. Die Regierung habe aber eine Machbarkeitsstudie gefordert und auch gefördert, mit der die Potenziale für eine Markthalle eruiert werden sollen. "Mit der Studie können wir auf die Suche nach einem Betreiber gehen."

Martin Keltsch (CSU) blickte voraus. "Mit dem Konzept weiß der neue Stadtrat, was wir uns so gedacht haben. Er soll produktiv damit umgehen." Sein Okay zum ISEK gab auch Alexander Fuchs im Namen der Freien Wähler.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
17:50 Uhr

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Matthias Bäumler

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28. 06. 2019
17:50 Uhr



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