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Fichtelgebirge

Tödliche Gefahr für Retter und Hobby-Höhlenforscher

Am Samstag mussten Experten einen abgestürzten Mann aus einem Bergbauschacht holen. Auch Christopher Häfner von der Bergwacht Fichtelgebirge war vor Ort.



Das Rettungsmanöver im Schiefer gestaltete sich schweirig für die Helfer der Bergwacht. Foto: Bergwacht Rennsteig
Das Rettungsmanöver im Schiefer gestaltete sich schweirig für die Helfer der Bergwacht. Foto: Bergwacht Rennsteig  

Wunsiedel/Lehesten - So eine Nacht hat Christopher Häfner, der Regionalleiter der Bergwacht Fichtelgebirge, noch nicht erlebt. Von Mitternacht bis um sechs Uhr morgens bangte er gemeinsam mit mehreren Dutzend Bergwachtskollegen aus Bayern und Thüringen, Höhlenrettern und Kletterexperten um das Leben des Einsatzteams und der Verunglückten in einem unterirdischen Schiefersteinbruch in Thüringen (wir berichteten). Am Ende ist alles gut gegangen, doch der Weg dahin war mühsam und äußerst gefährlich. Denn diese Rettung war aus vielen Gründen sehr ungewöhnlich, erklärt der Bischofsgrüner im Gespräch mit der Frankenpost.

Was war passiert? Drei Männer und eine Frau aus dem Raum Hof wollten das Höhlen- und Stollensystem des Oertelsbruchs bei Lehesten in Thüringen, nahe der ehemaligen Grenze zu Bayern, erkunden. In diesem Bruch machten die Nazis Tests für ihre Rakentenantriebe, weil die Schächte als bombensicher galten.

Dass das Betreten der schon seit langer Zeit stillgelegten Schiefer-Stollen verboten ist, hinderte die Hobby-Forscher im Alter zwischen 32 und 41 Jahren nicht, hundert Meter tief in den Berg hineinzugehen und sich dann 40 Meter in einen Wetterschacht abzuseilen. Doch dann passierte es. Einer der Männer stürzte sechs Meter tief und verletzte sich am Bein. "Die Verletzung war nicht lebensgefährlich, aber den Rückweg konnte er so nicht mehr bewältigen", erklärt Häfner. Zwei aus der Gruppe schafften den Rückweg. "Sie setzten den Notruf ab", erklärt der Häfner. Der Dritte blieb bei dem Verletzten.

"Wann das genau war, weiß ich nicht, aber sicher schon Stunden, bevor die Leitstelle Coburg gegen 21.30 Uhr auch die Helfer in Bayern alarmiert hat. Denn eigentlich sind wir aus dem anderen Bundesland nicht zuständig und auch nicht befugt", erzählt der Retter aus dem Fichtelgebirge. Das heißt, die Polizei, Bergwacht und verschiedene Feuerwehren arbeiteten in Thüringen bereits seit Stunden in dieser Sache.

Als Erster ein Bild von der Lage aus bayerischer Sicht hatte sich Ralf Schmidt, Bergwachtsexperte und Einsatzleiter aus dem benachbarten bayerischen Bergwachtsbereich, gemacht. Er alarmierte sofort die drei Spezialeinheiten Höhlenrettung aus Lauf, Bayreuth und Bamberg. Außerdem kamen unter anderem Abordnungen aus Schwarzenbach am Wald und dem Fichtelgebirge. Denn Schmidt war sofort klar, dass dieser Fall eine große Herausforderung für die Retter wird. Mit im Einsatz waren außerdem Kollegen der Bergwacht Rennsteig und Meuselbach.

30.06.2019 - Kletterer aus Höhle gerettet - Foto: Bergwacht Rennsteig

Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten
Höhlenrettung Lehesten

"Allein die Unfallstelle zu erreichen, ist kompliziert", erklärt Häfner. Rund 800 Meter ist die nächste Straße entfernt, der Einstieg in den Berg liegt im Wald, und man muss über einen Steilhang und dann nochmal 100 Meter in den Berg, erst dann hat man den 40 Meter tiefen Schacht erreicht", beschreibt er die Situation vor Ort.

Aber das größte Problem ist das Gestein: "Schiefer ist scharfkantig, brüchig und instabil." Das bedeute, man könne nicht einfach Schrauben in das Gestein setzten und Sicherungen befestigen. "Die Gefahr ist groß, dass alles ausbricht, und es könnte sogar die Höhlendecke einstürzen", erklärt der Mann aus dem Fichtelgebirge die komplizierte Lage. Das heißt mit Spezialaufbauten mittels Holzbalken und anderen speziellen Gerätschaften mussten die Retter eine Konstruktion schaffen, die das Hochziehen des Verletzten gefahrlos möglich macht. "Ein Arzt konnte aber schon vorher abgeseilt werden und den Mann versorgen", erklärt Häfner den weiteren Verlauf der Rettung.

Gegen sechs Uhr morgens war es dann endlich geschafft. Die Retter konnten den Verunglückten aus dem Stollen befreien. "Die Aufräumarbeiten dauerten aber dann noch einige Zeit, denn es musste ja alles wieder rückgebaut werden", beschreibt der Bischofsgrüner. Er kann im Nachhinein nur den Kopf schütteln. "Wer in so einen Stollen einsteigt, der bringt sich und auch die Retter in große Gefahr."

Autor

Alexandra Hautmann
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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
17:44 Uhr

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Alexandra Hautmann

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01. 07. 2019
17:44 Uhr



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